Freitag, 20. September 2019

Streit um Gaspreis RWE und Gazprom rufen Schiedsgericht an

Schlichtung naht: Einvernehmlich konnten RWE und Gazprom sich nicht einigen

Der Streit zwischen RWE und Gazprom um Gaspreise in langfristigen Lieferverträgen steht vor dem Ende. Zwar gab es keine gütliche Einigung, doch bald soll ein Schiedsgericht schlichten. Nach Eons Vorbild könnte der deutsche Energiekonzern erheblich sparen.

Düsseldorf/Moskau - Der hochverschuldete Energiekonzern RWE kann auf eine erhebliche Geldspritze aus dem Gaspreisstreit mit Gazprom hoffen. Zwar habe es in den Verhandlungen keine gütliche Einigung mit den Russen gegeben, sagte am Freitag eine mit den Gesprächen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Nun entscheide aber ein Schiedsgericht.

Ein Gazprom-Sprecher erklärte, dass das Gericht in Wien bereits in wenigen Tagen ein Urteil veröffentlichen könnte. RWE Börsen-Chart zeigen lehnte eine Stellungnahme ab. Zuvor hatte das "Handelsblatt" über das Scheitern der Gespräche berichtet.

Der Konzern hatte erklärt, mit einer "substanziellen Summe" zu rechnen. Analysten gehen von einem dreistelligen Millionenbetrag aus. RWE-Chef Peter Terium hatte eine Lösung des Streits in der ersten Jahreshälfte in Aussicht gestellt. Der Konzern hatte auf Kompensationszahlungen rückwirkend zum Frühjahr 2010 gepocht.

Der Essener Versorger muss nach eigenen Angaben in den langfristig vereinbarten Verträgen an Gazprom Börsen-Chart zeigen mehr für seinen Gasbezug bezahlen, als er von seinen eigenen Kunden erhält. Wegen des Überangebots von Gas in Europa sind die Spotmarktpreise in den vergangenen Jahren deutlich gefallen. RWE dringt aber nicht nur auf eine Kompensationszahlung für vergangene Lieferungen aus Russland, sondern auch auf eine Änderung der Verträge, um auch künftig nicht zu viel zu berappen.

Eigentlich hatten sich beide Seiten in den schon länger laufenden Verhandlungen untereinander einigen wollen. RWE hatte aber stets erklärt, notfalls das Schiedsgericht in Wien entscheiden zu lassen. "Es hat keine gütliche Einigung gegeben", sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person nun. Die Entscheidung des Gerichts könne in wenigen Tagen oder aber in zwei oder drei Wochen vorliegen, erklärte Gazprom. Das Gericht wollte sich dazu nicht äußern.

Eon hat eine Milliarde Euro aus Einigung mit Gazprom verbucht

Die hohen Bezugspreise haben RWE und auch den Konkurrenten Eon Börsen-Chart zeigen in den vergangenen Jahren erheblich belastet. Eon hatte im vergangenen Jahr eine Einigung mit Gazprom erzielt. Vorstandschef Johannes Teyssen hatte erklärt, der Konzern verbuche dadurch einen positiven Ergebniseffekt von rund einer Milliarde Euro.

Eon ist im Gasgeschäft allerdings größer aufgestellt als RWE. Marktexperten gehen daher bei RWE nicht von einem Milliardenbetrag aus. Das Unternehmen könne mit Kompensationszahlungen in Höhe von 300 Millionen Euro rechnen, sagte Analyst John Musk von der Großbank RBC.

RWE könnte die Geldspritze auf jeden Fall gut gebrauchen. Der Versorger kämpft mit den Folgen der Atomwende. Zudem drücken ihn Schulden in Höhe von mehr als 33 Milliarden Euro. Die RWE-Aktie legte am Freitag zeitweise als einer der stärksten Werte im Dax Börsen-Chart zeigen um 0,8 Prozent zu.

Die Höhe der Kompensationszahlungen könnte auch Auswirkungen auf die Geschäftsprognose des Versorgers haben. Die bisherigen Annahmen stehen zwar unter dem Vorbehalt, dass es zu einer Einigung mit Gazprom noch in diesem Jahr kommt. Die Höhe hat RWE aber nicht beziffert. Bislang rechnet der Energieriese 2013 mit einem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von neun Milliarden Euro. 2012 hatte der Konzern 9,3 Milliarden Euro eingefahren.

ak/rtr

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