Dienstag, 25. Juni 2019

Manipulationsverdacht EU-Kommission startet Razzien bei Ölriesen

Statfjord-Ölplattform vor der norwegischen Küste: Razzia bei Ölkonzernen wie Norwegens Statoil

Es klingt wie die Manipulation des Bankenzinses Libor: Die EU argwöhnt, dass Ölriesen an der unabhängigen Feststellung von Preisen für Ölprodukte gedreht haben. Auf diesen Preisen aber basiert ein Milliardenhandel mit Ölprodukten. Jetzt hat die EU Razzien bei Shell, BP und Statoil gestartet.

Brüssel - Die EU-Kommission hat am Dienstag mehrere Ölkonzerne wegen des Verdachts auf Preismanipulationen durchsuchen lassen. Ermittler der Brüsseler Behörde hätten Unternehmen in zwei Mitgliedstaaten sowie in einem weiteren europäischen Land ins Visier genommen, teilte die Kommission am Dienstag mit. Zu den durchsuchten Konzernen zählten die nierderländisch-britische Shell Börsen-Chart zeigen, Großbritanniens BP und Norwegens Statoil.

Die Firmen sind demnach im Geschäft mit Rohöl, Biokraftstoffen sowie Ölprodukten tätig. Die Unternehmen könnten der EU zufolge zusammengearbeitet haben, um die Preise bei dem Energieinformationsdienst Platts zu verzerren, der diese Angaben veröffentlicht.

Die betroffenen Unternehmen und Platts kündigten an, mit der Kommission zusammenarbeiten zu wollen. Preisagenturen wie Platts stellen aufgrund von Angaben der Rohstoffhändler den aktuellen Preis für Ölprodukte fest. Diese Preise bieten wiederum die Grundlage für milliardenschwere Geschäftsabschlüsse im Handel mit den Ölprodukten. Platts gehört zu dem US-Finanzkonzern McGraw-Hill.

Zudem könnten die Unternehmen andere Firmen davon abgehalten haben, sich an der Preisfeststellung zu beteiligen, befürchtet die Kommission. Selbst kleine Abweichungen dabei könnten sehr große Auswirkungen auf die Ölpreise haben und so den Verbrauchern Schaden zufügen.

Der französische Ölgigant Total gab bekannt, dass es in seinen Gebäuden keine Durchsuchungen gegeben habe. Statoil teilte mit, dass sich die Behörde die Preise seit 2002 ansehe.

Die Durchsuchungen bedeuten der EU zufolge allerdings nicht, dass die Unternehmen tatsächlich die Preise manipuliert hätten. Seit Aufdeckung des Libor-Skandals sehen Finanzaufseher und Wettbewerbshüter bei Referenzpreisen genauer hin. Dabei sollen Händler von mehr als einem Dutzend Banken vor und während der Finanzkrise durch falsche Meldungen die Zinsen zu ihren Gunsten verzerrt und dadurch Handelsgewinne eingestrichen haben.

kst/rtr

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