Freitag, 6. Dezember 2019

Radikaler Strategiewechsel Eon startet Kernspaltung

Hat den Blick auf die Probleme des Konzerns geschärft: Johannes Teyssen, Vorstandschef von Eon, hier auf einem Foto von der Bilanz-Pressekonferenz am 12. März 2014.

Radikaler Strategiewechsel beim Energieversorger Eon: Er will das Geschäft mit konventioneller Energieerzeugung loswerden. Stattdessen im Fokus: erneuerbare Energien und Services.

Düsseldorf - Eon Börsen-Chart zeigen bereitet unter dem Druck der Energiewende einen radikalen Konzernumbau vor. Das Geschäft mit der Stromerzeugung aus Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken sowie der Energiehandel werde 2016 mehrheitlich an die Aktionäre abgegeben und der Rest an die Börse gebracht, teilte der größte deutsche Energiekonzern mit. Das verbleibende Unternehmen bestehe dann noch aus der Erzeugung von Ökostrom sowie dem Betrieb der Strom- und Gasnetze und dem Vertriebsgeschäft.

Eon besiegelte zugleich den Verkauf der Geschäfte in Spanien und Portugal an den australischen Investor Macquarie für einen Unternehmenswert von 2,5 Milliarden Euro. Der Versorger muss aber wohl im laufenden Quartal noch Abschreibungen in Höhe von 4,5 Milliarden Euro vornehmen, nachdem es bereits im bisherigen Jahresverlauf rund 700 Millionen Euro waren. Für die Jahre 2014 und 2015 sollen die Aktionäre eine Dividende von 50 Cent je Aktie erhalten. Für 2013 hatte der Konzern noch 60 Cent je Anteilsschein ausgeschüttet.

Eon-Aktien legten 4,2 Prozent zu und waren damit Spitzenwert im Dax. Analystin Deepa Venkateswaran von Bernstein Research schrieb, das auf Endkunden ausgerichtete Vertriebsgeschäft werde damit nicht mehr vom trüben Ausblick für die konventionelle Stromerzeugung oder von Rohstoffrisiken überschattet und gewinne dadurch an Wert. Dies seien gute Perspektiven für Aktionäre.

Mit der Abspaltung der Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke reagiert Eon auf den Preissturz bei den Großhandelspreisen für Strom. Diese sind wegen der Überkapazitäten an Kraftwerken und dem Ausbau des Ökostroms allein seit Anfang 2013 um mehr als ein Viertel gefallen. "Das bisherige breite Geschäftsmodell von Eon wird den neuen Herausforderungen nicht mehr gerecht", sagte Vorstandschef Johannes Teyssen. Deshalb wolle sich der Konzern radikal neu aufstellen.

Kein weiterer Stellenabbau

2015 wolle das Management die Vorsaussetzungen für die Abspaltung und den Börsengang der konventionellen Kraftwerke schaffen. Zu dem abgespalteten Teil würden auch der globale Energiehandel sowie die Bereiche Exploration und Produktion gehören. Nachdem die Mehrheit 2016 an die Aktionäre abgegeben werde, werde der Minderheitsanteil mittelfristig in mehreren Schritten an der Börse platziert. Die neue Gesellschaft werde ihren Sitz in der Region Rhein-Ruhr haben und rund 20.000 Mitarbeiter beschäftigen.

Mit der Neuaufstellung sei kein Stellenabbau verbunden. Der Versorger hatte bereits in den vergangenen Jahren Tausende Jobs gestrichen. Dem Restkonzern, der unter anderen die Windkraft in Europa ausbauen soll, gehören dann noch 40.000 Beschäftigte an. Weitere Details will das Management heute auf einer Pressekonferenz vorstellen.

Die Geschäfte in Spanien und Portugal verkauft Eon zu einem Unternehmenswert von 2,5 Milliarden Euro an Macquarie. Eon war unter dem früheren Chef Wulf Bernotat auf Einkaufstour in Südeuropa gegangen. Für 11,5 Milliarden Euro wurde in Spanien, Italien und Frankreich zugekauft. Gut die Hälfte des Wertes musste Eon bereits zuvor abschreiben, nachdem in den Ländern in Folge der Wirtschaftskrise die Nachfrage einbrach.

Nordsee-Gasförderung könnte verkauft werden

Noch vor der Neuaufstellung werde auch ein Verkauf des Italiengeschäfts untersucht, erklärte der Konzern. Nach Reuters-Informationen läuft der Prozess bereits seit längerem, mehrere Investoren haben bereits Angebote eingereicht. Eon hatte sich dazu nicht äußern wollen. Der Konzern stellt nun auch die Gasförderung in der Nordsee zur Disposition.

Die im vierten Quartal fälligen Abschreibungen entfallen auf das Südeuropa-Geschäft sowie auf Kraftwerke, erklärte Eon. Dadurch werde im Geschäftjahr 2014 ein erheblicher Fehlbetrag eingefahren. Die Prognose für einen Betriebsgewinn von 8,0 bis 8,6 Milliarden Euro sowie für einen nachhaltigen Überschuss von 1,5 bis 1,9 Milliarden Euro behalte der Konzern jedoch bei.

Wegen der dreimonatigen Zwangsabschaltung der Meiler Unterweser und Isar 1 im Frühjahr 2011 verklagt Eon den Bund und mehrere Länder auf Schadensersatz in Höhe von rund 380 Millionen Euro. Die Bundesregierung hatte damals die sieben ältesten Meiler der Republik abschalten lassen - allerdings bevor der Atomausstieg beschlossen wurde.

Von Tom Käckenhoff, Reuters, mit dpa

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