Kohle-Verbrauch sinkt deutlich Chinas Energie-Sensation geht in die nächste Runde

Stromnetzausbesserungen in China

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Gegen diese Energiewende wirken Deutschlands Ökostrom-Ambitionen geradezu lächerlich klein: China steuert den Sektor noch radikaler um als von Experten lange angenommen und mausert sich immer offensichtlicher zum globalen Vorreiter beim Umstieg auf sauberere Energien. Das legen neue Daten aus Peking nahe.

Verlierer Nummer eins ist die Kohle. Die Volksrepublik habe nun schon das dritte Jahr in Folge weniger von dem schwarzen Brennstoff verbraucht, teilte das Umweltministerium in Peking mit. Demnach sei der Kohleverbrauch im vergangenen Jahr nach vorläufigen Zahlen um weitere 4,7 Prozent zurückgegangen.

Die eingesparte Menge entspricht deutlich mehr als dem gesamten Kohlebedarf von Großbritannien. Die Entwicklung kommt einer Energie-Sensation gleich: Noch vor gut zwei Jahren hatte die Internationale Energie-Agentur erwartet, Chinas Kohleverbrauch werde bis 2030 unablässig steigen .

Damit ist China zwar noch immer der größte Kohle-Konsument der Welt. Doch das Land setzt zunehmend auf andere Energiequellen wie Wasserkraft, Wind- und Solarenergie sowie Atomkraft und Erdgas. Der Kohleanteil am gesamten Energieverbrauch Chinas sank binnen Jahresfrist von 64 auf 62 Prozent.

Auch das zuletzt etwas niedrigere Wirtschaftswachstum hat dazu geführt, dass Kohlekraftwerke weniger stark ausgelastet sind - zuletzt nur noch mit 47,5 Prozent, wie das Institute for Energy Economics and Financial Analysis festhält . Fünf Jahre zuvor habe die Auslastung noch 79 Prozent betragen.

Angesichts der Entwicklung hat Peking 100 geplante Kraftwerksblöcke gestoppt. Einige davon befanden sich bereits im Bau.

Der langsame Rückzug aus der Kohle drückt auch den Kohlendioxid-Ausstoß der Volksrepublik. Dieser wächst bereits seit vier Jahren nicht mehr. Für dieses Jahr prognostiziert die Regierung einen Rückgang um 1 Prozent.

Warum Trumps Kampf für die Kohle wohl aussichtslos ist

Der Energiebedarf wächst in China derweil weiter, allein im Stromsektor um 5 Prozent. Er wird aber zunehmend aus sauberen Quellen gedeckt. Erneuerbare Energie bauten ihren Anteil im vergangenen Jahr um knapp 2 Prozentpunkte auf 19,7 Prozent aus. Der Großteil entfällt auf mitunter riesige Wasserkraftwerke.

Doch auch der Ausbau von Wind- und Solarparks schreitet rasant voran. Allein 2016 gingen Photovoltaikanlagen mit einer Spitzen-Leistung von knapp 35 Gigawatt ans Netz . Das entspricht etwa 25 Atomkraftwerken. Hierzulande wurden 2016 Solaranlagen mit gut 1,5 Gigawatt zugebaut.

Chinas fallende Kohlendioxid-Emissionen hätten "die Aussichten, den Klimawandel unter Kontrolle zu bringen, komplett revolutioniert", sagte Greenpeace-Kohleexperte Lauri Myllyvirta. Zumal der Treibhausgas auch in den USA, dem zweitgrößten Emittenten, deutlich sinken.

Angesichts des Machtwechsels in den USA könne allerdings noch keine Entwarnung für das Weltklima gegeben werden, hieß es bei Greenpeace. Ein neuer Unsicherheitsfaktor sei die Rhetorik von US-Präsident Donald Trump, der das Klimaabkommen von Paris mehrfach in Frage gestellt und es als "unfair" bezeichnet hatte. Trump hatte einst getwittert, der Klimawandel sei eine Erfindung der Chinesen, der der Schwächung der US-amerikanischen Industrie diene.

Trump hat seinen Wählern zudem explizit versprochen, der Kohlenutzung zu einem Comeback zu verhelfen. Dem entgegen stehen allerdings inzwischen die Marktkräfte: Strom aus Gaskraftwerken und auch aus erneuerbaren Energien ist in den USA inzwischen vielerorts deutlich billiger als Kohlekraft.

In China zwingt auch der unerträgliche Smog in den Großstädten und Industrieregionen Peking zur Abkehr von der Kohle. Da das Land zudem einen Umstieg auf Elektroautos vorantriebt, wäre die weitere Nutzung des dreckigen Brennstoffs überaus kontraproduktiv.

mit dpa-afx und ap