BASF-Gazprom-Deal geplatzt Der geplatzte Traum vom deutschen Ölmulti - ein Kollateralschaden der Russland-Krise

Der Multi-Milliarden-Deal zwischen BASF und Gazprom ist das erste große Opfer der Russland-Krise für die deutsche Industrie. Die Öl- und Gastochter Wintershall war auf dem Weg, im globalen Rohstoffgeschäft mitzumischen. Die Konfrontation mit Putin durchkreuzt solche strategischen Pläne.
Erstmal nur Business as usual: Joint Venture Achimgas in Sibirien

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Foto: Justin Jin for Wintershall / DPA

An seiner Strategie will Wintershall vorerst nichts ändern. Aber richtig umsetzen kann der führende deutsche Öl- und Gasproduzent sie auch nicht. Die BASF-Tochter, in den vergangenen Jahren immerhin zur wichtigsten Sparte des Chemieriesen aufgestiegen, will ein Global Player im Rohstoffgeschäft werden. Der wichtigste Schritt dahin sollte der vor knapp zwei Jahren mit Gazprom vereinbarte Tausch sein: Gashandel mit Zugang zu deutschen Endkunden gegen Anteile an der Quelle in den riesigen sibirischen Gasfeldern.

Der Plan ist hinfällig, natürlich "aufgrund des schwierigen politischen Umfelds". Zwar hat keine Instanz in Westeuropa etwas gegen die langjährige Partnerschaft eingewendet oder Sanktionen gegen russisches Gas angedroht. Das wäre auch allzu dumm, bedenkt man die Abhängigkeit gerade der deutschen Wirtschaft von Energie aus dem Osten. Ob zum Fahren, zum Heizen oder sogar für Strom, Russland ist Lieferant Nummer eins der wichtigsten Energieträger.

Doch die kleinen Nadelstiche der EU, die zeigen, dass Gazprom  unwillkommen ist, wirken - sie bewirken, dass der Rohstoffgigant sich noch schneller aus der Abhängigkeit seinerseits vom ohnehin überreifen Markt Europa zu lösen sucht und sich zu anderen Abnehmern wie China oder der Türkei orientiert.

Aktuell ist Russland verzweifelt - langfristig eher die deutsche Industrie

In der aktuellen Lage wirkt vor allem Russland verzweifelt. Langfristig fehlt aber vor allem der deutschen Industrie eine Strategie, wie sie die Rohstoffe sichern kann, die sie im eigenen Land nicht hat. Russland ist als Lieferant zwar nicht alternativlos, aber doch nur zu hohen Kosten und (auch politischen) Risiken. Und selbst die erfolgreichste Energiewende würde auf Jahrzehnte nichts an der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas ändern.

Um Initiativen wie die vom aktuellen BDI-Präsidente Ulrich Grillo vorangetriebene Rohstoffallianz ist es still geworden. Ein kapitalstarker Multi, der Energiequellen auch im Ausland kontrolliert, wäre die naheliegende Lösung, so wie Eni  in Italien, Total  in Frankreich, Repsol  in Spanien oder natürlich die angelsächsischen Mega-Konzerne - und BASF Wintershall könnte diese Rolle noch am ehesten ausfüllen.

Die Nummer zwei im Land wird ironischerweise durch die Russland-Krise am umgekehrten Weg gehindert: Der von der Energiewende gebeutelte Stromkonzern RWE  will seine Öl- und Gastochter Dea (deren Name als einstiges Kürzel für Deutsche Erdöl-Aktiengesellschaft auch den Anspruch im Rohstoffgeschäft verkörpert) zwecks Schuldenabbau losschlagen - an einen Russen, was bisher am Einspruch Großbritanniens scheitert.

So bliebe als Ausweg noch, dass Wintershall sich statt um sibirische Gasfelder um die Assets der Dea (vor allem in der Nordsee und Nordafrika) verstärkt. Doch beide Konzerne, BASF und RWE, müssten dafür Einbußen gegenüber den ursprünglichen Plänen hinnehmen.

Das sind Deutschlands wichtigste Energielieferanten

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