Dienstag, 26. Mai 2020

Interesse an Kellerakkus wächst Stotterstart für Stefan Quandts Batteriefirma - Tesla zieht davon

Solarwatt-Investor Stefan Quandt (l.), Tesla-Chef Elon Musk

Vor gut einem Jahr sind Stefan Quandts Dresdner Unternehmen Solarwatt und Tesla fast zeitgleich in den Batteriespeicher-Markt eingestiegen - nun zeigt sich, dass die Kalifornier besser gestartet sind. Das von Elon Musk geführte Unternehmen erreichte im ersten Halbjahr 2016 einen Marktanteil von 9 Prozent kumuliert in den Märkten Europa, USA und Australien, wie eine Studie des Fachinformationsdienstes EUPD ergeben hat. Solarwatt kam auf gerade 3 Prozent.

Marktführer bleibt die Firma Sonnen (ehemals Sonnenbatterie) aus Bayern mit 23 Prozent. Weitere Unternehmen auf Spitzenplätzen sind LG Chem (Korea) und Senec (Leipzig).

Deutschland bleibt einer der wichtigsten Absatzgebiete für Speicher. "Trotz geänderter Förderbedingungen ist der deutsche Markt für Stromspeicher im ersten Halbjahr 2016 wieder deutlich gegenüber dem Vorjahr gewachsen", teilte EUPD mit. Insgesamt seien 12.700 Systeme installiert worden, 40 Prozent mehr als im Vorjahr. "Sinkende Systempreise und die steigende Produktvielfalt von deutschen sowie ausländischen Firmen haben dabei signifikanten Einfluss."

Mit Kellerbatterien - meist handelt es sich um Lithium-Ionen-Systeme - wollen sich Immobilienbesitzer unabhängiger von den Energieversorgern machen. Wer selbst erzeugten Strom aus Solaranlagen oder Blockheizkraftwerken zwischenspeichert und später verbraucht, spart unter Umständen zudem Geld.

Die Akkus gelten als Baustein für ein dezentraleres Energiesystem und potenzielle Gefahr für Versorger wie Eon Börsen-Chart zeigen, Uniper Börsen-Chart zeigen und RWE Börsen-Chart zeigen . Deshalb sind diese Unternehmen zum Teil selbst in den Markt eingestiegen.

Auf dem Heimatmarkt ist für Solarwatt noch Luft nach oben

Die Kooperation von der Quandt-Firma Solarwatt mit Eon hat sich dabei offenbar noch nicht ausgezahlt, zumindest nicht in Sachen Absatz. Gegenüber manager-magazin.de hatte Solarwatt-Chef Detlef Neuhaus 2015 für Deutschland einen Marktanteil von 10 bis 15 Prozent für das Gesamtjahr 2016 angepeilt. Im ersten Halbjahr waren es laut EUPD lediglich 6 Prozent (Tesla: 3 Prozent).

An Bestellungen fehlt es nun aber angeblich nicht, vielmehr kam das Unternehmen mit der Produktion der Geräte anfangs nicht hinterher, sagte Neuhaus zuletzt. "Die Produktion eines so sicherheitsrelevanten Systems können Sie nicht beliebig hochskalieren", sagte Neuhaus gegenüber dem "PV Magazine" und verwies auch auf Probleme bei Zulieferern. Inzwischen werde die Produktion aber hochgefahren. Solarwatt-Innovationschef Andreas Gutsch sieht den Marktanteil seines Unternehmens derweil sogar jetzt schon bei 10 Prozent.

Das Unternehmen gibt sich entsprechend zuversichtlich, die für 2016 gesteckten Ziele noch zu erreichen. Solarwatt werde im laufenden Jahr etwa 2000 Stromspeicher in Deutschland verkaufen. Damit sei ein Marktanteil von 8 bis 15 Prozent noch möglich, teilte ein Unternehmenssprecher gegenüber manager-magazin.de mit.

Tesla wiederum fährt offenbar eine gegensätzliche Strategie. Relativ zügig startete das Unternehmen mit seinem aggressiv angepriesenen Hausspeicher und ist in den USA laut EUPD inzwischen Marktführer - vor Sonnen aus Deutschland. Branchenexperten kritisierten das Tesla-Gerät allerdings als wenig innovativ, zu laut und nicht so billig wie anfangs gedacht. Inzwischen hat Elon Musk eine verbesserte Version angekündigt.

Stefan Quandt selbst sieht sich übrigens nicht in einem direkten Wettstreit mit Musk. "Dass wir ungefähr zur selben Zeit mit einem Speicher an den Markt gehen, ist Zufall", sagte er gegenüber manager-magazin.de im vergangenen Jahr. "Aber auch ein Indiz dafür, dass nicht nur wir in diesem Markt ein starkes Wachstum erwarten."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Textes hatten wir den Eindruck erweckt, Solarwatt liege auf dem deutschen Markt hinter Tesla. Diese Aussage gilt vielmehr für die Märkte Europa, USA, Australien und Japan zusammengenommen.

Sehen Sie auch: Die bizarre Welt des Elon Musk

Foto: AP / Wochit
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