Ölriese stärkt Offshore-Windsparte BP wirbt reihenweise Topmanager von Konkurrenten ab

Der Öl- und Gasriese BP muss seine Emissionen senken, um die Klimaziele zu erreichen. Besonders stark wachsen soll das Geschäft mit Offshore-Windkraft. Die ehemalige RWE-Managerin Anja-Isabel Dotzenrath, der die grüne Transformation gelingen soll, holt sich dazu einige Topmanager von der Konkurrenz ins Haus.
Windkraft-Offensive: BP-Managerin Anja-Isabel Dotzenrath holt sich Topmanager von der Konkurrenz ins Haus

Windkraft-Offensive: BP-Managerin Anja-Isabel Dotzenrath holt sich Topmanager von der Konkurrenz ins Haus

Foto:

Kay Nietfeld / picture alliance/dpa

Um sein Offshore-Windgeschäft zu stärken, stellt der britische Ölriese BP das Management der Sparte neu auf. Der Energiekonzern wirbt seit Anfang des Jahres eine Reihe von Topmanagern von seinen Branchenkonkurrenten Orsted, Iberdrola und RWE ab.

Nachdem der Vorstandsvorsitzende Bernard Looney (52) im vergangenen Jahr bereits hochkarätigen Zuwachs mit Anja-Isabel Dotzenrath  (56) bekam, kommen nun einige weitere Führungskräfte von der Konkurrenz zu BP. Dotzenrath war als Geschäftsführerin von RWE Renewables zu BP gewechselt und soll als Leitern des Gas- und Low-Carbon-Geschäfts die Strategie von BP im Bereich erneuerbare Energien vorantreiben.

Dazu holte sich Dotzenrath Matthias Bausenwein (46) ins Haus. Nach neun Jahren bei Orsted, dem Weltmarktführer im Bereich Offshore-Windenergie, wechselte der Manager im August zu BP, um die Offshore-Windabteilung zu leiten. Die Talentakquise in der Offshore-Windkraftabteilung übernimmt Dave Vinton, der ebenfalls in diesem Jahr von Orsted kam.

Neuer Technikchef (CTO) wird Alfonso Montero Lopez, der nach zwölf Jahren beim spanischen Stromkonzern Iberdrola zum britischen Branchenkonkurrenten wechselt. Auch einen ihrer alten RWE-Kollegen hat Dotzenrath abgeworben. Richard Sandford, ein ehemaliger Direktor bei RWE Renewables, wechselte im Juli zu BP, um das Offshore-Windgeschäft in Großbritannien zu leiten.

Offshore-Windabteilung wächst von 200 auf 800 Beschäftigte

Die Neuzugänge stellen für den an der britischen Börse notierten Energiekonzern angesichts des harten Wettbewerbs um Talente im Bereich der erneuerbaren Energien einen Coup dar. In Abkehr von der Tradition des Ölkonzerns verfolgt BP, was den Ausbau der grünen Energie angeht, einige der ehrgeizigsten Ziele in der Öl- und Gasindustrie.

Seit Looney im Februar 2020 zum CEO ernannt wurde, hat er sich verpflichtet, die Investitionen in kohlenstoffarme Projekte zu verzehnfachen und bis 2030 50 Gigawatt an erneuerbaren Energien zu bauen oder zu erwerben. Innerhalb von zwei Jahren hat sich BP von einem Unternehmen ohne Offshore-Windprojekte zu einem Unternehmen mit einer Pipeline von mehr als zehn Gigawatt entwickelt. Im Februar dieses Jahres erklärte Looney gegenüber der "Financial Times ", dass bisher 36 leitende Angestellte von Unternehmen wie Tesla, Vodafone, 7-Eleven und dem Toyota-Forschungsinstitut zu BP gekommen seien.

Die Offshore-Windabteilung von BP beschäftigt etwa 200 Mitarbeiter. In den nächsten zwei Jahren soll sie auf 800 Mitarbeiter wachsen, wobei mehr als die Hälfte des Teams wahrscheinlich von anderen Unternehmen eingestellt werden wird, so Bausenwein.

Öl und Gas dominieren noch

Allerdings dominieren Öl und Gas weiterhin die Einnahmen und Investitionsausgaben des Unternehmens. In diesem Monat meldete BP für das dritte Quartal einen Gewinn von 8,2 Milliarden US-Dollar, der fast ausschließlich auf Kohlenwasserstoffe zurückzuführen ist. Es wird erwartet, dass die Investitionen in die fünf Geschäftsbereiche des Unternehmens – Biokraftstoffe, Convenience (Tankstellen und Lebensmittel), Ladeinfrastruktur, erneuerbare Energien und Wasserstoff – bis 2025 40 Prozent der Gesamtinvestitionen ausmachen werden.

Jedoch steht die Windkraft-Branche angesichts der Probleme mit Lieferketten und steigende Kosten vor einer "schwierigen Zeit". Trotz der großen Nachfrage nach Offshore-Windkraftanlagen haben europäische Turbinenhersteller in den letzten Wochen Stellenstreichungen angekündigt. Auch die Siemens-Tochter Siemens Energy wurde zum Schadensfall, Vorstandschef Christian Bruch (52) steht vor einer fast unmöglichen Mission, wie ein Inside-Report zeigt .

dri
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.