Sonntag, 21. April 2019

Selbstversorger-Trend Wie Familie Schmitt Deutschlands größten Stromkonzern zerschlug

Blockheizkraftwerk, Solaranlage, Batterie: Wie ein Selbstversorger-System funktioniert
Horst Schmitt

3. Teil: Wann amortisiert sich das System?

Vor allem aus dieser Ersparnis finanziert der Familienvater die Investition. Zudem speist er überschüssigen Strom aus Solaranlage und Blockheizkraftwerk ins Netz ein und erhält dafür eine kleine Vergütung. Nach zehn bis zwölf Jahren soll sich das mit etwa 5000 Euro subventionierte System amortisieren.

Ob und wie sehr sich die Investition am Ende tatsächlich lohnt, liegt aber nicht allein in Schmitts Händen. Bleibt der Ölpreis weiter niedrig wie bisher, wäre rückblickend womöglich doch ein neuer Heizkessel wirtschaftlicher gewesen. Geht auch der Strompreis wie derzeit weiter zurück, lohnt der Eigenverbrauch weniger, als wenn Elektrizität deutlich teurer wird - wie in den Vorjahren.

Und nicht zuletzt könnte der Gesetzgeber Selbstversorgern wie Schmitt immer noch einen Strich durch die Rechnung machen. Immer wieder bringen Politiker eine Abgabe auf selbst erzeugten und verbrauchten Strom ins Gespräch, weil Haushalte wie die Schmitts das Stromnetz weiterhin nutzen, aber wegen des geringen Strombezugs kaum Abgaben zahlen.

"Rechtliche Unsicherheit bei der Eigenversorgung mit Speichern groß"

"Die rechtliche Unsicherheit bei der Eigenversorgung unter Einsatz von Stromspeichern ist groß", sagt Anwältin Smousavi. Schon das überarbeitete Erneuerbare-Energien-System (EEG) sieht vor, dass sich Eigenstromstromnutzer an der EEG-Umlage beteiligen. Anlagen bis zehn Kilowatt sind allerdings bisher befreit - und damit auch die Schmitts.

Und so kann sich der Kelberger voll darauf konzentrieren, die Energieausbeute seines Dach-Keller-Kraftwerks zu optimieren. Je mehr selbst erzeugten Strom die Schmitta auch selbst verbraucht, desto weniger müssen sie von außen zukaufen und desto mehr sparen sie. Dabei ist Schmitt mit den 87 Prozent Autarkie noch nicht ganz zufrieden: "Mein Ziel ist, gar keinen Strom mehr von außen zu beziehen."

Doch das ist bisher immer dann noch nötig, wenn die Familie mehrere Stromfresser gleichzeitig laufen hat. Mitunter summiert sich die Last auf etwa 8000 Watt, während Batterie und Blockheizkraftwerk immer nur maximal 3500 Watt abgeben können (siehe Grafiken in der Fotostrecke). Die Solaranlage liefert im Winter kaum einen Beitrag.

"Da müssen wir noch üben", sagt Schmitt und ist froh über das internetgestützte Kontrollsystem für seine Anlage. "Jetzt kann ich von der Arbeit aus sehen, ob meine Frau gerade wäscht."

Wenn die blaue Kurve weiter nach oben ausschlägt, weiß er, dass weitere Geräte wie Trockner oder Herd laufen. In solchen Momenten ist die Familie dann immer noch von ihrem Stromversorger abhängig, was Schmitt ein wenig wurmt. "Allein die Technik reicht nicht aus, nötig ist auch ein Umdenken. Das ist der schwierige Part."

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