Samstag, 25. Mai 2019

Energiewende "Der Strompreis steigt um 2 Prozent - pro Jahr"

Neue Strommasten: Von den im Energieleitungsausbaugesetz priorisierten 1800 Kilometer Hochspannungstrassen wurden erst 268 Kilometer realisiert.

2. Teil: "Gesamtmarktdesign für die Energiewende erforderlich"

mm: Was muss als nächstes politisch angepackt werden?

Henzelmann: Generell gilt: Je dezentraler die Energie erzeugt wird, desto weniger werden die Hochspannungsnetze in Anspruch genommen. Hohe Investitionen in dezentrale Netze und Erzeugung führen also dazu, dass die überörtlichen immer weniger ausgelastet sind. Die entstehenden Kosten werden so auf eine immer geringere Menge umgelegt. Gleichzeitig erfordern aber Offshore-Windparks den Ausbau von Übertragungsnetzen, weil hier eine neue zentrale Form der Energieerzeugung entsteht. Das sind gegenläufige Phänomene. Deswegen ist es notwendig, die Netzpolitik zu synchronisieren, von den Kommunen über die Länder bis hin zum Bund. Sonst funktioniert das nicht. Wir brauchen ein Gesamtmarktdesign für die Energiewende.

mm: Immer mehr Kommunen kaufen ihre Stromnetze zurück. Übernehmen die sich?

Henzelmann: Volkswirtschaftlich ist das schädlich, weil so Größenvorteile verloren gehen. Die Kommunen können Kauf und Betrieb der Netzes oft nur über Kooperationen stemmen. Damit steigt die Komplexität der politischen Steuerung weiter an. Aber Kommunen haben das Recht, sich ein Netz zu kaufen, wenn für sie die Netzeigenständigkeit ein wichtiger Aspekt ist. Außerdem verfügen viele Kommunen über gute Finanzierungskonditionen. Über Kommunalkredite können sie sich deutlich günstiger refinanzieren als etwa ein privater Energieversorger, der andere Anforderungen an die Verzinsung seines Eigenkapitals hat. Da sind die Kommunen eindeutig im Vorteil.

mm: Was passiert, wenn der Netzengpass nicht schnell genug beseitigt wird? Wie groß ist die Gefahr eines Blackouts?

Henzelmann: Schon jetzt nehmen die systembedingten Stromausfälle zu, und die Netzbetreiber müssen verstärkt eingreifen. Aber nicht nur, weil das Netz überlastet ist, sondern auch, weil konventionelle Kraftwerke öfter ausfallen. In München zum Beispiel blieben Ende 2012 Hunderttausende ohne Strom, weil die Umspannanlage eines Heizkraftwerks explodiert war. In erster Linie sind Industriebetriebe von Blackouts betroffen. Sie können ihre Produktion nicht mehr nachholen beziehungsweise müssen aufwändige Reservesysteme bereithalten. Das führt zu hohen Schäden. In Privathaushalten halten sich die Schäden, die durch einen Blackout entstehen, eher in Grenzen.

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