Freitag, 18. Oktober 2019

Ölkonzerne Big Oil läuft in die Megaprojekt-Falle

Milliardengräber: Die Megaprojekte der Öl- und Gasbranche
AP

Gewaltige Investitionen der großen Ölkonzerne verschlingen so viel Geld wie noch nie. Der Erfolg lässt aber auf sich warten, während aus den erschlossenen Quellen weniger Öl und Gas strömt. Erste Unternehmen ziehen die Konsequenzen und kappen die Budgets - eine riskante Entwicklung.

Hamburg - Für Lorenzo Simonelli ist es ein Heimspiel. In seine Geburtsstadt Florenz hat der Manager von General Electric Börsen-Chart zeigen an diesem Montag und Dienstag die Größen der globalen Rohstoffindustrie geladen, Motto: "Redefining what's possible." Simonelli, mit 40 Jahren neu an der Spitze der Öl- und Gassparte von GE, empfiehlt sich für höhere Weihen. Keine andere Sparte des Industrieriesen wächst so schnell und profitabel, und in Florenz lässt er ausloten, wie weit die aktuelle Investitionswelle trägt.

Zu den Stichwortgebern zählt nicht nur der hauseigene Chefökonom Marco Annunziata, ebenfalls Italiener. "Selbst wenn die Nachfrage kaum wächst, brauchen wir sehr große Investitionen in die Öl- und Gasförderung", erklärt Maria van der Hoeven, Direktorin der Internationalen Energieagentur.

Die Ausbeute der bereits erschlossenen Felder werde in den kommenden Jahrzehnten drastisch zurückgehen, selbst einschließlich der noch zu entwickelten und noch gar nicht gefundenen Felder gehe es tendenziell abwärts. Nur mithilfe unkonventioneller Methoden wie Fracking lasse sich die Produktion flüssiger Treibstoffe noch steigern.

Die nun vorliegenden Jahresergebnisse der vier großen börsennotierten Ölkonzerne Exxon Mobil Börsen-Chart zeigen, Shell Börsen-Chart zeigen, Chevron Börsen-Chart zeigen und BP Börsen-Chart zeigen zeigen ein einheitliches Bild: Die Produktion dieser Supermajors ist im vergangenen Jahr um bis zu 2 Prozent gesunken, um bis zu 9 Prozent schrumpften die Umsätze.

Rekordhalter Kaschagan

Weil die Konzerne zugleich mit beispiellos teuren Investitionsprogrammen versuchen, neue Erlösquellen für die Zukunft zu erschließen, gehen die Gewinne noch deutlicher zurück. Eine Ausnahme bildet BP, aber nur dank eines Sonderertrags aus dem Verkauf des russischen Joint-Ventures TNK an Rosneft Börsen-Chart zeigen.

Ob Bohrungen nach Öl in der Tiefsee, riesige Gasverflüssigungsanlagen oder der Tagebau von Ölsand - die Rechnungen für die Megaprojekte vervielfachen sich. Wegen des Booms werden Personal und Equipment knapp und teuer, Rohstoff- und Transportkosten gefährden die Vorhaben ebenso Wechselkursrisiken und technische Probleme. Den Rekord hält derzeit das kasachische Ölfeld Kaschagan, das von einer künstlichen Insel aus erschlossen wird. Aktuelle Kostenschätzung: 136 Milliarden Dollar.

Selbst für Supermajors ist das eine Nummer zu groß. Das Risiko teilen sich Eni Börsen-Chart zeigen, Shell, Total Börsen-Chart zeigen und ExxonMobil mit Staatsfirmen aus Kasachstan und China.

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