Sonntag, 15. Dezember 2019

Solarfirma Conergy pleite, Aktie pulverisiert

Conergy: Die Aktie des einstigen Börsenstars verliert 70 Prozent

Die Insolvenz des einstigen Börsenstars treibt Anleger scharenweise in die Flucht. Die Aktie fällt wie ein Stein. Bis zur letzten Minute hatte das Management mit Gläubigern um eine Einigung gerungen - beinahe mit Erfolg. Nur eine Bank soll sich quergestellt haben.

Frankfurt am Main - Die Serie der Pleiten in der deutschen Solarindustrie nimmt kein Ende: Das seit Jahren mit Verlusten kämpfende Solarunternehmen Conergy muss nach zahlreichen erfolglosen Sanierungsversuchen Insolvenz anmelden. Der Vorstand hatte bis zuletzt mit seinen Kreditgebern um eine Lösung gerungen, doch stellte sich Finanzkreisen zufolge die Bad Bank der zerschlagenen WestLB, die EAA, quer.

Conergy Börsen-Chart zeigen werde noch am Freitag beim Amtsgericht Hamburg Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen, teilte das Unternehmen mit. Auch die wesentlichen deutschen Tochtergesellschaften müssten diesen Schritt gehen. Rund 800 der über 1100 Mitarbeiter seien betroffen, sagte eine Sprecherin.

Finanzkreisen zufolge hatte das Management die Nacht über fieberhaft mit Banken um die Zukunft des Unternehmens gerungen. Eine Einigung scheiterte aber: Einer der zehn an den Gesprächen beteiligten Kreditgeber habe seine Zustimmung verweigert, teilte Conergy mit. Dabei soll es sich laut Informationen aus Finanzkreisen um die Düsseldorfer EAA handeln.

Die EAA habe die Conergy-Kredite aus der Erbmasse der einstigen Düsseldorfer Skandal-Landesbank übernommen - und noch offene Fragen zu dem Konzept gesehen, hieß es in den Kreisen. "Die EAA nimmt dazu nicht Stellung", sagte eine Sprecherin. Auch Conergy wollte sich nicht äußern.

Conergy hofft auf neuen Investor

Die Erste Abwicklungsgesellschaft (EAA) will bis zum Jahr 2027 das WestLB-Erbe vollständig abwickeln. Sie war im Dezember 2009 eingerichtet worden, um riskante Bilanzposten der im vergangenen Jahr zerschlagenen WestLB - der heutigen Portigon AG - zu verwerten.

"Als Vorstand werden wir dem jetzt vom Gericht zu bestellenden vorläufigen Insolvenzverwalter nach allen Kräften zur Seite stehen, um möglichst alle Arbeitsplätze zu sichern und den Geschäftsbetrieb weiterzuführen", kündigte Conergy-Chef Philip Comberg an. "Zudem werden wir den vorläufigen Insolvenzverwalter bei Gesprächen mit potenziellen Investoren sowie Conergys Gläubigern unterstützen", unterstrich Comberg.

Conergy hatte zuletzt auf einen rettenden Investor gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte. Der Name des Investors ist nicht bekannt. Die Banken - ein Konsortium um die Commerzbank - hätten den Kreisen zufolge auf einen Teil der 261,5 Millionen Euro verzichten müssen, die sie Conergy 2011 geliehen haben. Der Investor sei außerdem bereit gewesen, rund 50 Millionen Euro Eigenkapital in Conergy zu stecken. Dafür solle er knapp 30 Prozent der Aktien bekommen, hatte es noch zu Wochenbeginn geheißen. Conergy und die Commerzbank hatten sich nicht zu den Informationen äußern wollen. Die Banken hatten schon Ende 2010 einen Schuldenschnitt hinnehmen müssen, um die Pleite abzuwenden.

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