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Stromkosten: Sieben Tipps, die Firmen jetzt helfen

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Steigende EEG-Umlage Warum es keinen neuen Strompreis-Schock geben wird

Die Gleichung scheint so einfach: Höhere EEG-Umlage, höhere Strompreise. Doch sie geht offenbar nicht mehr auf. Trotz steigender Kosten für Ökostrom-Förderung verlangen Versorger zum Jahreswechsel nur geringe Aufschläge. Einige wollen sogar die Preise senken.

Hamburg - Die Kunden des Oldenburger Energieversorgers EWE ahnten wohl nichts Gutes, als das Unternehmen sie jüngst über eine anstehende Strompreis-Änderung informierte. In den vergangenen Jahren kannten die Tarife meist nur eine Richtung - nach oben. Auch hatten die Netzbetreiber gerade erst angekündigt, dass die EEG-Umlage, mit der der deutsche Ökostrom gefördert wird, erneut steigen würde.

Tatsächlich hatte der Versorger jedoch Erfreuliches zu vermelden: "EWE senkt trotz des erneuten Anstiegs staatlich veranlasster Umlagen zum 1. Januar 2014 seine Strompreise um brutto 0,36 Cent je Kilowattstunde", teilte das Unternehmen mit. Ein Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden zahle fast 13 Euro weniger pro Jahr als bisher.

Weniger? Zuletzt hatten doch zahllose Experten immer wieder Rechnungen aufgemacht, um wieviel Euro die Stromrechnung für eine Familie steige. "Strom wird 2014 deutlich teurer!", mutmaßte eine Boulevardzeitung , ganz Deutschland erregte sich Mitte Oktober über eine angeblich bevorstehende neue Strompreiswelle.

Günstige Beschaffungskosten

Nicht nur in Oldenburg ist jetzt jedoch ein Effekt zu beobachten, der sich bereits seit einiger Zeit abzeichnet: Die steigende Menge an Ökostrom im Netz führt nicht nur zu steigenden Förderumlagen, sondern auch zu einem sinkenden Börsenstrompreis. Dieser erreicht die Stromkunden aber erst mit Verzögerung, weil die Versorger meist langfristige Lieferverträge abschließen.

"Die Preise für Strom an der Börse waren zu den Zeitpunkten, als EWE für das Jahr 2014 Strom eingekauft hat, niedriger als davor", begründet EWE-Vertriebsvorstand Matthias Brückmann die Preissenkung. "Wir freuen uns, diesen Einkaufsvorteil für das kommende Jahr an unsere Kunden weitergeben zu können." EWE-Chef Werner Brinker hatte die Entwicklung schon im Frühjahr angedeutet.

Der Effekt ist bundesweit zu beobachten. Zwar haben manche Stadtwerke bereits Strompreiserhöhungen angekündigt, so die Dresdener Drewag. Doch auch in Sachsen fällt die Anhebung nicht so hoch aus wie die Steigerung der Ökostromumlage.

Sie steigt 2014 um 0,96 Cent pro Kilowattstunde. Laut dem Beratungsunternehmen Energy Brainpool können Versorger ihren Strom im kommenden Jahr aber im Schnitt um etwa 0,63 Cent pro Kilowattstunde günstiger beschaffen als im Vorjahr.

Ist das Schlimmste bei der Energiewende überstanden?

Eine große Anzahl von Anbietern lässt die Preise stabil. Dazu zählen beispielsweise EnBW  in Baden-Württemberg oder Gelsenwasser  in Gelsenkirchen. Oft gibt es eine Preisgarantie bis Ende 2014.

"Eine Preiserhöhungswelle wie zum letzten Jahreswechsel wird es nicht geben", sagt Jan Lengerke, Mitglied der Geschäftsleitung beim Vergleichsportal Verivox. Anfang 2013 hatten die meisten Versorger ihre Tarife im Schnitt um mehr als 10 Prozent angehoben. Nun geht es laut Lengerke auch in die andere Richtung. "In Einzelfällen senken Versorger die Preise sogar." So wie eben in Oldenburg.

Unterm Strich werden die Strompreise im kommenden Jahr vermutlich nur sehr moderat steigen. Gemessen an den Kostenbelastungen der Anbieter, dürften die Preise laut Verivox nur um 0,7 Prozent steigen - wenn ein Anbieter seinen Strom um etwa 8 Prozent günstiger beschaffen kann, was Verivox als realistische Größe bezeichnet. Reicht ein Anbieter keine Vorteile beim Stromeinkauf weiter, sei eine Strompreiserhöhung um 3,4 Prozent plausibel. Bei kleinen Gewerbebetrieben liegt die Spanne demnach zwischen 0,55 und 3,33 Prozent.

Wer in München wohnt, hat Pech

Trotzdem sind vereinzelt auch stärkere Preissteigerungen denkbar - je nachdem, was ein Versorger seinen Kunden meint zumuten zu können. Vor allem, wer eine wenig wechselbereite Kundschaft hat oder selbst schlecht wirtschaftet, könnte die hitzige Strompreisdiskussion zu einer üppigen Erhöhung nutzen.

Ob der Strompreis nun sinkt, gleich bleibt oder steigt, hat dieses Mal auch viel mit regionalen Unterschieden zu tun. Denn mancherorts sinken die Netzentgelte. Das ist beispielsweise in Oldenburg der Fall. Anderswo wie in München (drastisch) oder Hamburg (moderat) steigen sie.

Die Gründe sind vielfältig. Mancherorts waren die Netzgebühren zuletzt zu großzügig kalkuliert, anderswo zu knapp kalkuliert. Teils arbeitet der Netzbetreiber effizienter als zuvor. "In etwa einem Viertel des Bundesgebietes könnte es daher deutliche Preissteigerungen von bis zu 10 Prozent geben", sagt Lengerke.

RWE-Manager sieht Ende der Leidenszeit erreicht

Nicht nur für Privatkunden empfiehlt es sich in diesen Wochen daher, intensiv die Preise zu vergleichen. Auch für Firmen bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, die Stromkosten stabil zu halten - oder sogar zu senken.

Ob die Strompreise für Privatkunden und Firmen generell ein Plateau erreicht haben und auch in den kommenden Jahren nicht mehr steigen werden, ist umstritten. Der Effekt, dass der niedrige Börsenstrompreis Umlagesteigerungen kompensiert, dürfte sich verstetigen, argumentiert beispielsweise das Öko-Institut. Auch kostet der Zubau weiterer Windkraft- und vor allem Solaranlagen weit weniger als noch vor wenigen Jahren.

Schon rechnet Hanns-Ferdinand Müller, Manager bei RWE , damit, dass ab 2015 der Strompreis in Deutschland nicht mehr steige, wie er der "Frankfurter Rundschau" sagte. Die große Unbekannte ist jedoch die Offshore-Windkraft: Kommt es zu einem massiven Zubau, der gemäß EEG gefördert wird, scheinen zusätzliche Kosten für die Verbraucher dann doch unausweichlich.

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