Emissionshandel Verschmutzungsrechte bringen Bund über 13 Milliarden Euro ein

Noch nie hat Deutschland so viele Milliarden durch den Handel mit Verschmutzungsrechten eingenommen. Zwar wurden weniger CO₂-Zertifikate gekauft, dafür aber zu einem höheren Preis. Und viele Unternehmen haben den Kauf von Zertifikaten ins Jahr 2023 verschoben.
Teure Abgase: Stromerzeuger, energieintensive Industrien und Fluggesellschaften müssen auf europäischer Ebene für das von ihnen produzierte CO₂ zahlen

Teure Abgase: Stromerzeuger, energieintensive Industrien und Fluggesellschaften müssen auf europäischer Ebene für das von ihnen produzierte CO₂ zahlen

Foto: IMAGO / IMAGO/Nikito

Der Handel mit Emissionsrechten hat Deutschland im vergangenen Jahr Rekordeinnahmen in Höhe von 13,2 Milliarden Euro beschert. Dabei stiegen vor allem die Erlöse aus dem europäischen Emissionshandel an und betrugen 6,8 Milliarden Euro, nach 5,3 Milliarden Euro im Vorjahr, teilte das Umweltbundesamt (UBA) am Dienstag mit. Der nationale Emissionshandel für Wärme und Verkehr brachte 6,4 Milliarden Euro ein.

Auf europäischer Ebene umfasst der Handel mit den Verschmutzungsrechten die Emissionen aus Kraftwerken, Industrieanlagen und dem Luftverkehr. 2022 wurden 85 Millionen Emissionsberechtigungen versteigert – deutlich weniger als 2021 mit 101 Millionen. So soll schrittweise Treibhausgasneutralität erreicht werden. Zugleich stieg der Preis auf im Schnitt 80,32 Euro an, nach 52,50 Euro im Vorjahr. So ergibt sich insgesamt der deutliche Zuwachs an Einnahmen. Die Explosion des europäischen CO2-Preis wurde 2022 zu einem weiteren Risikofaktor für Stromerzeuger, energieintensive Industrien und Fluggesellschaften.

Die EU einigte sich kürzlich auf eine Reform des EU-Emissionshandels (ETS). Demnach soll das System auch auf das Heizen von Gebäuden und den Verkehr ausgeweitet werden. In Deutschland gilt der Emissionshandel bereits für diese Bereiche. Zudem soll die Zahl der Verschmutzungsrechte schneller verringert werden als bislang vorgesehen und kostenlose Zertifikate für Firmen bis 2034 schrittweise auslaufen.

CO₂-Preis soll Emissionen der Unternehmen senken

Die CO₂-Bepreisung über den Emissionshandel sei ein "entscheidender Hebel, um die Klimaziele zu erreichen", erklärte UBA-Präsident Dirk Messner (60). "Jede emittierte Tonne CO₂ wird mit einem Preisschild versehen und setzt damit maßgebliche Impulse für den klimaschonenden Umbau unserer Gesellschaft."

Auf nationaler Ebene startete das Emissionshandelssystem 2021 für die Bereiche Wärme und Verkehr. Im vergangenen Jahr wurden laut Umweltbundesamt 198 Millionen Zertifikate für einen Festpreis von 30 Euro verkauft, hinzu kamen knapp 18,5 Millionen Zertifikate zum Festpreis des Vorjahres von 25 Euro. Das waren zusammen deutlich weniger Zertifikate als 2021 (287 Millionen).

Der Rückgang sei jedoch "leider nicht auf sinkende Emissionen im Verkehrs- und Gebäudebereich zurückzuführen", erklärte Jürgen Landgrebe vom UBA. Vielmehr hätten viele Firmen den Kauf von Zertifikaten ins Jahr 2023 verschoben, weil die geplante Preissteigerung auf 35 Euro um ein Jahr verschoben wurde. Emissionen aus dem Jahr 2022 können auch mit Zertifikaten abgegolten werden, die erst im Jahr darauf erworben werden.

Die Gelder aus beiden Handelssystemen fließen in den Klima- und Transformationsfonds - ein Sondervermögen, aus dem die Bundesregierung Maßnahmen zum Aufbau einer grünen Industrie und für mehr Klimaschutz bezahlen will. Finanziert werden aus dem Fonds derzeit zum Beispiel der Ausbau der Elektromobilität, die Förderung der Energieeffizienz und die Abschaffung der EEG-Umlage.

dri/AFP
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