Donnerstag, 5. Dezember 2019

Live-Ticker aus der Stromnetz-Schaltzentrale während der Sonnenfinsternis "Erneuerbare Energien haben Sofi-Stresstest bestanden"

Hält die Spannung? Wenn sich der Mond vor die Sonne schiebt, ist das der Ernstfall fürs Stromsystem (Aufnahme am 20. März im Südwesten Englands). Die Einspeisung aus Solarstrom sinkt rapide - und knallt ab 10.30 Uhr wieder nach oben

2. Teil: Solarstromeinspeisung steigt drastisch - Werk Waldeck öffnet die Schleusen

11.10 Uhr: Die Solarstromeinspeisung steigt drastisch an - auf nunmehr gut zehn Gigawatt. Bisher läuft alles glatt - dank der zahlreichen Eingriffe ins Netz und in den Kraftwerkspark. Das Pumpspeicherwerk Waldeck in Nordhessen hat jetzt auch seinen zweiten Block am Netz. Beide Anlagen haben die Schleusen geöffnet und speisen mit 100 bis 200 Megawatt ins Netz ein. Kein Widerspruch: Das Waldecker Kraftwerk gleicht kurzfristige Differenzen zwischen Angebot und Nachfrage aus. Obwohl also massiv Solarstrom ins Netz drängt, muss auch Waldeck liefern, offenbar weil an anderer Stelle Kraftwerke zu schnell heruntergefahren werden.

Monitore in der Tennet-Zentrale: Derzeit fällt die Einspeisung aus Solarstrom rapide ab. Sobald sie ab 10.30 Uhr wieder stark ansteigt, wird es für den Netzbetreiber kritisch. Er muss die starken Schwankungen ausgleichen - durch Leistung aus anderen Kraftwerken
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Monitore in der Tennet-Zentrale: Derzeit fällt die Einspeisung aus Solarstrom rapide ab. Sobald sie ab 10.30 Uhr wieder stark ansteigt, wird es für den Netzbetreiber kritisch. Er muss die starken Schwankungen ausgleichen - durch Leistung aus anderen Kraftwerken
11.05 Uhr: Die Sonnenfinsternis beeinflusst den Strompreis an der Börse heftig. Zu dem Zeitpunkt, als die Sonne maximal abgedeckt war, war Strom laut Tennet 20 Euro teurer pro Megawattstunde als vor der Sonnenfinsternis. Der Preis lag bei 50 Euro pro Megawattstunde. Für die Zeit nach der Sonnenfinsternis ist die Prognose wieder bei 30 Euro.

10.50 Uhr: Ab jetzt steigt die Solarstromeinspeisung wieder - und zwar rasant. "Was jetzt kommt, ist doppelt kritisch", sagt Tennet-Mann Hoffmann. "Es sind extreme Schwankungen des Regelenergieeinsatzes erkennbar." Das heißt: Extra angeforderte Kraftwerke müssen immer wieder ständig mehr leisten - für kurze Zeit. "Noch ist das Gesamtsystem stabil", sagt Hoffmann.

Ohne die Extravorkehrungen (Tennet hat bei deutlich mehr Kraftwerken Regelleistung bestellt als üblich) wäre das System allerdings schon überfordert, sagt er. "Der Lackmustest kommt in der nächsten Stunde!"

10.45 Uhr: Kurzer Europa-Check von den Tennet-Leuten: In Italien läuft alles unkritisch. Das Land ist weniger von der Sonnenfinsternis betroffen, hat aber den größten Solarstromanteil Europas (etwa 8 Prozent). Es gibt weniger Anlagen als in Deutschland (Stromanteil: 6 Prozent), aber die Sonneneinstrahlung ist in dem südeuropäischen Land höher.

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10.40 Uhr: Ein großes Problem ist, dass viele Solaranlagen ihren Stromausstoß nur alle 15 Minuten melden. Das erhöht auch für den Netzbetreiber die Unsicherheit. Tennet sei aber dabei, ein neues Messsystem zu installieren. Denn eine Sonnenfinsternis im Jahr 2026 oder später dürfte eine noch größere Herausforderung sein - weil dann noch mehr Solaranlagen installiert sein werden.

10.37 Uhr: Stille im Raum bei Tennet, die Anspannung in der Schaltzentrale des Stromnetzbetreibers ist mit Händen zu greifen. Die maximale Überdeckung der Sonne durch den Mond ist erreicht. Nur die Vögel zwitschern.

10.27 Uhr: In zehn Minuten ist die maximale Überdeckung erreicht. Dann ist die Solarstromleistung auf ihrem Tiefpunkt. Danach bitte anschnallen: Von etwa sechs bis sieben Gigawatt knallt die Einspeisung auf etwas über 22 Gigawatt hoch. Dann gehen Kraftwerke in nie zuvor beobachteter Geschwindigkeit vom Netz oder drosseln ihre Leistung.

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