Verstaatlichung des Energiekonzerns Was Uniper sonst noch zu bieten hat

Mit der Verstaatlichung des Energieversorgers Uniper übernimmt der Staat neben Schulden in Milliardenhöhe auch Beteiligungen an schwedischen Atom- und russischen Kohlekraftwerken. Die Übernahme selbst hat auch Konsequenzen für das Management von Uniper.
Uniper-Kraftwerk: Deutschlands größter Gasimporteur wird verstaatlicht

Uniper-Kraftwerk: Deutschlands größter Gasimporteur wird verstaatlicht

Foto: Marcel Kusch / picture alliance/dpa

Es steht fest: Der Energiekonzern Uniper soll verstaatlicht werden. Das entsprechende Stabilisierungspaket für Uniper sieht eine Kapitalerhöhung und den Erwerb der Uniper-Anteile vom bisherigen Großaktionär Fortum vor. Am Ende soll der Bund etwa 98,5 Prozent der Anteile besitzen, pro Aktie zahlt der Staat 1,70 Euro. Insgesamt kostet die Uniper-Übernahme den deutschen Steuerzahler rund 29 Milliarden Euro.

Zuletzt war Uniper durch die Lieferkürzungen Russlands stark unter Druck geraten. Der Konzern musste Gas teuer am Spotmarkt einkaufen, um seine Lieferverpflichtungen zu erfüllen. Laut Reuters bezifferte der Konzern die täglichen Verluste auf zeitweise über 100 Millionen Euro. Jetzt übernimmt der Staat, um das Unternehmen vor der Pleite zu bewahren. Doch was bringt der gelähmte Energieversorger noch mit außer den momentan tiefroten Zahlen?

Uniper betreibt unter anderem Wasser-, Gas-, Atom- und Kohlekraftwerke in Deutschland, Großbritannien, Schweden, den Niederladen und Ungarn. In Russland handelt Uniper weltweit mit Energierohstoffen, wie Kohle, Öl und Gas.

Geplanter Ausbau der Erneuerbaren Energien - und zahlreiche Kraftwerke in Schweden

Noch im jüngsten Halbjahresbericht betonte das Unternehmen, dass es verstärkt in Erneuerbare Energien investieren möchte. Ein Kernpunkt der Strategie: Der Betrieb von Wasser- und Kernkraftwerken. In Deutschland gehören zu dem Konzern laut eigenen Angaben mehr als 100 Wasserkraftwerke. Laut Unternehmenswebsite sind diese in den Flussgruppen Donau, Isar, Lech und Main organisiert.

In Schweden gehören zu Uniper insgesamt 76 Wasserkraftanlagen sowie zwei Atomkraftwerke und ein Gaskraftwerk. Das Geschäft in Schweden beeinflusst auch die geschlossene Vereinbarung mit Fortum: Sollte Uniper das gesamte oder Teile des schwedischen Wasserkraft- oder Kernenergiegeschäfts verkaufen wollen, hat Fortum das Recht, ein erstes Angebot abzugeben.

Uniper ist außerdem involviert in den Bau von Deutschlands ersten Flüssigerdgas-Terminal in Wilhelmshaven. Zusätzlich dazu hält das Unternehmen laut eigenen Angaben Beteiligungen an Gastransportleitungen. Der Konzern betreibt außerdem Gasspeicher in Deutschland, Österreich und England. Laut Uniper betrug die Gasspeicherkapazität im ersten Halbjahr 2022 rund 7,3 Milliarden Kubikmeter.

Kein Herankommen an das Geld in Russland

Unipers Russland-Geschäft ist profitabel, doch es gibt ein Problem: Uniper ertrinkt in Schulden, kommt aber gleichzeitig nicht an das Geld in Russland heran. Das russische Stromerzeugungsgeschäft von Uniper ist bei Unipro angesiedelt, eine in Russland notierte Tochtergesellschaft von Uniper. Laut Unternehmenswebsite gehören zum russischen Geschäft drei Gas- und zwei Kohlekraftwerke. Schaut man sich die aktuelle Halbjahresbilanz von Uniper an, so fällt auf: Das russische Geschäft lieferte mit 193 Millionen Euro die einzigen Pluszahlen in der Bilanz. Da die von der EU gegen Russland verhängten Sanktionen auch den Zahlungsverkehr betreffen, kommt der Konzern an das Geld momentan nicht heran. Außerdem befürchtet Uniper, dass die russische Regierung Sanktionen oder Gesetzesänderungen erlassen könnte, die "im schlimmsten Fall (…) zu einer Enteignung oder einem Verlust der Beherrschung" über Unipro führen könnte. Düstere Aussichten.

Keine Boni mehr für Vorstandsmitglieder

Die Staatshilfe ermöglicht es dem Unternehmen nun, eine existenzgefährdende Krise zu überstehen. Darüber mag sich der Vorstand von Uniper zwar freuen, weil eine Pleite abgewendet wird. Persönlich müssen die Vorstandsmitglieder im Zuge der Verstaatlichung aber auch erhebliche Zugeständnisse bei ihren Einkünften machen.

Die Beschränkungen der Vorstandsvergütung, die mit dem Staatseinstieg verbunden sind, wurden bereits im Juli festgelegt, als Uniper erstmals Milliardenhilfe vom Bund erhielt. Die Regelung, die auch nach der 99-Prozent-Übernahme durch den Staat gilt, lässt sich kurz zusammenfassen: Die Vorstandsmitglieder von Uniper bekommen künftig keine Boni mehr, weder kurzfristige noch langfristige.

Boni machten bisher großen Teil der Vorstandsvergütung aus

Wie empfindlich diese Regelung Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach und seine Vorstandskollegen trifft, zeigt ein Blick in den jüngsten Vergütungsbericht des Unternehmens. Demnach war die Vorstandsvergütung bei Uniper bislang grundsätzlich am langfristigen Erfolg des Unternehmens ausgerichtet, was dazu führte, dass Boni einen größeren Anteil an der Vorstandsvergütung hatten als das feste Grundgehalt der Vorstände, und dass innerhalb der Boni wiederum die langfristigen Erfolgszahlungen einen größeren Anteil hatten als die kurzfristigen.

Dem Uniper-CEO Klaus-Dieter Maubach beispielsweise wurden laut Vergütungsbericht für 2021 insgesamt rund zwei Millionen Euro an Jahresvergütung überwiesen. 951.000 Euro davon entfielen auf Maubachs Grundgehalt nebst Nebenleistungen. Rund 1,05 Millionen Euro erhielt der CEO zudem als Jahresbonus. Darüber hinaus stehen Maubach laut Vergütungsbericht weitere 2,05 Millionen Euro an langfristigen Bonuszahlungen für die Jahre 2021 bis 2023 in Aussicht.

Parallelen zur Teilverstaatlichung der Commerzbank 2009

Auf diese Millionenbeträge muss Vorstandschef Maubach künftig wohl verzichten. Dabei erinnert die Beschränkung der Vorstandsvergütung, die im Zuge des Staatseinstiegs bei Uniper festgelegt wurde, an das, was beim Einstieg des Bundes bei der Commerzbank während der Finanzkrise vereinbart wurde. Damals wurden die Vorstandsgehälter bei der Bank bei 500.000 Euro pro Person und Jahr gedeckelt.

Es liegt auf der Hand, dass solche Beschränkungen den Erfolg eines Unternehmens belasten können. Denn im Kampf um gute Leute an der Spitze fehlt Uniper womöglich künftig ein wichtiges Argument. Bei der Commerzbank jedenfalls hielt der Deckel nicht lange. Schon 2012, rund drei Jahre nach dem Rettungsakt durch den Staat, wurde er wieder gelüftet. Obwohl der Staat weiterhin an der Commerzbank beteiligt blieb, konnte sich der damalige Commerzbank-Chef Martin Blessing wieder über ein Millionengehalt freuen.

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