Donnerstag, 19. September 2019

Milliardendeal Eon sucht sich Gaslieferanten neben Gazprom

Ehemalige Eon-Gastochter Ruhrgas: Eon sucht sich neue Gaslieferanten

Eon verhandelt schon lange mit Gazprom über Preisnachlässe im Gasgeschäft. Jetzt hat Eon parallel einen mächtigen zusätzlichen Liefervertrag über Flüssiggas aus Kanada abgeschlossen. Ein Milliardendeal mit Pieridae Energy, der dem traditionellen Eon-Gaslieferanten Gazprom nicht passen dürfte.

Düsseldorf - Der Düsseldorfer Energieriese Eon hat sich einen neuen Gaslieferanten gesichert. Von 2020 an bezieht der Konzern rund 6,5 Milliarden Kubikmeter verflüssigtes Gas (LNG) pro Jahr von dem kanadischen Unternehmen Pieridae Energy, bestätigte ein Eon-Sprecher eine entsprechende Mitteilung der Kanadier. Die Menge entspreche gut 7 Prozent des jährlichen Gasverbrauchs in Deutschland. Der Eon-Sprecher nannte den Vertrag mit einem geschätzten Volumen von mehreren Milliarden Euro pro Jahr einen "Meilenstein in der Diversifizierung" des Unternehmens.

Der Großabschluss soll Eon weniger abhängig von Gasimporten unter anderem aus Russland machen; mit dem russischen Unternehmen Gazprom pflegt Eon jahrzehntelange Lieferbeziehungen. Doch der deutsche Konzern verhandelt seit Jahren auch mit den Russen über deren langlaufende Lieferverträge mit Preisfestlegungen, die sich in den vergangenen Jahren für Eon besonders ungünstig entwickelt hatten. Zum Teil hat Eon deshalb bereits deutliche Preisnachlässe von Gazprom erreicht. "Wir versuchen aber weiter, die Preise von Gazprom näher an die Spotmarktpreise heranzuführen", sagte der Eon-Sprecher heute - ein Hinweis, der dem traditionellen Eon-Partner Gazprom aus Russland nicht unbedingt gefallen muss.

Wenn Gazprom-Chef Alexej Miller an diesem Donnerstag in Leipzig mit Vertretern der Verbundnetz Gas AG auch an 40 Jahre Liefertreue erinnern wird, warnt er seine Kunden - wie eben Eon Börsen-Chart zeigen - sicher auch davor, die alten Lieferverträge aufzugeben. Und beispielsweise stattdessen vor allem an Spotmärkten einzukaufen. "Die langfristigen Verträge sind das Fundament des Gasgeschäfts", sagt Gazprom-Vize Medwedew.

Er befürchtet, dass sich Milliardeninvestitionen in neue Leitungen wie die Ostseepipeline Nord Stream wegen mangelnder Auslastung am Ende erst viel später rechnen könnten als erwartet. Vor allem nach dem deutschen Atomausstieg hatten die Russen auf noch deutlich mehr Absatz von Gas gehofft.

Einen direkten Zusammenhang zwischen dem Kanada-Geschäft und den Verhandlungen mit dem russischen Staatsunternehmen gebe es aber nicht, betonte Eon heute. Eon wolle sich schlicht in der Beschaffung breiter aufstellen. Allerdings lösen sich die Düsseldorfer zusehends von Gazprom Börsen-Chart zeigen. So hat der größte hiesige Energieversorger erst vor etwa einem halben Jahr einen Gasliefervertrag mit dem Gazprom-Konkurrenten Novatek geschlossen, der russischen Nummer zwei - und zahlt dafür 17,6 Milliarden Euro.

Offenbar hat Eon mit seinem neuen Gaspartner aus Kanada bereits fixiert, wie das flüssige Gas nach Deutschland über den Atlantik kommen soll: Das kanadische Gas soll über einen neuen Terminal an der kanadischen Ostküste geliefert werden; der Terminal muss noch gebaut werden. Er soll ab 2020 zur Verfügung stehen. Für die Entladung kämen mehrere Häfen in Europa infrage, darunter Rotterdam, sagte der Eon-Sprecher. Das Gas werde in ganz Europa angeboten. Möglicherweise würden die Schiffe auch je nach Bestimmungsort an verschiedenen Häfen entladen und das Gas ins Netz eingespeist. In Deutschland selbst verfüge Eon bisher über keinen LNG-Terminal.

kst/dpa-afx

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