Sonntag, 15. Dezember 2019

"Das fossile Imperium schlägt zurück" Vollgas für die Energiewende - jetzt erst recht!

Donald Trump, Kohlekumpel
AFP/Getty Images
Donald Trump, Kohlekumpel

3. Teil: Die bemerkenswerte Wandlung von RWE, Eon und anderen deutsche Konzernen

Noch sind derartige Finanzrisiken nicht allen Investoren bewusst. Doch der britische Notenbankchef Mark Caney, Finanzinstitute wie das Feri Cognitive Finance Institute, die UN-Klimachefin Christiana Figueres oder auch die Naturschützer des World Wide Fund for Nature (WWF) warnen inzwischen vor der "Carbon Bubble" und raten Anlegern davon ab, weiter in Geschäftsmodelle zu investieren, die auf fossilen Energien basieren.

Bei den deutschen Energieriesen sind erste Ansätze für klimafreundlichere Geschäftsmodelle zu erkennen: So investiert man in neue Technologien oder präsentiert sich, wie RWE, unter neuem Namen als Ökostrom-Anbieter. Innogy heißt die 2016 gegründete Tochtergesellschaft, mit der der Konzern sich für eine "grüne" Energiezukunft aufstellen will - was selbstverständlich kein Grund ist, die lukrativen Geschäftssparten Atom und Kohle vorzeitig aufzugeben.

Die Wechselwirkung zwischen klimapolitischem Kurs und energiewirtschaftlichem Tun zeigt sich nicht nur in der Energiewirtschaft. Auch in vielen anderen Branchen, in der Autoindustrie, in der Schifffahrt, in der Baubranche oder im Handwerk zeichnen sich erste Veränderungen ab. Es wird noch sehr viel Zeit vergehen, bis die neuen Technologien marktreif und schließlich sogar profitabel sind.

Aber ein Betrieb, der weiß, dass er schon bald keine Ölheizungen mehr einbauen darf, sieht sich nach geeigneten Alternativen um. Dieselmotorproduzenten suchen nach alternativen Ökoprodukten, Kommunen erproben den Einsatz elektrischer Stadtbusse und die CO2-intensive Schiffsindustrie investiert in alternative Antriebstechnologien.

Es bleibt abzuwarten, welchen Einfluss der Kurswechsel der USA auf die internationale Klimapolitik haben wird. Ein möglicher Ausstieg aus dem "Paris Agreement" gefährdet nicht die nationalen Klimaziele Deutschlands - aber es gefährdet das Erreichen der internationalen Klimaziele und den klimafreundlichen Kurs einer globalisierten Wirtschaftswelt.

Der Erfolg der deutschen Energiewende ist keiner, der sich entscheidend auf die globale CO2-Bilanz auswirkt: Selbst wenn 80 Millionen Deutschen auf sehr viel kleinerer Fläche sehr viel mehr CO2-Emissionen verursachen als die 1,1 Milliarden Einwohner Afrikas zusammengenommen, ist Deutschland im globalen Vergleich ein sehr kleines Klimaschutzwunderland. Im Alleingang werden wir das Weltklima nicht retten können.

Umso wichtiger ist die Vorbildfunktion Deutschlands: Kaum ein anderes Land hat sich auf eine so langfristige Strategie festgelegt. Wenn es uns als einem der wenigen Klimapioniere auf kleinem Raum nicht gelingt, wem dann? Wenn wir die notwendigen Technologien nicht bauen können, wer dann?

Viele deutsche Klimaschützer sehen Deutschland im internationalen Vergleich freilich als einäugigen König unter Blinden. Aus ihrer Sicht lässt der "Klimaplan 2050" noch viel zu wünschen übrig: Die von der Bundesregierung festgehaltenen CO2-Einsparungen legen einen Ausstieg aus der Kohleenergie lediglich nahe, ein konkretes Datum für den Kohleausstieg findet sich im Klimaplan nicht.

So kommt es, dass die großen Energieversorger derzeit weiter in den Bau neuer Kohlekraftwerke investieren und damit den Ausstieg aus der Kohle verlangsamen. Müssten die Unternehmen davon ausgehen, dass sich die neuen Kohlekraftwerke nicht mehr rentieren werden, weil der endgültige Kohleausstieg in naher Zukunft unabänderlich bevorsteht, würden sie in andere Energieformen investieren.

Buchtipp

Claudia Kemfert
Das fossile Imperium schlägt zurück: Warum wir die Energiewende jetzt verteidigen müssen

Murmann Publishers, 132 Seiten, Taschenbuch, April 2017, 14,90 Euro

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Die Wirtschaft braucht klare Signale aus der Politik. Unternehmen brauchen einen stabilen Kurs und einen verbindlichen Klimaschutzplan - alles andere kostet sie sehr viel Geld und im Zweifel die Existenz. Es geht also gar nicht um die Frage, ob wir so lange im Voraus überhaupt planen können. Es geht darum, dass wir so lange im Voraus planen müssen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass Deutschland die für 2020 selbst gesteckten Emissionsminderungsziele von 40 Prozent im Vergleich zu 1990 nicht erreichen wird.

Lesen Sie auch den ersten Buchauszug: Darum ist die Deindustrialisierung durch Ökostrom ein Märchen

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