Sonntag, 26. Mai 2019

Erdgas Die Fracking-Revolution in Polen fällt aus

Bohrturm in Polen: Der Traum von Fracking im großen Stil ist vorerst geplatzt

Kaum ein europäischer Staat hat so sehr auf die Gasfödermethode Fracking gesetzt wie Polen. Deutschlands Nachbar wollte die Importe aus Russland drastisch reduzieren. Doch immer mehr Energiefirmen kehren dem Land frustriert den Rücken.

Hamburg - Noch vor wenigen Jahren standen Investoren aus der Öl- und Gasindustrie in Polen Schlange. Sie wollten vom allseits beschworenen Fracking-Boom profitieren: Mit immenser staatlicher Unterstützung sollte die umstrittene Gasfördermethode Polen aus der energiepolitischen Abhängigkeit von Russland befreien. Etwa 300 Jahre lang sollte heimisches Gas den Bedarf der Polen decken, lauteten euphorische Schätzungen.

Doch inzwischen herrscht Ernüchterung. Die Vorräte sind offenbar doch deutlich kleiner, sollen höchstens für 55 Jahre reichen. Zudem haben sich sieben von elf internationalen Konzernen wieder aus Polen zurückgezogen, berichtet die Financial Times (FT). So gaben Exxon Mobil Börsen-Chart zeigen, Total Börsen-Chart zeigen und Eni Börsen-Chart zeigen auf. Zuletzt suchte 3Legs Resources aus Großbritannien das Weite.

"Wir haben alles versucht", zitiert die FT den Chef von 3Legs, Kamleah Parmar. Doch der hohe Aufwand habe nicht die erhofften Gasfunde nach sich gezogen. Ähnlich ist es den übrigen Konzernen ergangen.

Zudem beklagen Unternehmensvertreter hohe bürokratische Hürden sowie ein schlechtes Investitionsklima. Es habe bis zu 18 Monate gedauert, eine Bohrgenehmigung zu bekommen, so Parmar. Auch der sinkende Ölpreis macht Investoren zu schaffen, da er ihre Finanzkraft schwächt.

Ganz aufgegeben haben die Polen ihren Traum von mehr Gasunabhängigkeit von Russland aber noch nicht. Das Ziel, große Mengen Schiefergas zu fördern, haben sie nun etwas verschoben - auf das Jahr 2020.

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