Mittwoch, 13. November 2019

Bergbaukonzern nach Dammbruch mit Hunderten Toten verurteilt Bergbauriese Vale muss für Dammbruch-Katastrophe voll haften

Rettern bot sich ein Bild des Grauens. Fünf Monate nach dem Dammbruch im brasilianischen Brumadin verurteilte jetzt ein Gericht den Bergbaukonzern Vale

Der Konzern Vale muss alle Schäden im Zuge des verheerenden Dammbruchs an einer Eisenerzmine in Brasilien begleichen, entschied ein Gericht. Ob die beschlagnahmten 2,6 Milliarden Euro Vermögenswerte dazu ausreichen, ist unklar. Die Klärschlamm-Lawine riss vor gut fünf Monaten hunderte Menschen in den Tod und verwüstete die Umwelt.

Knapp ein halbes Jahr nach dem verheerenden Dammbruch im ostbrasilianischen Brumadinho hat ein Gericht den Bergbauriesen Vale dazu verurteilt, für alle Schäden der Katastrophe aufzukommen. Das Gericht im Bundesstaat Minas Gerais legte am Dienstag aber vorerst keine Schadenssumme fest. Diese könne derzeit noch nicht beziffert werden, erklärte Richter Elton Pupo Nogueira.

Es gehe nicht nur um die Todesopfer der Katastrophe. Der Dammbruch habe auch die Umwelt und die wirtschaftlichen Aktivitäten in der Region geschädigt. Zugleich hielt das Gericht das Einfrieren von elf Milliarden Reais (rund 2,6 Milliarden Euro) von Vale für künftige Entschädigungszahlungen aufrecht.

Der Damm eines Rückhaltebeckens für Bergbauabfälle in Brumadinho war am 25. Januar geborsten. Millionen Tonnen Klärschlamm ergossen sich über die Umgebung des Bergwerks, sie begruben Häuser, Autos und Straßen unter sich. Mindestens 248 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben, 22 weitere werden noch immer vermisst.

Vale erklärte am Dienstag, das Gericht habe seine "Kooperation" während des Verfahrens anerkannt. Der Konzern wolle "rasch und gerecht" für die Begleichung der Schäden aufkommen, die durch die Katastrophe entstanden seien.


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Nach dem Dammbruch war auch der TÜV Süd in die Kritik geraten. Das deutsche Zertifizierungsunternehmen hatte den Damm im Auftrag von Vale im September 2018 geprüft und trotz mehrerer Wartungsempfehlungen für sicher erklärt.

Der verheerende Dammbruch hat dem ohnehin schon angeschlagenen Image von Vale einen empfindlichen Schlag verpasst. Das Unglück ist bereits die zweite große Tragödie innerhalb von gut vier Jahren, für die der Konzern verantwortlich ist. Bei der "Tragödie von Mariana" im Jahr 2015 kam es in einem Eisenerzbergwerk in Minas Gerais ebenfalls zu einem Dammbruch an einem Rückhaltebecken. Seinerzeit kamen 19 Menschen ums Leben.

Video: Dammbruch - Trauer und Wut in Brumadinho

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Bild: REUTERS

Vale wurde 1942 in Minas Gerais als Companhia Vale do Rio Doce gegründet. Bis 1997 war es in Staatsbesitz. Heute ist Vale der weltweit größte Minenbetreiber für Eisenerz und das drittgrößte Bergbauunternehmen nach den australisch-britischen Konzernen BHP und Rio Tinto.

Neben Eisenerz baut das brasilianische Unternehmen Nickel, Kupfer und andere Metalle ab und besitzt Wasserkraftwerke sowie Schienennetze, Häfen und Schiffe zur Lieferung seiner Produkte. Weltweit beschäftigt es 76.500 Menschen. Sein Börsenwert liegt bei 78,7 Milliarden Dollar (69,04 Milliarden Euro).

2017 erwirtschaftete Vale einen Gewinn von 5,5 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 34 Milliarden Dollar. Netto bedeutet dies ein Plus von 38 Prozent verglichen zum Vorjahresergebnis - ein erster Hinweis, dass sich das Geschäft nach einem Einbruch der Rohstoffpreise im Jahr 2015 wieder erholt hat. Die Krise hatte Vale zu deutlichen Kosteneinsparungen gezwungen.

rei/AFP/dpa

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