Aufsichtsräte von RWE und Eon billigen Mega-Deal Innogy-Zerschlagung könnte 5000 Jobs kosten

Strommasten: RWE und Eon teilen den Strommarkt neu unter sich auf

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Die Befürchtungen vor einem Abbau von tausenden Arbeitsplätzen bei der Zerschlagung des Energiekonzerns Innogy haben neue Nahrung erhalten. Der Energiekonzern E.ON teilte am Montagabend mit, nach der geplanten Übernahme der Netz- und Vertriebsgeschäfte von Innogy könnten bis zu 5000 der über 70.000 Arbeitsplätze wegfallen, die die fusionierten Bereiche derzeit hätten.

Die Gewerkschaften Verdi und IGBCE hatten zuvor betont, sie gingen von einem Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen aus. E.ON warb damit, dass gleichzeitig im kommenden Jahrzehnt wohl tausende neue Arbeitsplätze geschaffen würden.

Die Aufsichtsräte von Eon (Kurswerte anzeigen) und RWE  stimmten dem Deal unterdessen zu. Bei RWE soll die geplante Übernahme des Ökostromgeschäfts von Innogy und von Eon keine Jobs kosten.

Eon mit Milliardengewinn - Dividende soll auf 30 Cent steigen

Eon erwartet durch den Deal Synergieeffekte von jährlich 600 bis 800 Millionen Euro. Der Konzern legte am Montagabend auch Zahlen zum Geschäftsjahr vor. Nach einem Verlust von 16 Milliarden Euro 2016 fuhr der Versorger einen Gewinn von 4,2 Milliarden Euro ein. Für 2017 sollen die Anleger eine Dividende von 30 Cent je Aktie erhalten, für 2018 peilt E.ON 43 Cent an.

E.ON-Chef Johannes Teyssen und RWE-Boss Rolf Martin Schmitz wollen am Dienstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz ihre Pläne erläutern. "Durch den strategischen Tausch von Geschäftsbereichen schaffen wir zwei hochgradig fokussierte Unternehmen, die eine bessere Zukunft für die europäische Energielandschaft gestalten werden", betonte Teyssen in einer Erklärung. "In der Transformation der Energiewelt sind erneuerbare Energien und konventionelle Kraftwerke zwei Seiten einer Medaille", sagte Schmitz. RWE werde zu einem starken Partner der Energiewende über Deutschland hinaus.

Am Montagvormittag hatte Innogy-Chef Uwe Tigges angekündigt, ungeachtet der Zerschlagungspläne von E.ON und RWE die Kern- und Wachstumsgeschäfte mit Milliardensummen auszubauen und zugleich die laufenden Kosten senken. Die Gründung von Innogy vor rund zwei Jahren sei wegen des "weltweiten Siegeszugs der Erneuerbaren" der richtige Schritt gewesen. Von den am Sonntag angekündigten Plänen zur Aufteilung des Konzerns war Tigges nach eigenen Worten am Samstagabend überrascht worden. Die Transaktion soll bis Ende 2019 abgeschlossen sein.

Tigges versuchte in einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden internen Brief, die Mitarbeiter zu beruhigen. "Uns ist völlig klar, dass Sie diese Nachrichten verunsichern", schrieb der 57-Jährige, der früher Konzernbetriebsratschef von RWE war. "Vorstand und Aufsichtsrat werden die vorgeschlagene Transaktion sorgfältig prüfen. Wir versichern Ihnen, dass die Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Unternehmens ebenso wie die unserer Aktionäre weiterhin an vorderster Stelle von uns verfolgt werden."

RWE stand angeblich mit Iberdrola kurz vor Einigung

Zeitweise hatten sich Finanzkreisen zufolge auch einige ausländische Konzerne an Innogy interessiert gezeigt. Reuters hatte von Insidern erfahren, dass RWE  auch mit dem italienischen Versorger Enel, der französischen Engie und Iberdrola aus Spanien gesprochen habe. Mit Iberdrola habe RWE vor Weihnachten sogar kurz vor einer Einigung gestanden. Zwei Banker, die in der Vergangenheit für Innogy gearbeitet haben, sagten, ein Gegenangebot sei unwahrscheinlich.

Gewerkschaften begrüßen die Pläne

Verdi und die Gewerkschaft IG BCE begrüßten die Pläne. Sie sähen sie als Chance für alle Beteiligten, starke und investitionskräftige Unternehmen aufzubauen und Perspektiven für Wachstum und Arbeitsplätze zu erschließen. "Die Gewerkschaften gingen vom Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen und der Fortgeltung der Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen aus." Die Bundesregierung zeigte sich ebenfalls wohlwollend.

Die Kommunen - sie halten knapp 23 Prozent der RWE-Anteile - gab es nach anfänglichen Zweifeln Rückendeckung. Das Vorhaben sei strategisch und finanzwirtschaftlich grundsätzlich positiv zu werten, hieß es in einer Mitteilung. "Wir begrüßen außerdem, dass ein deutsches Unternehmen neuer Partner der RWE AG und damit indirekt auch für die Kommunen wird." Sie würden den Prozess positiv begleiten, aber dabei auch Wert darauf legen, dass die kommunalen Interessen gewahrt und gestärkt würden.

Wie stehen die beteiligten Konzerne wirtschaftlich da?

Den schlimmsten Teil ihrer Krise haben RWE und Eon wohl überstanden. Der aktuelle Plan zum Generalumbau beider Konzerne zeigt jedoch, dass die Verantwortlichen mit dem Status quo offensichtlich noch längst nicht zufrieden sind. Oder wie es Oliver Krischer, Energieexperte der Grünen, formuliert: "Mit ihrem Deal gestehen RWE und Eon das Scheitern ihrer bisherigen Versuche zur Neuaufstellung für die Erneuerbare Energiewelt ein."

Vor allem RWEs 77-Prozent-Tochter Innogy bereitet Sorgen. Eine Gewinnwarnung hatte den seinerzeitigen Innogy- und vorherigen RWE-Chef Peter Terium im vergangenen Jahr bereits den Job gekostet. Am heutigen Montag legte Innogy zudem die Karten auf den Tisch: 2017 brach der Nettogewinn um fast 50 Prozent ein. Auch im laufenden Jahr erwartet das Management erneut einen leichten Gewinnrückgang. Die Zahlen lassen erahnen, wo die Motivation für die Umstrukturierung, der Innogy zum Opfer fallen wird, herkommt.

RWE wird am morgigen Dienstag genaueres zur Geschäftslage preisgeben, wenn der Konzern ebenfalls seine Ergebnisse für 2017 präsentieren wird. Zum Halbjahr hatte Konzernchef Rolf Martin Schmitz immerhin wieder einen Gewinn im Milliardenbereich für das Gesamtjahr vorhergesagt - nachdem RWE 2016 einen dicken Milliardenverlust verbuchen musste.

Ähnlich sieht es bei Eon aus. Das Unternehmen, dessen Geschäftszahlen für 2017 am Mittwoch dieser Woche auf der Tagesordnung stehen, steckte zwar in den vergangenen Jahren mehr noch als RWE tief in den roten Zahlen. Im ersten Halbjahr 2017 verbuchte Eon jedoch - allerdings wie auch bei RWE gepusht durch eine großzügige Steuererstattung - bereits wieder einen Gewinn von stattlichen vier Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr dürfte ebenfalls ein dicker Milliardengewinn zu erwarten sein.

Wie sieht der Plan genau aus?

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Noch ist nicht öffentlich bekannt, wie es genau zum großen Umstrukturierungsplan von Eon, RWE und Innogy kam. Die suboptimale Entwicklung bei Innogy dürfte aus Sicht der Muttergesellschaft RWE allerdings eine wichtige Rolle gespielt haben. Gleich mehrere Konzerne aus ganz Europa waren an einer Innogy-Übernahme interessiert, berichtet das "Handelsblatt". Doch RWE entschied sich für den Weg gemeinsam mit Eon.

Und der sieht im Einzelnen so aus: Im ersten Schritt will Eon die gesamten knapp 77 Prozent an Innogy von RWE kaufen. Danach wird das gerade mal zwei Jahre alte Ökostromunternehmen zerschlagen. RWE wird von Innogy das Geschäft mit erneuerbarer Energie bekommen sowie das Gasspeichergeschäft und den Anteil am österreichischen Energieversorger Kelag. Von Eon erhält RWE ebenfalls Aktivitäten im Bereich neue Energien sowie die Minderheitsbeteiligungen an den von RWE betriebenen Kernkraftwerken Emsland und Gundremmingen.

Eon will sich künftig vor allem auf Energienetze und Vertrieb konzentrieren.

Der Grundsatzeinigung zufolge, die beide Versorger erzielt haben, ist zudem geplant, dass RWE einen Anteil von knapp 17 Prozent an Eon erhält. Unterm Strich zahlt RWE im Rahmen der Gesamttransaktion noch einen Ausgleich in Höhe von 1,5 Milliarden Euro an Eon.

Warum soll es für Eon und RWE künftig besser werden?

Weder RWE-Chef Rolf Martin Schmitz noch Eon-Chef Johannes Teyssen sind offenbar zufrieden mit dem, was sie durch ihre jeweiligen Konzernspaltungen vor zwei Jahren erreicht haben. Also drücken sie Reset und versuchen einen anderen Plan.

Auch diesmal werden verschiedene Teile des Energiegeschäfts getrennt und neu zusammengesetzt. Doch die Grenze verläuft an anderer Stelle: Ging es zuvor in erster Linie darum, das traditionelle Energiegeschäft mit Atom, Kohle und Gas vom zukunftsträchtigen Bereich rund um die neuen Energien zu trennen, so steht jetzt die Energieerzeugung auf der einen Seite - nämlich bei RWE - der Energieverteilung über Netze und Vertrieb auf der anderen - nämlich bei Eon - gegenüber.

Strategisch hat dieser Ansatz Vorteile: Sowohl Eon als auch RWE haben künftig jeweils ein klares Profil. Zudem machen sich beide gegenseitig kaum noch Konkurrenz.

Insbesondere Eon könnte als Gewinner aus dem Deal hervorgehen, weil der Netzbetrieb als besonders lukratives Geschäft gilt. Auf der anderen Seite hat das Unternehmen allerdings die unangenehme Aufgabe, tausende Innogy-Mitarbeiter integrieren zu müssen, die von der Übernahme kalt erwischt wurden und sich nun binnen zwei Jahren erneut auf eine neue Situation einstellen müssen.

Das gilt allerdings zum Teil auch für RWE, schließlich übernimmt der Konzern ebenfalls Teile von Innogy. Erst vor zwei Jahren hatte sich RWE explizit von den Neuen Energien abgewandt - nun vollzieht der Konzern diesbezüglich eine 180-Grad-Wende. Eine konsequente Linie sieht wohl anders aus.

Allerdings deckt das Unternehmen künftig die Stromerzeugung aus nahezu allen erdenklichen Quellen ab - und wird auf einen Schlag zu einer enormen Macht in der Stromproduktion innerhalb Europas.

Wer sind die Gewinner, wer sind die Verlierer?

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Als Gewinner des Deals dürften sich Eon und RWE wähnen, denn sie haben das Vorhaben ausgeheckt und erhoffen sich dadurch Vorteile. Das sieht offenbar auch die Börse so, wo die Aktien beider Unternehmen am Montag einen ordentlichen Sprung nach oben gemacht haben.

Ob beide Konzerne tatsächlich vom großen Umbau profitieren, ist allerdings längst noch nicht ausgemacht. Das wird sich letztendlich wohl frühestens in einigen Jahren zeigen.

Fest steht dagegen wohl, wer der große Verlierer bei dem Mega-Deal ist: die RWE-Tochter-Innogy sowie deren mehr als 40.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen startete vor zwei Jahren mit modernen, aussichtsreichen Geschäftsfeldern in eine hoffnungsvolle Zukunft - und steht nun bereits wieder vor dem Aus. Kein Wunder, dass sich Innogy-Chef Uwe Tigges auf der Bilanzpressekonferenz am Montag bedeckt hielt, als er auf das Thema angesprochen wurde. "Wir werden uns zu einem späteren Zeitpunkt in angemessener Weise äußern", lautete Tigges' knapper Kommentar.

Die Sorge unter den Innogy-Mitarbeitern wegen eines möglichen Jobabbaus etwa in Vertrieb und Verwaltung dürfte groß sein. In einem internen Schreiben von Tigges versuchte der Innogy-Chef, die Mitarbeiter zu beruhigen. "Vorstand und Aufsichtsrat werden die vorgeschlagene Transaktion sorgfältig prüfen", schrieb der Manager. "Wir versichern Ihnen, dass die Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Unternehmens ebenso wie die unserer Aktionäre weiterhin an vorderster Stelle von uns verfolgt werden."

"Die Zeiten werden unruhig", hieß es zudem im Lager der Arbeitnehmer. Eon sei aber immerhin berechenbarer als ein Versorger aus Südeuropa, der ja ebenfalls als möglicher Innogy-Käufer in Frage gekommen wäre.

Vor allem in dem künftig bei Eon gebündelten Vertriebsgeschäft könnten durch die Zusammenlegung mit Innogy Jobs auf der Strecke bleiben, sagte ein Branchenkenner. Experten zufolge könnten durch den Deal rund 500 Millionen Euro eingespart werden, insbesondere durch den Abbau von Arbeitsplätzen.

Was bedeutet der Deal für die Stromkunden?

Welche Auswirkungen die geplante Transaktion von Eon und RWE auf den Strommarkt und die Strompreise haben wird, ist derzeit noch kaum absehbar. Verbraucherschützer hoffen jedenfalls auf sinkende Strompreise in Deutschland.

Jeder Wettbewerber, der vom Strommarkt verschwinde, sei zwar für den Verbraucher "eine traurige Nachricht", sagte Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), dem "Handelsblatt". "Innogy ist aber ein eher teurer Grundversorger, darum ist zu hoffen, dass Eon die Strompreise senken wird."

Es gibt aber auch kritische Töne. "Der deutsche Strommarkt leidet ja immer noch unter zu wenig Wettbewerb, und die niedrigen Börsenpreise kommen bei den Verbrauchern nach wie vor nicht an", sagte die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Tabea Rößner. "Insofern ist es keine gute Nachricht, wenn Wettbewerber verschwinden."

Was muss noch passieren, bis der Deal in trockenen Tüchern ist?

Bindende Verträge wurden noch nicht abgeschlossen. Vor Abschluss einer entsprechenden Vereinbarung bedürfe es noch der Zustimmung der Gremien von Eon und RWE, teilten die Unternehmen mit. Die Aufsichtsräte haben sich Berichten zufolge bereits am Sonntag mit dem Vorhaben befasst und sollen womöglich bereits am heutigen Montag entscheiden. Zudem steht die Durchführung der gesamten Transaktion unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Zustimmung.

Zudem können die Innogy-Aktionäre, die die verbleibenden 23 Prozent der Anteile besitzen, mitspielen. Ihnen unterbreitet Eon ein freiwilliges Übernahmeangebot. Dabei sollen die Anteilseigner nach aktuellem Stand 40 Euro je Aktie in bar erhalten. Dieser Wert setzt sich aus einem Angebotspreis von 36,76 Euro je Aktie sowie den Zahlungen aus den unterstellten Dividenden der Innogy von 3,24 pro Aktie für die Geschäftsjahre 2017 und 2018 zusammen.

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