BYD beschert Milliardengewinn Das späte Glück des Warren Buffett

Warren Buffett (m.), Berkshire-Hathaway-Manager Charles Munger, (l.), Microsoft-Gründer Bill Gates bei der Vorstellung eines BYD-Elektroautos: Der Boom der Batteriefahrzeuge hat in China mit Verspätung eingesetzt

Warren Buffett (m.), Berkshire-Hathaway-Manager Charles Munger, (l.), Microsoft-Gründer Bill Gates bei der Vorstellung eines BYD-Elektroautos: Der Boom der Batteriefahrzeuge hat in China mit Verspätung eingesetzt

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In Warren Buffetts Portfolio ist BYD ein geradezu schrilles Unternehmen. Während der Starinvestor gemeinhin auf Firmen aus staubtrockenen Branchen setzt (Möbelhäuser, Eisenbahnen, klassische Energieversorger, Getränkehersteller), machen die Chinesen Geschäfte mit Lithium-Ionen-Batterien und Elektroautos.

Mit vergleichsweise komplizierter Technik also, von der Buffett nach eigener Auskunft keine Ahnung hat und um die seine Holding Berkshire Hathaway  deshalb normalerweise einen Bogen macht. Dass BYD das Akronym für "Build your dreams" ist ("Erschaffe deine Träume"), macht die Sache im Grunde nur noch seltsamer.

Fakt ist dennoch, dass Buffet mit seinem Investment goldrichtig gelegen hat. Vor acht Jahren zahlte er 232-Millionen US-Dollar für 10 Prozent der Anteile, seither hat sich der Wert des Unternehmens auf insgesamt 18,4 Milliarden Dollar verachtfacht.

Nach einer zwischenzeitlichen Krise hat BYD zurzeit eine echte Erfolgssträhne. Am Sonntag verkündete Unternehmenschef Wang Chuanfu, der Gewinn werde in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres um 91 Prozent steigen und somit bei etwa 540 Millionen Dollar liegen.

Besonders gut läuft es inzwischen bei den Elektro- und Hybridautos. Diese spülten im ersten Halbjahr 2,25 Milliarden Dollar Umsatz in die Kasse - 160 Prozent mehr als im Vorjahresraum. Insgesamt erlöste das Unternehmen, das auch noch konventionelle Autos baut, 6,54 Milliarden Dollar.

Im Gesamtjahr will Chuanfu den Absatz auf 120.000 Wagen verdoppeln und damit weltgrößter Elektroautobauer bleiben. Der kalifornische E-Auto Pionier Tesla  peilt für dieses Jahr lediglich 80.000 Fahrzeuge an, will aber 2018 schon 500.000 Wagen bauen.

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Chinas Regierung fördert Fahrzeuge mit alternativem Antrieb mit hohen Subventionen. Von 2013 bis 2015 flossen laut der Nachrichtenagentur Reuters 7,2 Milliarden Dollar. Auf einzelne Autos entfallen zum Teil mehr als 10.000 Dollar. Bis zum Jahr 2020 sollen fünf Millionen Elektroautos auf den Straßen sein.

Der Geldregen zeigt Wirkung: Im vergangenen Jahr wuchs der Absatz von Plugin-Hybrid- und reinen Batteriefahrzeugen um 350 Prozent auf 331.000 (Deutschland: 19.000).

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In diesem Jahr geht der Boom vorerst weiter. Im Juli verdoppelte sich die Zahl der verkauften Fahrzeuge erneut. BYD kam zuletzt auf einen Marktanteil von 30 Prozent und stellte drei der vier bestverkauften Modelle.

Dem Hersteller aus Shenzhen bei Hongkong kommt auch zugute, dass ausländische Anbieter wie Tesla auf dem Elektroauto-Markt ziemlich alt aussehen. Anders als beim Geschäft mit konventionellen Fahrzeugen belegen ausschließlich einheimische Modelle die vorderen Plätze im Ranking.

Dies liegt auch an einer Subventionspolitik, die einheimische Hersteller begünstigt. So erlässt der Staat Käufern chinesischer Modelle die Mehrwertsteuer.

BYD geht ähnlich vor wie Elon Musk

Doch auch die deutsch-chinesischen Elektroauto-Modelle wie der Denza hinken den Erwartungen hinterher. Beim Denza kooperiert Daimler mit BYD. Die gerade vorgestellte Neuauflage soll nun 400 Kilometer weit mit einer Batterieladung kommen. Damit hat sie zu BYDs eigenem Modell e6 aufgeschlossen.

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BYDs Erfolg steht und fällt derzeit zwar mit Pekings Subventionspolitik. Dennoch - oder gerade deswegen - hegt das Unternehmen indes weitere, ambitionierte Wachstumspläne. Ganz ähnlich wie Tesla-Chef und Buffett-Gegenpart  Elon Musk will Wang Chuanfu praktisch alles elektrifizieren, was Räder hat.

Mehr als 10.000 Batteriebusse für den öffentlichen Nahverkehr hat das Unternehmen bereits gebaut. Nun sollen Lastwagen und Nutzfahrzeuge aller Art hinzukommen.

Als Vorteil im Wettbewerb sieht BYD, dass das Unternehmen die allermeisten Teile selbst produziert - allen voran die Batterien. Auf Zulieferer mag sich Buffets Beteiligung angesichts des rasanten Wandels in der Branche nicht verlassen.

Die Strategie mag riskant sein - Partner Daimler  sucht den Erfolg beispielsweise in einer zum Teil gegenteiligen Vorgehensweise. Eines aber ist BYDs Plan jedenfalls am Ende doch: einigermaßen klar verständlich. Und entspricht damit auch den Investment-Vorgaben von Geldgeber Buffett.