Neue Option für deutschen Kernkraft-Ausstieg? Australien bietet sich der Welt als Atomklo an

Uranförderung in Südaustralien: Die Region könnte mit der Atommüll-Entsorgung Milliarden verdienen, erwarten Gutachter

Uranförderung in Südaustralien: Die Region könnte mit der Atommüll-Entsorgung Milliarden verdienen, erwarten Gutachter

Foto: HO/ AFP

Deutschland quält sich mit dem Atomausstieg: Weder ist klar, ob Versorger wie RWE und Eon die vollen Kosten für die Rückabwicklung des nuklearen Zeitalters tragen, noch wo die strahlenden Hinterlassenschaften überhaupt verbleiben sollen.

Australien geht die Sache deutlich offensiver an. Der Bundestaat Südaustralien dient sich jetzt als Importeur von Atommüll aus aller Herren Länder an, wie die "Financial Times" berichtet . Auf diese Weise will die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene Region gut fünf Milliarden australische Dollar (3,2 Milliarden Euro)einnehmen.

"Eine Zwischenlager- und Entsorgungseinrichtung wäre wirtschaftlich zu betreiben", heißt es demnach in einer staatlichen Untersuchung. "Das Zwischenlager wäre in den späten 20er-Jahren einsatzbereit." Die nukleare Deponie sei in der Lage, 13 Prozent des weltweiten Atommülls unterzubringen. Für den Standort spreche vor allem die "stabile Geologie".

Australiens Bergbau schwächelt - Politik sucht neue Einnahmequellen

Australien setzt unter Premierminister Malcom Turnbull auf einen Einstieg in die bisher vernachlässigte Kernkraft-Technik. Atomkraftwerke könnten die Stromerzeugung ergänzen und einen wirtschaftlichen Impuls für das von der Bergbaukrise gebeutelte Land bringen, sind zahlreiche Politiker überzeugt.

Gegensätzlicher könnte die Lage in Deutschland nicht sein. Für die Stromkonzerne sind die Atomkraftwerke inzwischen ein veritabler Klotz am Bein. Durch politische Beschlüsse sollen sie deutlich früher vom Netz gehen als technisch und wirtschaftlich möglich. Zudem gestaltet sich das übrige Geschäft von RWE, Eon, EnBW und Co. so schwierig - es steht in den Sternen, ob die Konzerne den Rückbau jemals in den Griff bekommen.

Down Under als nukleare Müllkippe - für manchen eine verlockende Idee

Da wäre es prinzipiell verlockend, sich eines Teils des Problems "Down Under" zu entledigen. Immer mal wieder haben Vertreter der Energiewirtschaft eine Export-Lösung zuletzt ins Spiel gebracht , so der Chef des Verbands Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW), Heinz Seiffert. Der OEW ist größter Anteilseigner des baden-württembergischen Versorgers EnBW, der zahlreiche Atomkraftwerke betreibt und zurück baut.

"Ich bin ziemlich sicher, dass es der Politik nicht gelingen wird, in der dicht besiedelten Bundesrepublik Deutschland einen geologisch geeigneten Standort für ein Endlager durchzusetzen", sagte Seiffert im vergangenen Jahr. "Das versucht man doch schon 20 Jahre erfolglos." Da käme Australien als Problemlöser gerade recht.

Politisch steht Seiffert mit dieser Einstellung allerdings ziemlich allein da. Deutscher Atommüll soll in Deutschland bleiben - das ist die Mehrheitsmeinung in Berlin.

Für die Bundesregierung und Eon sind Atommüll-Exporte kein Thema

Zu groß scheint vielen die Gefahr, dass bei langen Transporten etwas schief geht. Zudem sei es moralisch nicht zu vertreten, andere Länder mit deutschem Strahlenmüll zu beglücken, insbesondere wenn es sich um autoritär regierte Staaten handelt.

Doch auch mit Blick auf das demokratische Australien stellt sich die Lage wohl nicht viel anders dar. "Ausland ist Ausland. Das gesetzliche Verbot des Atommüllexports gilt uneingeschränkt", teilte der Sprecher von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), gegenüber manager-magazin.de mit.

Und eine Gesetzesänderung ist mit der großen Koalition auch nicht zu erwarten. Die Position des Umweltministeriums, so der Sprecher, "deckt sich mit den bestehenden gesetzlichen Regelungen".

Auch Eons Atom-Einheit setzt darauf, dass die Bundesregierung ein Endlager daheim findet. "Eine Entsorgung im Ausland ist für uns kein Thema", stellte eine Unternehmenssprecherin gegenüber manager-magazin.de klar. Australien müsste sich im Fall der Fälle offenbar andere Kunden suchen.

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