Französischer Energiekonzern Luc Rémont folgt Jean-Bernard Lévy als EDF-Chef

Wechsel an der Spitze des kriselnden französischen Energiekonzerns EDF: Luc Rémont tritt die Nachfolge von Jean-Bernard Lévy an der Spitze des vor der Verstaatlichung stehenden Unternehmens an.
Vorzeitiges Ende: EDF-Vorstandsvorsitzenden Jean-Bernard Lévy

Vorzeitiges Ende: EDF-Vorstandsvorsitzenden Jean-Bernard Lévy

Foto: SARAH MEYSSONNIER / REUTERS

Der vor der kompletten Wiederverstaatlichung stehende französische Energiekonzern EDF soll künftig von Luc Rémont (53) geleitet werden. Präsident Emmanuel Macron (44) habe den bisherigen Generaldirektor des Elektrotechnik-Konzerns Schneider Electric zum Nachfolger des vorzeitig ausscheidenden EDF-Vorstandsvorsitzenden Jean-Bernard Lévy (67) ernannt, teilte der Élysée-Palast am Donnerstag in Paris mit. Das Parlament muss der Ernennung noch zustimmen. Rémont hatte vor seinem Wechsel in die Privatwirtschaft in verschiedenen Funktionen im Pariser Wirtschafts- und Finanzministerium gearbeitet.

EDF befindet sich bereits überwiegend in Staatshand. Präsident Macron hatte im März angekündigt, EDF wieder vollständig nationalisieren zu wollen. Mit diesem Schritt soll der angestrebte Ausbau der Atomkraft in Frankreich sichergestellt werden. Macron schwebt eine Renaissance der Atomkraft vor – mit dem Bau von sechs bis acht neuen Kraftwerken. Die unabhängige Versorgungssicherheit des Landes soll so gesichert werden. Kurzfristig wird der EDF-Chef sich allerdings dem alternden und schwächelnden aktuellen Kraftwerkspark widmen müssen. Die Hälfte der 56 Meiler ist im Moment wegen Wartungen und Reparaturen vom Netz.

Der Stillstand seiner Atomkraftwerke kommt EDF derzeit noch teurer zu stehen als bisher gedacht. Der hoch verschuldete Energieversorger hatte daher vor zwei Wochen zum fünften Mal in diesem Jahr seine Gewinnprognose reduziert. Der Konzern erwartet nun erneut eine geringere Produktion von Atomstrom und rechnet damit, dass die Einnahmen um 29 Milliarden Euro niedriger ausfallen werden als geplant.

Mit der Ernennung von Rémont greift der französische Staat zum zweiten Mal binnen weniger Monate auf eine Spitzenkraft des Unternehmens Schneider Electric zu. Bereits im April war die Vize-Europa-Chefin des Elektrotechnik-Konzerns, Christel Heydemann (47), zur Vorstandschefin des teilstaatlichen Telekommunikationskonzerns Orange ernannt worden.

hr/dpa-afx
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