Milliardengewinne Big Oil schwimmt nur so in Geld

Shell, TotalEnergies, Repsol - Europas Energiekonzerne fahren dank der hohen Öl- und Gaspreise Milliardengewinne ein. Die Aktionäre sollen daran teilhaben. In Spanien will die Regierung kriegsbedingte Übergewinne der Konzerne künftig besteuern.
Shell-Chef Ben van Beurden will die Aktionäre des Öl-Riesen am Erfolg beteiligen

Shell-Chef Ben van Beurden will die Aktionäre des Öl-Riesen am Erfolg beteiligen

Foto: AP/dpa

Der britische Energieriese Shell fuhr im zweiten Quartal einen bereinigten Gewinn von 11,5 Milliarden Dollar ein. Das ist mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Dabei konnte der Konzern die geringeren Ergebnisse im Flüssiggas-Handel (LNG) durch höhere Preise und Raffineriemargen sowie bessere Ergebnisse im Gas- und Stromhandel ausgleichen. Unter dem Strich verdiente Shell dank höherer Öl- und Spritpreise 18 Milliarden Dollar und verfünffachte damit den Vorjahreswert.

Der französische Konzern TotalEnergies hat seinen Gewinn auf 5,7 Milliarden Euro fast verdreifacht und erhöhte seine Zwischendividende gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent auf 0,69 Euro je Aktie. Weiterhin kündigte der Konzern für das dritte Quartal Aktienrückkäufe in Höhe von bis zu zwei Milliarden Dollar an. Der spanische Ölkonzern Repsol wiederum steigerte den Gewinn im Vorjahresvergleich um mehr als Doppelte auf 2,54 Milliarden Euro.

"Russlands Invasion der Ukraine hatte weiterhin Folgen auf die Energiemärkte, mit Ölpreisen im Schnitt über 110 Dollar pro Barrel, Margen für Raffinerien auf Rekordhöhen, Gaspreisen teilweise höher als Ölpreisen in Europa und Asien", erklärte TotalEnergies am Donnerstag. Der Konzern habe mehr produziert und so "zur Energiesicherheit beigetragen". Repsol betonte, die guten Ergebnisse im ersten Halbjahr trügen dazu bei, die in der Corona-Krise erlittenen Verluste auszugleichen.

Shell gibt weitere Milliarden für Aktienrückkäufe aus

Auch Shell lässt seine Aktionäre am Rekordgewinn teilhaben. Das Unternehmen kündigte ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von sechs Milliarden Dollar für das laufende Quartal an. In der ersten Jahreshälfte wurden bereits Aktien im Wert von 8,5 Milliarden Dollar zurückgekauft; das neue Rückkaufprogramm liegt deutlich über den Prognosen. Trotzdem verzichtet Shell auf eine Erhöhung der bisherigen Dividende von 25 Cent je Aktie.

Die Rendite für die Aktionäre soll dem Konzern weiterhin mehr als 30 Prozent des Cashflows aus der Geschäftstätigkeit betragen. "Das starke Ölpreisumfeld hat dazu beigetragen, dass Shell ein hervorragendes Ergebnis vorlegen konnte. Die Dividende ist zwar gleich geblieben, aber das Aktienrückkaufprogramm ist eine positive Nachricht für die Aktionäre", erklärte Stuart Lamont, Investmentmanager bei Brewin Dolphin. Hülse-Aktien stiegen zum Handelsstart in London um 0,9 Prozent.

Debatte um "Übergewinn"-Besteuerung könnte wieder aufflammen

In Deutschland hatte der Energiekonzern RWE am Mittwochabend seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr stark nach oben korrigiert - das Unternehmen erwartet einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von fünf bis 5,5 Milliarden Euro statt bislang 3,6 bis vier Milliarden Euro. RWE verwies auf ein "außerordentlich gutes Ergebnis" bei der Stromerzeugung aus Wasser, Biomasse und Gas sowie eine "starke Performance" im Energiehandel.

Die Zahlen der Konzerne dürften die Debatte über eine Besteuerung der hohen Gewinne infolge des Kriegs wieder befeuern. In Deutschland forderte zuletzt SPD-Chefin Saskia Esken eine solche Übergewinnsteuer.

In Spanien hat die Regierung eine solche Steuer für kriegsbedingte Gewinne von Energiekonzernen für das kommende Jahr angekündigt. Damit will die Regierung 2023 und 2024 rund zwei Milliarden Euro einnehmen. Mit dem Geld will sie Entlastungspakete für die Bürgerinnen und Bürger finanzieren. Die Wirtschaftsverbände kritisieren, die Steuer schmälere das Investitionsbudget der Konzerne.

sio/dpa/Reuters/AFP
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