Mittwoch, 16. Oktober 2019

EU genehmigt Stromdeal unter Auflagen Eon und RWE dürfen Innogy zerschlagen

Innogy-Logo in Essen: Durch die Zerschlagung von Innogy wird RWE zum Produzenten und Großhändler von Strom, Eon zum Strom- und Gasverkäufer

Es ist einer der spektakulärsten Deals der vergangenen Jahre: Die EU-Wettbewerbshüter haben den Stromdeal der deutschen Platzhirsche RWE Börsen-Chart zeigen und Eon Börsen-Chart zeigen unter Auflagen erlaubt. Er führe nicht zu weniger Auswahl und höheren Preisen, teilte die Brüsseler Behörde am Dienstag mit. Damit können Eon und RWE den deutschen Strommarkt umkrempeln.

Eon und RWE hatten im März 2018 ihre Pläne für die Neuausrichtung auf dem deutschen Energiemarkt bekanntgegeben. Die beiden Essener Konzerne wollen die junge RWE-Ökostromtochter Innogy zerschlagen und ihre Geschäftsfelder komplett neu aufteilen. Eon soll die Netze und das Endkundengeschäft von Innogy erhalten, RWE die erneuerbaren Energien von Innogy und Eon. Dadurch wird RWE zum Produzenten und Großhändler von Strom, während sich Eon - künftig ohne eigene Kraftwerke - auf den Transport und Verkauf von Strom, Gas und Energiedienstleistungen an Haushalte und Unternehmen konzentrieren will.

Neu ist auch: Beide Konzerne sind künftig geschäftlich eng miteinander verbunden. Denn RWE erhält im Zuge des Tauschgeschäfts eine Beteiligung von 16,7 Prozent an Eon und kann so von dessen Dividenden profitieren.

"Privat- und Geschäftskunden in Europa müssen Strom und Gas zu wettbewerbsfähigen Preisen beziehen können. Wir können heute die Übernahme von Innogy durch Eon genehmigen, weil die Verpflichtungszusagen von Eon sicherstellen, dass der Zusammenschluss in den Ländern, in denen diese Unternehmen tätig sind, nicht zu einer geringeren Auswahl und höheren Preisen führen wird", sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager.

Eon muss Großteil seiner Heizstromkunden abgeben

Zu den Auflagen gehört nun, dass Eon unter anderem 34 Ladestationen für Elektroautos an deutschen Autobahnen abgeben muss. Die Ladestationen sollen künftig von einem Drittanbieter betrieben werden. Zudem muss Eon die Verträge mit den meisten seiner Heizstromkunden in Deutschland abgeben.

Des weiteren muss Eon sich von Strom- und Gasvertriebsgeschäften in Ungarn und Tschechien trennen. "Wir hätten diese Geschäfte gern fortgeführt, werden die Auflagen der EU-Kommission aber selbstverständlich umsetzen", erklärte Eon-Chef Johannes Teyssen. "Vor dem Hintergrund der großartigen Entwicklungschancen für die neue Eon sind diese Zugeständnisse verkraftbar."

Der Konzern mit rund 70.000 Beschäftigten wird eigenen Angaben zufolge künftig über 50 Millionen Kunden in 15 Ländern betreuen. Teyssen bekräftigte, dass Eon ab 2022 jährliche Synergieeffekte von 600 bis 800 Millionen Euro anstrebe und hierzu bis zu 5000 Jobs gestrichen werden könnten.

RWE wird vom Braunkohlekonzern zum Ökostromanbieter

RWE will sich durch den Deal komplett neu aufstellen. Bisher ist der Konzern eher für seine Braunkohlekraftwerke bekannt, durch den Deal mit Eon wird das Unternehmen zu einem führenden Anbieter von erneuerbaren Energien - bei der Windenergie auf See nach eigenen Angaben die Nummer zwei weltweit. Jedes Jahr will der Konzern künftig 1,5 Milliarden Euro in die erneuerbaren Energieninvestieren. "Brüssel hat heute den Weg freigemacht für die 'neue RWE'", sagte Vorstandschef Rolf Martin Schmitz. "Das macht uns zu einem global führenden Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energien. Mit jährlichen Investitionen von 1,5 Milliarden Euro netto wollen wir diese Position festigen und weiter ausbauen."

In Deutschland wird der Anteil von RWE an der Ökostrom-Erzeugung aber vorerst nur gering ausfallen. Von den rund 100 Gigawatt erneuerbarer Energien verfügt RWE Schmitz zufolge nur über ein Gigawatt.

Risikoreiche Geschäftsmodelle

Die beiden künftigen Geschäftsmodelle von RWE und Eon sind nicht ohne Risiken. Das Netzgeschäft, wie Eon es betreibt, ist staatlich reguliert und damit anfällig für politische Richtungswechsel. Das Vertriebsgeschäft ist hart umkämpft. Neue Kunden können oft nur mit hohen Bonuszahlungen gewonnen werden, Bestandskunden nur mit günstigen Tarifen gehalten werden. Hinzu kommt der schwierige Markt in Großbritannien. Eon übernimmt dort von Innogy die Tochter Npower. Diese schreibt seit Jahren Verluste.

Für RWE wachsen die Bäume insbesondere im europäischen Ökostromgeschäft nicht in den Himmel. Der Wettbewerb bei Ausschreibungen wird immer härter und die staatlichen Förderungen gekürzt.

Für Innogy, die erst vor drei Jahren von der Konzernmutter RWE an die Börse gebracht wurde, bedeutet die Entscheidung aus Brüssel das Aus. Der Großteil der mehr als 40.000 Mitarbeiter wird zu Eon wechseln. Dabei sollen bis zu 5000 Stellen aus beiden Unternehmen ohne betriebsbedingte Kündigungen abgebaut werden. Darüber hatte Eon-Chef Johannes Teyssen mit den Gewerkschaften eine Vereinbarung getroffen. Das neue Unternehmen wird den Namen Eon behalten.

mg/dpa, AFP, rtr

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