Mittwoch, 13. November 2019

Serie zu Innovationen für Klimaschutz Fliegen mit Algen - ist das die Lösung?

Algenkultur im Projekt "Aufwind" am Forschungszentrum Jülich (2014)

Eine besondere Faszination scheint von Algen auf Christian Lindner auszugehen. Mehrfach in diesem Jahr schon hob der FDP-Chef die glibberigen Wassergewächse hervor, wenn es um Klimapolitik ging. Unter seiner Führung wenden sich die Liberalen gegen "die Vielzahl von Verboten und Subventionen" und den "eindimensionalen Fokus der Politik auf die E-Mobilität". Sie fordern "neues Denken und eine Technologieoffensive in alle Richtungen" - mit Algen, die CO2 binden, als oftmals einzigem Beispiel.

Tatsächlich haben die pflanzenähnlichen Lebewesen das Potenzial, als Biosprit die existierenden Verbrennungsmotoren in eine klimafreundliche Zukunft zu retten. Sie könnten, in FDP-Sprache, "zeigen, dass Klimaschutz und freies Leben zugleich möglich sind".

Vor allem für die Luftfahrt, einen der großen CO2-Emittenten, führt kaum ein Weg an neuen Treibstoffen vorbei. Autos und Lastwagen lassen sich eventuell auf Elektroantrieb umstellen, große Passagierflugzeuge wahrscheinlich nie. "Es funktioniert nicht, rein elektrisch wird es nicht gehen", sagte Airbus-Chefingenieurin Grazia Vittadini im Juni - gerade, als sie eines der ambitioniertesten Projekte in dieser Richtung in Paris vorstellte.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr nannte deshalb jüngst im SPIEGEL-Interview synthetische Kraftstoffe als "zentralen Schlüssel für CO2-neutrales Fliegen". Nur leider seien sie "noch so teuer und in so geringer Menge verfügbar, dass sie kaum nutzbar sind".

Bleibt Biosprit. Wird er auf Algenbasis hergestellt, ergeben sich mehrere Vorteile:

  • die Algen binden viel effizienter Kohlendioxid aus der Atmosphäre, als dies Pflanzen wie Bäume könnten
  • sie enthalten zu einem hohen Anteil fette Öle, die sich beispielsweise für Kerosin nutzen ließen
  • noch besser fürs Klima wäre zwar, sie gar nicht zu verbrennen, doch wegen des raschen Wachstums können Algen-Bioreaktoren trotzdem eine positive CO2-Bilanz haben
  • die Zucht ist auch im Salzwasser möglich, wo sich das Problem "Tank oder Teller" weniger stellt und auch der Wasserverbrauch weniger problematisch ist

Die Forschung ist schon seit Jahrzehnten aktiv, die Technik existiert. Aber wirtschaftlich ist sie nicht.

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