Sparprogramm BASF will nach Ergebniseinbruch Stellen streichen

Der Chemieriese BASF leidet in erheblichem Maße unter der Energiekrise, im letzten Quartal brach das Ergebnis um satte 28 Prozent ein. Nun will Konzernchef Martin Brudermüller die Kosten massiv senken.
Kosten runtetr: BASF-Chef Martin Brudermüller will mehr als die Hälfte der Einsparungen am Standort Ludwigshafen realisieren

Kosten runtetr: BASF-Chef Martin Brudermüller will mehr als die Hälfte der Einsparungen am Standort Ludwigshafen realisieren

Foto: Uwe Anspach/dpa

Der Chemiekonzern BASF will seine Kosten wegen verschlechterter Geschäfte und schwierigerer Rahmenbedingungen in Europa drastisch reduzieren. Ein Sparprogramm, das von 2023 bis 2024 umgesetzt wird, soll die jährlichen Kosten außerhalb der Produktion um 500 Millionen Euro senken, wie BASF bei der Vorlage vorläufiger Quartalszahlen am Mittwoch in Ludwigshafen mitteilte.

Mehr als die Hälfte der Einsparungen sollen am Standort Ludwigshafen realisiert werden. Sowohl Unternehmens-, Service- und Forschungsbereiche als auch die Konzernzentrale sollen gestrafft werden, hieß es. Dabei sind auch Stellenstreichungen vorgesehen, über deren möglichen Umfang machte BASF allerdings keine Angaben. Die BASF-Aktie legt kurz nach der Mitteilung um rund 2 Prozent zu und gehört zu den stärksten Titeln im Dax.

Der Fokus des Programms liegt auf Europa und insbesondere Deutschland. Am Unternehmenssitz in Ludwigshafen beschäftigt das Unternehmen rund 39.000 seiner insgesamt 110.700 Mitarbeiter. Betriebsbedingte Kündigungen sind dort laut der laufenden Standortvereinbarung bis Ende 2025 ausgeschlossen. BASF kündigte Gespräche mit den Arbeitnehmervertretungen an.

BASF leidet unter den gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten, die den Konzern als größten industriellen Gasverbraucher in Deutschland zunehmend unter Druck setzen. Insgesamt ist die chemisch-pharmazeutische Industrie mit einem Anteil von 15 Prozent am Gesamtverbrauch der größte Gasverbraucher hierzulande. Sie befindet sich derzeit mitten in Tarifverhandlungen, die am 16. Oktober in der dritten Runde weitergehen sollen.

Operativer Gewinn bricht um 28 Prozent ein

Die Gaskrise und die Beteiligung an dem Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea brockten BASF im dritten Quartal erneut hohe Abschreibungen ein. Der Nachsteuergewinn fiel auf 909 Millionen Euro von 1,25 Milliarden Euro vor Jahresfrist wegen Wertberichtigungen von rund 740 Millionen Euro auf die Beteiligung. Grund sind Abschreibungen bei dem Gemeinschaftsunternehmen, an dem BASF 72,7 Prozent hält, im Zusammenhang mit der Beteiligung von Wintershall Dea an der Nord Stream AG, dem Betreiber der beschädigten Gaspipeline Nord Stream 1. Bereits im ersten Quartal hatte BASF angesichts einer Milliardenabschreibung bei Wintershall Dea wegen der gestoppten Gaspipeline Nord Stream 2 einen Gewinneinbruch verdauen müssen.

Der bereinigte operative Gewinn (Ebit) von BASF brach nach vorläufigen Zahlen um fast 28 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro ein. Damit schnitt BASF etwas besser als von Analysten erwartet ab, die im Schnitt mit einem Rückgang auf 1,31 Milliarden Euro gerechnet hatten. Noch im zweiten Quartal lag das operative Ergebnis mit 2,34 Milliarden Euro allerdings nur knapp unter dem Vorjahresniveau. Zudem fiel nun in Deutschland ein Verlust an, wie BASF einräumte.

Die gestiegenen Kosten konnte das Unternehmen nur noch teilweise über höhere Verkaufspreise auf die Kunden abwälzen. Der Umsatz stieg um 12 Prozent auf knapp 22 Milliarden Euro, wobei auch Rückenwind vom starken Dollar kam. BASF bekräftigte die Prognose für dieses Jahr, die Vorstandschef Martin Brudermüller (61) Ende Juli angehoben hatte. Demnach rechnet der Konzern weiter mit einem Umsatz von 86 bis 89 Milliarden Euro und einem bereinigten operativen Ergebnis von 6,8 bis 7,2 Milliarden.

An seinen Jahreszielen hält der BASF-Vorstand fest und rechnet weiterhin mit einem operativen Ergebnis zwischen 6,8 Milliarden und 7,2 Milliarden Euro. Detaillierte Quartalsergebnisse legt der Konzern am 26. Oktober vor.

sio/Reuters, dpa-afx
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