Dienstag, 10. Dezember 2019

Gigantisches Fallwindkraftwerk Der Milliardentraum von Arizona

Desertec auf amerikanisch: Wie das Fallwindkraftwerk funktioniert
Solar Wind Energy Tower

Im Südwesten der USA soll ein gigantisches Fallwindkraftwerk mit einem knapp 700 Meter hohen Turm entstehen. Als Energiequelle in einer solchen Anlage dient heiße Luft. Geht das Konzept auf, produziert das Kraftwerk fast so viel Elektrizität wie ein Atommeiler.

Hamburg - Das Bauwerk erinnert an den Kühlturm eines Atomkraftwerkes, nur ist es um ein Vielfaches größer: Satte 686 Meter soll der Turm eines in Arizona geplanten Fallwindkraftwerkes in die Höhe ragen - es wäre nach dem Burj Khalifa in Dubai das zweithöchste Gebäude der Welt. Gerade haben die Behörden der Kleinstadt San Luis grünes Licht für das 1,5-Milliarden-Dollar-Projekt der Firma Solar Wind Energy Tower gegeben, wie das Analysehaus Bloomberg New Energy Finance berichtet.

Die Anlage, die billige Energie im Überfluss erzeugen soll, funktioniert nach einem bereits 1975 vom Ingenieur Phillip Carlson beschriebenen Prinzip: Wasser wird in den oberen Bereich des Turmes gepumpt und kühlt die heiße Luft ab. Sie fällt daraufhin abwärts, es entsteht ein bis zu 80 Stundenkilometer schneller Wind. Der treibt im unteren Bereich des Turmes Windräder an, die Strom erzeugen.

In der Spitze soll das Kraftwerk eine Leistung von 1250 Megawatt haben. Dieser Höchstwert ist laut Solar Wind Energy Tower jedoch nur bei idealen, heißen Witterungsbedingungen zu erreichen. Im Jahresschnitt arbeitet das geplante Kraftwerk mit 435 Megawatt und ist auch nachts einsatzfähig.

Bisher ist eine derartige Anlage noch nicht realisiert worden. Als ein Problem gilt die geringe Energieausbeute. Je nach Typ sind bis zu 50 Prozent der gewonnenen Elektrizität nötig, um Wasser nach oben zu pumpen. Sofern der Wert nach Fertigstellung höher liegt als erwartet, gerät die finanzielle Kalkulation des Projekts ins Wanken. Die Stromgestehungskosten würden deutlich über die mancherorts versprochenen 2,5 Cent pro Kilowattstunde steigen.

Zudem ist der Wasserbedarf hoch, was in trockenen Gebieten wie Arizona eine besondere Hürde darstellt. Es müsste wiederverwendet oder aus dem Meer durch Pipelines herbeigepumpt und zuvor entsalzt werden. So überrascht es wenig, dass Solar Wind Energy Tower noch keinen Investor für das Projekt gefunden hat. Immerhin: Örtliche Versorger und das Verteidigungsministerium haben laut dem Unternehmen bereits Interesse an dem Strom aus der Anlage bekundet.

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