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Atomkraft auf See: Diese gigantischen Powerblöcke schippern über die Weltmeere

Schwimmendes Kernkraftwerk passiert bald deutsche Ostseeküste Atomkraft? Volle Fahrt voraus!

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Dieser Kahn ist für Atomenergie-Gegner eine zu Wasser gelassene Provokation: Die "Akademik Lomonossow", ein schwimmendes Kernkraftwerk, nimmt im kommenden Jahr den Betrieb auf.

Das Kraftpaket wird im russischen St. Petersburg gebaut und soll im fernen Osten des Landes Strom und Wärme erzeugen. Deshalb schippert die mit zwei Reaktoren besetzte Schute über die Ostsee, auch an der deutschen Küste vorbei. Schlepper ziehen das Kraftwerk bis nach Pevek im Autonomen Kreis der Tschuktschen.

Die Anlage ist die erste ihrer Art - und womöglich nur der Anfang einer Serienproduktion. Denn Russlands Atombehörde Rosatom will künftig verstärkt schwimmende Kernkraftwerke einsetzen, um Städte in entlegenen Regionen zu versorgen.

Die beiden Reaktoren können Stadt mit 200.000 Einwohnern versorgen

Angestrebt ist auch der Export. "Industrielle und wirtschaftliche Entwicklung schwer erreichbarer Regionen ist ein strategisches Ziel vieler Staaten", heißt es bei Rosatom. In Wüstenstaaten könnte das Schiff Wasserentsalzungsanlagen mit Strom beliefern.

Die beiden Reaktoren verfügen jeweils über eine Leistung von 35 Megawatt und können damit eine Stadt mit etwa 200.000 Einwohnern versorgen. Sie werden auch russischen Atomeisbrechern und auf dem atomgetriebenen Frachter Sewmorput eingesetzt.

Weitere Länder mischen im Wettrennen um schwimmende Kraftwerke mit

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Die dänischen Behörden stellen sich bereits auf die Passage der "Akademik Lomonossow" im Herbst 2017 über die Ostsee ein - sehen die Sache aber gelassen. "Wir werden keine besonderen Vorkehrungen treffen, außer es gibt Hinweise auf illegale Aktivitäten oder andere Behörden bitten uns darum", zitiert die "Copenhagen Post" Marine-Kommandeur Gustav Lang .

Die deutschen Behörden haben den ungewöhnlichen Transport ebenfalls auf dem Radar, auch wenn das Kraftwerk wohl nicht durch deutsches Hoheitsgebiet schippern wird. "Doch auch beim Durchqueren der dänischen Gebiete - Kadetrinne/Fehmarnbelt - werden wir von den Verkehrszentralen Warnemünde und Travemünde aus den Transport beobachten", teilte eine Sprecherin der deutschen Wasser- und Schifffahrtsverwaltung gegenüber manager-magazin.de mit. Falls der Verbund doch durch deutsche Gewässer fahre, müsse die Verwaltung auch über mögliche Auflagen entscheiden.

Das russische Atomkraftwerk auf dem Wasser mag neue Maßstäbe setzen - völlig ohne Vorbild ist so eine Anlage allerdings nicht. Der allererste schwimmende Kernreaktor war die US-amerikanische MH-1A. Das Schiff kam von 1968 bis 1975 in der Panamakanalzone zum Einsatz und versorgte diese mit einer Leistung von zehn Megawatt. Derzeit wird das Kraftwerk in Texas abgewrackt.

Russland hat die Nase vorn

Außer Russland setzt derzeit auch China auf schwimmende Atomkraftwerke. Die erste Anlage wird aber wohl nicht vor 2020 in See stechen. Sie sollen unter anderem die zahlreichen künstliche aufgeschütteten Inseln im Südchinesischen Meer versorgen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters .

Treibende Kraft ist demnach das Unternehmen China Shipbuilding Industry. "Wir treiben die Arbeiten voran", zitiert Reuters Chef Liu Zhengguo. Die Nachfrage sei "ziemlich stark", sagte er, ohne genauere Angaben zu machen.

Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums spielte die Berichte allerdings etwas herunter - ihm sei das Projekt nicht geläufig. Wie es aussieht, sind die Russen mit ihrem schwimmenden Kraftwerk schneller dran.

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