Allianz-Studie Das sind die teuersten Gefahren für Unternehmen

Die Allianz hat rund 530.000 Industrie-Schadensmeldungen ausgewertet und aufgelistet, für welche Ursachen die Versicherer am meisten bezahlen mussten. Die drei häufigsten Schadenskategorien machen weltweit etwa 45 Prozent der Gesamtschäden aus.
Teure Schäden: Insgesamt summierten sich die Industrie-Schadensmeldungen auf knapp 89 Milliarden Euro

Teure Schäden: Insgesamt summierten sich die Industrie-Schadensmeldungen auf knapp 89 Milliarden Euro

Foto: DPA/ KTRK

Ungeachtet allen technischen Fortschritts bleibt Feuer für Unternehmen die teuerste aller Gefahren. In einer Analyse von weltweit 530.000 Schadensmeldungen in der Industrieversicherung lagen Brände und Explosionen mit einem Anteil von über einem Fünftel an der Spitze, wie der Allianz-Industrieversicherer AGCS am Dienstag mitteilte. "Wir haben da die letzten Jahre eine Größenordnung von 18 Milliarden Euro", sagte der für die Schadensabwicklung zuständige Vorstand Thomas Sepp. Nicht mitgerechnet sind dabei Waldbrände.

Insgesamt summierten sich die 530.000 Industrie-Schadensmeldungen aus über 200 Ländern und Territorien auf knapp 89 Milliarden Euro, ausgewertet wurde ein fünfjähriger Zeitraum von Anfang 2017 bis Ende 2021. Die Allianz geht davon aus, dass die hohe Inflation die Schäden weiter in die Höhe treiben wird – allein, weil bei Reparaturen Material- und Personalkosten teurer werden.

An zweiter Stelle hinter Explosion und Feuer lagen Naturkatastrophen mit einem Anteil von 15 Prozent an den Gesamtschäden, gefolgt von menschlichen Fehlern mit 9 Prozent. Das beinhaltet die falsche Bedienung von Maschinen ebenso wie Baumängel oder schlechtes Produktdesign.

Feuer auch in Deutschland häufigster Schadensfall

Diese drei Schadenkategorien machen demnach weltweit 45 Prozent der Gesamtschäden aus. Auch bei den über 47.000 in Deutschland gemeldeten Industrie-Schadensfällen lag Feuer an erster Stelle, obwohl die Brandschutz-Vorschriften hierzulande strenger sind als in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern.

Nicht unter den globalen Top Ten sind Hackerattacken, deren Zahl weltweit stark zugenommen hat. Das führt wiederum dazu, dass viele Versicherungen äußerst vorsichtig sind, bevor sie ein Unternehmen gegen Cyberangriffe versichern.

Sehr viele Firmen würden sich demnach gerne gegen Hacker versichern, bekommen aber keine Police, weil sie ihre IT nicht so aufgerüstet haben, wie von den Versicherern verlangt. "Wir lehnen aktuell in Deutschland ungefähr drei Viertel aller Anfragen ab", sagte Sepp.

Ausfall der Gaslieferungen kein Versicherungsfall

Zunehmend teuer werden laut AGCS auch die durch Betriebsunterbrechung verursachten Schäden, etwa wenn ein Unternehmen wegen Feuer, Wasser oder Sturm vorübergehend stillsteht. Die AGCS nannte keine absoluten Zahlen, aber der durchschnittliche Schaden pro Fall ist demnach innerhalb der fünf Jahre von 3,1 auf 3,8 Millionen Euro gestiegen.

Falls der befürchtete Stopp der russischen Gaslieferungen im nächsten Winter dazu führen sollte, dass Fabriken und Betriebe stillstehen, wäre das nach Worten des Allianz-Managers in aller Regel aber kein Versicherungsfall: "Das Fernbleiben von Rohstoffen oder Energie – oder Verspätung davon – ist kein versicherbares Ereignis unter einer normalen Betriebsunterbrechung", sagte Sepp.

Üblicherweise werden in der Branche mit Unternehmens-Großkunden Konsortialverträge abgeschlossen, so dass sich mehrere Versicherer Risiko und Einnahmen teilen. Deswegen stand der AGCS der große Datenpool mit Schadenmeldungen aus aller Welt zur Verfügung.

sio/dpa
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