Französischer Energieversorger AKW-Stillstand kostet Betreiber EDF weitere Milliarden

Der Ausfall der französischen Atomkraftwerke kostet den Betreiber in diesem Jahr wohl 29 Milliarden Euro. EDF-Chef Jean-Bernard Lévy bekommt die Probleme nicht in den Griff. Der verschuldete Konzern steht kurz vor der Übernahme durch die Regierung.
Missmanagement: der scheidende EDF-Chef Jean-Bernard Lévy

Missmanagement: der scheidende EDF-Chef Jean-Bernard Lévy

Foto: SARAH MEYSSONNIER / REUTERS

Der Stillstand der Atomkraftwerke in Frankreich kommt den staatlichen Kraftwerkbetreiber EDF noch teurer zu stehen als bisher gedacht. Der hoch verschuldete Energieversorger hat daher zum fünften Mal in diesem Jahr seine Gewinnprognose reduziert. Der Konzern erwarte eine geringere Produktion von Atomstrom und rechne damit, dass die Einnahmen um 29 Milliarden Euro niedriger ausfallen werden, teilte EDF am Donnerstag in Paris mit. Zuvor hatte das Unternehmen, das vor der Verstaatlichung steht, eine Belastung des operativen Ergebnisses (Ebitda) von 24 Milliarden Euro angekündigt. Die Aktie  rutschte am Dienstag spürbar ab.

EDF betreibt alle 56 Atomkraftwerke in Frankreich. Die Stromproduktion der französischen Kernkraftwerke werde dieses Jahr voraussichtlich nur das untere Ende der Spanne von 280 bis 300 Milliarden Terawattstunden erreichen, der niedrigste Wert seit 30 Jahren, hieß es weiter. Im kommenden Jahr soll sie auf 300 bis 330 Terawattstunden steigen, für 2024 hat die EDF-Führung weiter 315 bis 345 Terawattstunden im Auge.

Zuletzt waren mehr als die Hälfte der französischen Atomkraftwerke wegen Instandsetzungsarbeiten sowie nach dem Auftreten von Rissen außer Betrieb. Frankreichs Stromversorgung steckt dadurch seit Monaten in Schwierigkeiten. Missmanagement und Planlosigkeit der EDF-Führung, aber auch die Sorglosigkeit der Politik haben den Konzern an den Rand des Abgrunds und die europäischen Strompreise in die Höhe getrieben.

Am Mittwoch hatte die französische Regierung zudem angekündigt, den Anstieg der Stromrechnungen der Haushalte ab Februar 2023 auf 15 Prozent zu begrenzen. Bereits vor einem Jahr hatte sich Frankreich zur Deckelung der Strom- und Gastarife für die Verbraucher entschlossen.

Die Regierung will EDF zudem komplett übernehmen. Aktuell hält der Staat etwas mehr als 80 Prozent – für die Übernahme der restlichen Anteile will die Regierung knapp zehn Milliarden Euro auf den Tisch legen.

Der scheidende EDF-Chef Jean-Bernard Lévy (67) betonte, der Wartungsplan für die Kernreaktoren, die im Winter wieder ans Netz gehen sollen, sei auf gutem Weg. EDF kämpft mit drastischen Kostensteigerungen bei seinen neuen Atomkraftwerken in Frankreich und Großbritannien. Hinzu kommen die Mängel an einigen der älteren Reaktoren. Derweil müht sich Europa um Alternativen zum russischen Gas.

dri/dpa, Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.