Samstag, 7. Dezember 2019

Schock für RWE und Vattenfall Bundesnetzagentur streicht Braunkohle-Kraftwerke aus ihrer Planung

Braunkohle-Kraftwerk Jänschwalde (Brandenburg): Die Bundesnetzagentur rechnet damit, dass die Schlote bald nicht mehr rauchen

2. Teil: Weniger Braunkohlekraftwerke bedeuten mehr Strom aus dem Ausland

Für Kraftwerksbetreiber wie RWE und Vattenfall legt die neue Planung damit nahe, dass die Umsätze aus dem Stromgeschäft weiter deutlich sinken. Dabei spiegelt der Szenariorahmen lediglich das, was die Bundesnetzagentur erwartet.

Sie hat keineswegs die Kompetenz, Kraftwerke quasi nach Gutdünken stillzulegen. Im Gegenteil: Nach dem beschleunigten Atomausstieg 2011 sucht sie für jeden Winter Reservekraftwerke, die bei Engpässen die Versorgung aufrecht erhalten.

Für RWE, Vattenfall und die Mibrag kommt es nun also in erster Linie darauf an, wie die Bundesregierung sie konkret dazu bringen will, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Denkbar ist, dass die Konzerne sich mit juristischen Mitteln gegen die erwarteten Eingriffe wehren.

Vattenfall ist in einer unglücklichen Lage

Vor allem Vattenfall ist in einer unglücklichen Lage: Der schwedische Versorger will bis Ende des Jahres sein gesamtes Braunkohlegeschäft verkaufen. Wenn der Staat nun tatsächlich hart eingreift, dürfte der derzeit auf zwei bis drei Milliarden Euro geschätzte Preis deutlich sinken.

Das Hauptargument der Versorger gegen Eingriffe dürfte lauten, dass es mit dem europäischen Emissionshandel bereits ein Instrument gibt, die Klimagase zu reduzieren. Jedoch liegt der Preis für die CO2-Zertifikate derart am Boden, dass der Mechanismus nicht die von der Regierung gewünschte Wirkung erzielt. Daher ist die Stromerzeugung aus Braunkohle zumindest in bestehenden Kraftwerken weiterhin attraktiv, während Gaskraftwerke oft stillstehen.

Keinen Hehl macht die Bundesnetzagentur in ihren Szenarien daraus, dass weniger Braunkohlekraftwerke eine weithin unpopuläre Folge hätten: Wenn die Windräder bei Flaute stillstehen und die Solaranlagen wegen Dunkelheit keinen Strom erzeugen, müsste Deutschland häufiger als bisher Elektrizität aus dem Ausland beziehen.

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