Dividende halbiert Ölgigant BP erleidet 17-Milliarden-Verlust

Der britische Gigant verliert inklusive der Wertberichtigungen der Vorräte im zweiten Quartal fast 17 Milliarden Dollar. Nun halbiert er die Dividende - und kündigt einen Strategieschwenk an.
Hohe Wertberichtigungen bei den Reserven: Ölbohrplattform von BP in der Nordsee.

Hohe Wertberichtigungen bei den Reserven: Ölbohrplattform von BP in der Nordsee.

Foto: STUART CONWAY/ AFP

Der Ölkonzern BP senkt das erste Mal seit zehn Jahren die Quartalsdividende. Damit reagiert der Konzern auf die Corona-Pandemie, die auch das globale Ölgeschäft durcheinander wirbelt.  Die Nachfrage sei weiter belastet, weshalb der Konzern im zweiten Quartal einen Milliardenverlust verbuchen müsse, erklärte das Unternehmen unter dem erst seit Februar amtierenden Vorstandschef Bernard Looney (50).

Mit 278 Milliarden Dollar Dollar Umsatz war der britische Konzern im vergangenen Jahr einer der fünf größten Öl- und Gaskonzerne der Welt. Ähnlich wie die Konkurrenz wird er in diesem Jahr allerdings hart von den Folgen der Pandemie getroffen.

Bereits im ersten Quartal musste BP durch den Ölpreisverfall und die gesunkene Nachfrage im Zuge der Pandemie heftige Gewinneinbußen hinnehmen. Und die Folgen werden wohl das ganze Jahr über zu spüren sein. Die weltweite Nachfrage nach Öl liege in diesem Jahr voraussichtlich 8 bis 9 Millionen Barrel pro Tag unter dem Bedarf im vergangenen Jahr, erklärte das Unternehmen am Dienstag. Außerdem sieht BP die Gefahr, dass die Pandemie dauerhafte Auswirkungen auf die Weltwirtschaft hat und die Energienachfrage über einen längeren Zeitraum schwächer ausfällt.

Historischer Verlust für BP

Das zeigt sich an den Zahlen: Die Bewertungsveränderungen bei Ölreserven ausgeklammert, hat der Konzern im zweiten Quartal einen um Sonderposten bereinigten Verlust von 6,68 Milliarden Dollar eingefahren, nach einem Gewinn von 2,8 Milliarden ein Jahr zuvor. Analysten hatten allerdings ein noch schlechteres Ergebnis erwartet. Ohne diese Bereinigungen und inklusive der Bewertungseffekte bei Vorräten, die aufgrund BP aufgrund der erwartet niedrigen Preise vornehmen musste, lag der Nettoverlust, der auf die Aktionäre entfällt, unterm Strich sogar bei 16,8 Milliarden Dollar.

Anders als in anderen Branchen, wo das Geschäft im Sommer wieder anzog, sieht sich Konzernchef Looney weiter in Bedrängnis. Die Raffineriemargen blieben im Juli weiter unter Druck. BP hat mit hohen Lagerbeständen zu kämpfen, vor allem die Nachfrage nach Flugkraftstoff sei weiterhin niedrig. Aufgrund der Pandemie war das Raffinerie-Umfeld in der Branche so schwach wie seit 15 Jahren nicht mehr, wie der Konzern mitteilte.

Die Folge: Looney zahlt den Aktionären für das zweite Quartal nur noch 5,25 US-Cent pro Aktie, im Vorquartal waren das mit 10,5 Cent noch doppelt so viel.

Hoffnung auf grünen Strategieschwenk

Die Aktie des Ölkonzerns  stieg am Vormittag in London trotzdem um mehr als 7 Prozent auf mehr als 300 Pence. Der Ölkonzern habe trotz schwieriger Bedingungen im zweiten Quartal überzeugt, schrieb Analyst Michele della Vigna von der US-Investmentbank Goldman Sachs in einer Einschätzung. Die Dividende werde zwar halbiert, doch durch Aktienrückkäufe begleitet.

Und noch etwas überzeugte die Investoren: Looney kündigte einen Strategieschwenk an. BP will die Krise nutzen, um schneller auf klimafreundlichere Energien umzusteigen. Das Unternehmen kündigte an, seine Kohlenwasserstoffproduktion bis 2030 um bis zu 40 Prozent zu kürzen, und gleichzeitig seine Investitionen in kohlenstoffarme Energien deutlich steigern. Diese sollen bis 2030 verzehnfacht werden und jährlich 5 Milliarden Dollar erreichen. BP will die Erzeugung Erneuerbarer Energien auf 50 Gigawatt erhöhen.

lhy/dpa/Reuters
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