Sonntag, 8. Dezember 2019

"Das fossile Imperium schlägt zurück" Vollgas für die Energiewende - jetzt erst recht!

Donald Trump, Kohlekumpel
AFP/Getty Images
Donald Trump, Kohlekumpel

2. Teil: Trumps radikale Anti-Klima-Politik dürfte sich für die USA rächen

Selbst wenn der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika das Gegenteil behauptet, den Klimawandel leugnet, Forschungsergebnisse vernichten sollte und Informationen unzugänglich macht: Uns bleibt nur noch ein sehr kleines Zeitfenster, um das Schlimmste zu verhindern. Die Entscheidungen, die wir heute treffen, werden den Energiemarkt für die nächsten Jahrzehnte prägen. Und es kommen sehr hohe Kosten auf uns zu, wenn wir jetzt nichts unternehmen.

Für die Energiewende ist es fatal, wenn die Politik einen Schlingerkurs fährt oder eine Kehrtwende macht, wie es derzeit in den USA der Fall ist. Der neue Präsident Donald Trump scheint, kaum im Amt, die Klimapolitik seines Vorgängers Barack Obama vollständig ausradieren zu wollen: Am ersten Tag seiner Amtszeit wanderten auf der Website des Weißen Hauses alle Materialien zum Klimawandel in das Archiv. Zum Stichwort "climate change" war kein einziger Treffer mehr zu finden.

Wenige Tage später meldete die internationale Presse, dass Trump die Klima-Webseiten der US-Umweltbehörde EPA ganz oder in Teilen schließen lassen will und vorerst keine Fördermittel für die EPA-Klimaforscher mehr bewilligt. Ein gutes Jahr nach der Weltklimakonferenz in Paris und nur zwei Monate nach der Weltklimakonferenz in Marrakesch wurde wahr, was alle befürchtet, aber nur wenige für möglich gehalten hatten: die radikale Rückkehr Amerikas zu einer fossilen Energiewirtschaft.

Seitdem es das internationale "Paris Agreement" und den deutschen "Klimaplan 2050" gibt, ist in den deutschen Unternehmen ein Wandel zu beobachten: Die Bedenken gegenüber fossilen Energien wachsen, Investoren werden vorsichtiger.

Die klimapolitischen Regulierungen wirken sich auf die Finanzmärkte aus. Inzwischen warnen immer mehr Finanzökonomen vor der "Kohlenstoffblase". Denn Unternehmen, deren Geschäft auf fossilen Energien basiert, werden derzeit überbewertet.

Die Diskrepanz zwischen den international vereinbarten Klimaschutzzielen und den Schürf- und Förderplänen der Unternehmen ist groß. Nach wie vor bestimmen die teuer erkauften Förderrechte den Wert von fossilen Energieunternehmen wie BP, Total Börsen-Chart zeigen oder Shell Börsen-Chart zeigen. Auch die Firmen selbst kalkulieren den internationalen Klimaschutzvereinbarungen zum Trotz mit allen Reserven an Kohle, Öl und Gas, die nachgewiesen und noch zu erschließen sind.

Doch wenn all die Ressourcen, mit denen die Konzerne rechnen, tatsächlich aufgebraucht würden, würden die internationalen Klimaschutzziele durch die daraus resultierenden Emissionen deutlich überstiegen. Um die globalen Klimaziele einzuhalten, werden bis zu 80 Prozent aller weltweit noch vorhandenen Kohle-, Gas und Öl-Vorräte nicht mehr verbrannt werden können.

Mit erheblichem Einfluss auf den Börsenwert der Unternehmen: Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft Mercer könnten die amerikanischen Gas- und Öl-Unternehmen im Jahr 2050 um bis zu 1,4 Billionen weniger wert sein als heute.

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