Samstag, 7. Dezember 2019

Live-Ticker aus der Stromnetz-Schaltzentrale während der Sonnenfinsternis "Erneuerbare Energien haben Sofi-Stresstest bestanden"

Hält die Spannung? Wenn sich der Mond vor die Sonne schiebt, ist das der Ernstfall fürs Stromsystem (Aufnahme am 20. März im Südwesten Englands). Die Einspeisung aus Solarstrom sinkt rapide - und knallt ab 10.30 Uhr wieder nach oben

3. Teil: "Strommarkt hat Probleme" - Netzbetreiber muss Regelenergie zuschießen

10.20 Uhr: Der Strommarkt kommt mit der Sonnenfinsternis bisher nicht gut zurecht, sagt Tennet-Netzchef Peter Hoffmann. Es wird derzeit deutlich zu wenig Strom angeboten (etwa 1,5 Gigawatt). Deshalb muss der Netzbetreiber massiv Regelenergie zuschießen. Eine Gefahr bedeute das derzeit nicht, zeige aber die besondere Anspannung, so Hoffmann.

Monitore in der Tennet-Zentrale: Derzeit fällt die Einspeisung aus Solarstrom rapide ab. Sobald sie ab 10.30 Uhr wieder stark ansteigt, wird es für den Netzbetreiber kritisch. Er muss die starken Schwankungen ausgleichen
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Monitore in der Tennet-Zentrale: Derzeit fällt die Einspeisung aus Solarstrom rapide ab. Sobald sie ab 10.30 Uhr wieder stark ansteigt, wird es für den Netzbetreiber kritisch. Er muss die starken Schwankungen ausgleichen
10.15 Uhr: Es gibt nicht genügend Sofi-Brillen bei Tennet, sie werden deshalb hin- und hergereicht. Und siehe da: Ein völlig klarer Durchblick auf das Naturschauspiel hier bei Hannover.

10.12 Uhr: Ein Kollege fragt die Tennet-Leute etwa ketzerisch: "Ist das heute ein Showtermin? Sie wirken so entspannt!" Tennet-Mann Hoffmann schmunzelt etwas: "Ich sehe das wirklich etwas anders." Was meinen Sie: welche Bedeutung hat diese Sonnenfinsternis für die deutsche Energiewende? Diskutieren Sie mit bei Facebook!

10.10 Uhr: Die Bundesnetzagentur sieht in der bevorstehenden partiellen Sonnenfinsternis keine Gefahr für einen Blackout des Stromnetzes. Dieses werde zwar "durch solch ein Ereignis erheblich unter Stress gesetzt", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, der "Passauer Neuen Presse". Die Netzbetreiber seien aber gut darauf vorbereitet, dass während der Sofi die gesamte Photovoltaik-Leistung vorübergehend vom Netz gehe und kurz darauf wieder verfügbar sei.

10.05 Uhr: Die internationale Presse misst der Sonnenfinsternis jedenfalls einige Bedeutung für die deutsche Energiewende bei, wie zum Beispiel die New York Times in diesem Beitrag.



Sonnenfinsternis 20.03.2015: Je weiter nördlich, desto stärker wird die Sonne durch den Mond abgedeckt
Kosmos Himmelsjahr 2015; dpa
Sonnenfinsternis 20.03.2015: Je weiter nördlich, desto stärker wird die Sonne durch den Mond abgedeckt

9.55 Uhr: Tennet-Netzchef Hoffmann zeigt die Produktionskurve des Pumspeicherkraftwerks Waldeck in Nordhessen. Der Graph schwankt heftig, zwischen 80 bis 180 Megawatt hin und her. Dem Kraftwerk fällt (zusammen mit vielen anderen) heute die Aufgabe zu. Reserveleistung zu liefern: Es stellt sicher, dass sich Angebot und Nachfrage die Waage halten. Deshalb sind die Becken zum Teil gefüllt - das Kraftwerk kann sowohl Strom produzieren und aufnehmen.

Noch ist er entspannt: Der Geschäftsführer des Stromnetzbetreibers Tennet, Urban Keussen
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Noch ist er entspannt: Der Geschäftsführer des Stromnetzbetreibers Tennet, Urban Keussen
9.45 Uhr: Ab jetzt geht es mit der Stromeinspeisung rapide abwärts - in etwa einer Stunde um acht Gigawatt. Das entspricht etwa der Leistung von acht Atomkraftwerken. Tennet-Mann Hoffman sieht der nächsten Stunde recht gelassen entgegen. "Richtig spannend wird es, wenn die Einspeisung ab etwa 10.30 Uhr wieder deutlich zunimmt." Dann steigt die Solarstromproduktion fast vier Mal schneller an als bei einem Sonnenaufgang - ein noch nie dagewesenes Ereignis.

9.40 Uhr: Merke: Eine Sonnenfinsternis hat es schon immer mal gegeben. So viele Solaranlagen wie heute aber noch nicht. Auch die Wirkung von Wolkendecken auf die Stromproduktion ist viel schwächer und langsamer als eine Sonnenfinsternis.

9.35 Uhr: Die tatsächliche Sonneneinstrahlung (13,2 Gigawatt) liegt derzeit etwas unter der Prognose. Eine Ursache könnte Nebel in Bayern sein, sagt Peter Hoffmann, Leiter der Netzführung bei Tennet. Er fürchtet sich nicht vor zu wenig Ersatzstrom. Kritisch sei aber der steile Abfall und dann der steile Aufstieg der Stromeinspeisung - stets müssen Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht gehalten werden.

9.30 Uhr: Jetzt wird es spannend: Die Solarleistung erreicht ihren vorläufigen Höhepunkt, gleich fällt sie rapide ab.

9.28 Uhr: Tennet-Chef Keussen erläutert den Einsatzplan für heute: Krisenstäbe sind aktiviert, Mannschaften vergrößert, Wartungsarbeiten verschoben. Vor allem aber hat der Netzbetreiber enorme Mengen Regelenergie bestellt. Dabei handelt es sich um Kraftwerksleitung, die Schwankungen im Stromnetz ausgleichen soll. Dieser Strom ist ungleich teurer als "normaler Strom" - vor allem heute. Für eine Megawattstunde werden teils mehrere Hundert Euro gezahlt.

9.10 Uhr: Wie heikel ist die Situation fürs Stromsystem heute tatsächlich? Viele User unserer Facebook-Seite hatten der Energiewirtschaft gestern Panikmache vorgeworfen. So hatte ein Tennet-Manager dazu geraten, heute Vormittag keine Fahrstühle zu benutzen, weil diese steckenbleiben könnten.

Allerdings haben sich die Stromnetzbetreiber intensiv auf die außergewöhnliche Situation vorbereitet - und haben heute unter anderem deutlich mehr Mitarbeiter in der Zentrale im Einsatz als üblich. Das unterstreicht den Ernst der Lage - und macht zugleich zuversichtlich, dass die Versorger mit der Extremsituation zurechtkommen.

9.05 Uhr: Hier noch einmal die wichtigsten Fragen und Antworten zur

Bedeutung der Sonnenfinsternis für das Stromsystem.

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8.55 Uhr: Gerade ist Tennet-Geschäftsführer Urban Keussen in der Schaltleitung eingetroffen. Er erklärt die Monitore. Einer zeigt eine Landkarte, abgebildet ist das europaweite Stromsystem und die Stromflüsse. Auf einem anderen sind Kurven abgebildet, die unter anderem die Menge des bundesweit eingespeisten Stroms und die Frequenz zeigen. Letztere muss bei 50 Hertz liegen, damit es keine Probleme gibt. Aktueller Wert: 50,012 Hz. Alles im grünen Bereich!

8.45 Uhr: Die Sonne hat sogar hier im Norden bei Hannover bisher freie Bahn. Zuletzt hatte der Wetterdienst die Solarprognose etwas angehoben. Momentan fließt bundesweit Solarstrom mit einer Leistung von etwa neun Gigawatt ins Netz. Sobald die Sonnenfinsternis einsetzt, fällt die Leistung rapide ab.

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