Freitag, 19. Juli 2019

RWE und die Kohle Alarmstufe braun

Schaufelradbagger und Geisterdörfer: Wie die Braunkohle das Rheinland prägt
DPA

Atomausstieg und Energiewende setzen RWE immer stärker zu. Sogar die Braunkohle ist kein Rettungsanker mehr.

Am wichtigsten ist das Pedal, denn ohne das Pedal geht nichts. Permanent muss Arno Lorenz seinen Fuß auf das Metallrechteck drücken. Nur so frisst sich sein 13.500-Tonnen-Schaufelradbagger im Tagebau Garzweiler weiter in die Wand aus Sand und Braunkohle. Nur wenn das Pedal den Boden berührt, lassen sich all die Hebel und Knöpfe in seinem Führerstand überhaupt bedienen. Nimmt Lorenz den Fuß hoch, stoppt das Rad.

Das soll auf keinen Fall passieren. Sogar wenn der 52-Jährige aus seinem gefederten Sitz aufsteht und Platz für den Schichtnachfolger macht, bleibt ein Fuß auf dem Pedal. "Es geht immer weiter", sagt der Großgeräteführer vom Energieversorger RWE.

Geht es wirklich immer weiter? Bleibt die Braunkohle der letzte Goldesel für den ansonsten arg geplagten Energieversorger? Daran wachsen derzeit die Zweifel.

Lange gab es für Zweifel keinen Grund. Seit vielen Jahrzehnten fressen sich Bagger durch die Gegend westlich von Köln und Düsseldorf. Stets war dies ein äußerst einträgliches Geschäft für den Versorger RWE und das Vorgängerunternehmen Rheinbraun.

Konkurrenzlos billiger Brennstoff

In Garzweiler ist leicht zu erkennen, weshalb: Das Geschäft mit der Braunkohle ist im Prinzip ein sehr sicheres und gut planbares Geschäft.

Bagger mit einer Spannweite von bis zu zweieinhalb Fußballfeldern tragen die Erdoberfläche ab - treppenartig auf sechs Etagen, die im Fachjargon "Sohlen" heißen. Die unterste Sohle liegt fast 200 Meter unterhalb der obersten.

Transportbänder schaffen Kohle und Sand weg. Den Sand häufen so genannte Absetzer - kaum weniger imposant als die Bagger - einige hundert Meter weiter östlich sofort wieder auf. Die Kohle fährt zu einem Bunker. Von dort bringen Züge sie direkt zu den zahlreichen Kraftwerke in der Umgebung.

Sie erhalten somit einen Brennstoff, der konkurrenzlos billig ist. Die Vorkommen sind reich, die Wege kurz. RWE muss den Brennstoff nicht von außen einkaufen. Die Kraftwerke stellen deshalb Strom zu sehr geringen Kosten her laufen deshalb fast immer unter Volllast. Das Beste: Sie gehören ebenfalls RWE.

Und doch läuft die Gewinnmaschine nicht mehr rund. Die Lizenz zum Gelddrucken ist in ernster Gefahr.

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