Eons Bilanz Ein Konzern mit drei Wahrheiten

Schreibt Eon einen Milliardengewinn, nur einen Bruchteil davon, oder gar einen Verlust? Die Geschäftszahlen des Energiekonzerns für den bisherigen Verlauf lassen sich sehr unterschiedlich lesen. Wir lösen das Rätsel auf.
Eon-Chef Johannes Teyssen betont den "nachhaltigen Konzernüberschuss"

Eon-Chef Johannes Teyssen betont den "nachhaltigen Konzernüberschuss"

Foto: AFP

Hamburg - Drei Meldungen, an diesem Mittwochmorgen aus den Nachrichtenagenturen entnommen:

7.53 Uhr: "Gewinn deutlich gesunken - In den ersten neun Monaten dieses Jahres sackte der für die Dividendenberechnung bereinigte Nettogewinn verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um ein Viertel auf 1,4 Milliarden Euro ab, wie der Konzern am Mittwoch in Düsseldorf mitteilte."

8.51 Uhr: "Gewinn bricht fast völlig ein - In den ersten neun Monaten dieses Jahres brach der Konzernüberschuss im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von gut 2,9 Milliarden auf 255 Millionen Euro fast völlig ein."

9.20 Uhr: "Konzern rutscht in die roten Zahlen - Nach neun Monaten steht nun ein Fehlbetrag von 14 Millionen Euro in den Büchern, nach 2,6 Milliarden Gewinn vor einem Jahr."

Alle drei Meldungen betreffen das gleiche Unternehmen: Deutschlands größten Energiekonzern Eon . Was ist in diesen eineinhalb Stunden mit der Düsseldorfer Firma geschehen? Kamen im Minutentakt dramatische neue Erkenntnisse über die Auswirkungen der Energiewende, die einen Milliardengewinn in einen Verlust umkehrten?

Das Rätsel lässt sich auflösen: Alle drei Zahlen stehen in demselben Zwischenbericht (PDF) , und alle drei Zahlen sind gleichermaßen richtig (zumindest nach Auskunft von Eon und der Wirtschaftsprüfer aus dem Hause PwC).

Was die Zahlen bedeuten

Die erste Zahl (plus 1,4 Milliarden Euro) betrifft den "nachhaltigen Konzernüberschuss", eine von Eon selbst definierte Größe, die aber aussagekräftiger als der nach Bilanzstandards verbuchte Nettogewinn sein soll, weil schwankungsanfällige Sondereffekte herausgerechnet werden. Dazu zählt der Konzern beispielsweise Marktwertverluste oder -gewinne von Derivaten, einmalige Abschreibungen etwa nach dem Verkauf von Konzernteilen oder die Kosten von Sparprogrammen.

Es mag sein, dass manche dieser Zahlen gar nicht so "außergewöhnliche Effekte" darstellen, weil sich der Konzern über mehrere Perioden hinweg an Sparprogramme und sinkende Marktwerte gewöhnt. Das Urteil, ob die Zahl tatsächlich nachhaltig ist, liegt also beim Konzern. Jedenfalls berichtet er sie aber nach gleich bleibenden Kriterien. Bedeutung hat sie vor allem, weil er den Aktionären eine jährliche Ausschüttung verspricht, die 50 bis 60 Prozent des nachhaltigen Konzernüberschusses ausmacht. Es gibt also noch etwas zu verteilen, rund 700 Millionen Euro in diesem Jahr bisher.

Die zweite Zahl (plus 255 Millionen Euro) ist das, was man "unterm Strich" nennt, also der offizielle, nach dem internationalen Bilanzstandardwerk IFRS veröffentlichte Konzernüberschuss.

Die dritte (minus 14 Millionen Euro) unterscheidet sich von der zweiten nur dadurch, dass die Ansprüche anderer Unternehmen auf den Gewinn beispielsweise aus Gemeinschaftsunternehmen herausgerechnet wurden. Was übrig bleibt, ist der den Gesellschaftern der Eon SE zustehende Konzernüberschuss. Auch diese Zahl ist von IFRS festgelegt.

Man könnte die Zahl so lesen, dass es eben doch nichts zu verteilen gibt. Den Eon-Aktionären steht also keine Dividende für das bisherige Jahresergebnis zu. Der Konzern kann auf seiner Hauptversammlung natürlich - der auf das "nachhaltige Konzernergebnis" bezogenen Ausschüttungspolitik folgend - trotzdem eine Dividende beschließen, die ginge dann aber auf Kosten der Substanz. All dies ist jedoch nicht ungewöhnlich, und solange der Konzern genug Barmittel erwirtschaftet (worüber keine der genannten Zahlen Auskunft gibt), auch nicht problematisch.

Die Aktionäre interessieren sich ohnehin eher für den operativen Betriebsgewinn, die gängigste Kennziffer heißt Ebitda (Earnings before interest, taxes, depreciation and amortization), also Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen - ohne all diese Kosten sollen Unternehmen mit unterschiedlicher Finanzstruktur besser miteinander zu vergleichen sein, was nicht heißt, dass die Zahl sich nicht manipulieren ließe.

Sie sieht auf jeden Fall besser aus. Das Ebitda (wiederum um "außergewöhnliche Effekte" bereinigt) gibt Eon für die ersten neun Monate 2014 mit 6,637 Milliarden Euro an - ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr, aber nur um 7 Prozent.

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