Montag, 22. Juli 2019

"Das fossile Imperium schlägt zurück" Vollgas für die Energiewende - jetzt erst recht!

Donald Trump, Kohlekumpel
AFP/Getty Images
Donald Trump, Kohlekumpel

Donald Trump will Amerika in die Energie-Steinzeit zurückführen - und Fortschritte beim Klimaschutz ausradieren. Höchste Zeit, das Tempo bei der weltweiten Energiewende zu erhöhen, meint Ökonomin Claudia Kemfert.

Die Energiewende ist ein komplizierter Prozess mit unzähligen Beteiligten, der allen Veränderungen abverlangt. Schließlich basiert unser gesamtes heutiges Wirtschaftssystem auf Energie. Wir stehen vor keiner geringeren Aufgabe, als die Grundstruktur unserer Volkswirtschaft zu verändern.

Claudia Kemfert
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    Claudia Kemfert ist Expertin für Energie- und Klimaökonomie. Seit 2004 leitet sie die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin und ist Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance. Kemfert ist Mitglied im Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) und im Präsidium des Club of Rome. In der Politik hat Kemferts Stimme großes Gewicht. Vor zwei Landtagswahlen war sie als Regierungsmitglied im Gespräch: In Hessen 2013 für die SPD, in Nordrhein-Westfalen 2012 für die CDU. In beiden Fällen setzte sich aber die jeweils andere politische Seite durch.

Die Wachstumsphase, die mit der industriellen Revolution im 18. Jahrhundert begann, dauert bis heute an. Unsere Verkehrswege und Verkehrsmittel, unsere Fabriken und die gesamte Industrie, unsere gesamte heutige Lebensweise und die vielen Annehmlichkeiten unseres Alltags von der Waschmaschine über die elektrische Zahnbürste bis hin zum Smartphone - das alles geht auf die Erfindung der Dampfmaschine, der Elektrizität und des Computers zurück. Unsere gesamte Industrialisierung fußt auf der Nutzung fossiler Energievorkommen, auf Kohle, Gas und Erdöl.

Wir sind es gewohnt, Auto zu fahren und Flugreisen zu unternehmen, unsere Gebäude im Winter zu heizen und im Sommer zu kühlen, zu konsumieren und uns mit vielen technischen Geräten auszustatten, die uns die Arbeit, den Alltag und die Kommunikation erleichtern oder abnehmen. Wir sind auf dem besten Wege, unser gesamtes Leben inklusive unserer Arbeits- und Wohnumgebung zu digitalisieren. Für all das brauchen wir sehr viel Energie.

Müssen wir all diese Errungenschaften aufs Spiel setzen, wenn wir auf erneuerbare Energien umstellen? Wie sollen wir in so kurzer Zeit auf erneuerbare Energien umstellen? Können wir überhaupt auf fossile Energien verzichten? Werden wir die Kohlekraftwerke brauchen, um unsere Energieversorgung auch in Zukunft abzusichern?

Buchtipp

Claudia Kemfert
Das fossile Imperium schlägt zurück: Warum wir die Energiewende jetzt verteidigen müssen

Murmann Publishers, 132 Seiten, Taschenbuch, April 2017, 14,90 Euro

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Werden wir nach dem Kohleausstieg noch auf Atomkraft verzichten können? Wie sollen wir so viele CO2-Emissionen vermeiden? Können wir überhaupt Energie sparen, wenn wir das Wirtschaftswachstum in Deutschland sichern wollen? Müssen wir auf unseren Wohlstand verzichten? Wer soll all die Umbauten und Neuerungen bezahlen? Und können wir so lang im Voraus überhaupt planen?

Alle diese Fragen sind berechtigt. Die gute Nachricht: Anders als vor 20 Jahren gibt es auf die meisten bereits Antworten. Dennoch ist die Energiewende nicht mal eben gemacht, und sie ist auch nicht umsonst zu haben.

Vor allem aber ist die Energiewende keine Option. Sie wird gelingen müssen. Innerhalb kürzester Zeit haben wir die fossilen Energieressourcen des Planeten aufgebraucht und sind auf dem besten Wege, unsere Umwelt mit dramatischen Konsequenzen zu zerstören.

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