Freitag, 24. Mai 2019

Energiewende Eons Schmerzen wollen nicht schwinden

Verkaufen, umsteuern, schrumpfen: Eon-Chef Teyssen muss mit der deutschen Energiewende klarkommen

Niedrige Strompreise an der Börse und schwache Laufzeiten der Kraftwerke setzen Eon weiter zu. Der Konzerngewinn ging im ersten Quartal immerhin etwas langsamer zurück als befürchtet.

Düsseldorf - Deutschlands größter Energiekonzern Eon hat zu Jahresbeginn spürbar weniger Geld verdient. Der starke Rückgang des Stromhandelspreises in Deutschland werde das Unternehmen auch in den kommenden Jahren weiter belasten, sagte Finanzvorstand Marcus Schenck am Mittwoch bei der Präsentation des Quartalsergebnisses. Eon setze aber große Hoffnungen in die neuen Beteiligungen in der Türkei mit dem Joint Venture Partner Sabanci und in Brasilien. In beiden Region lägen die Investitionen bei je gut einer Milliarde Euro. Dies seien boomende Regionen und künftige Wachstumsmärkte, sagte Schenck.

Im ersten Quartal verzeichnete Eon einen bei knapp 36 Milliarden Euro stagnierenden Umsatz. Der für die Dividendenberechnung entscheidende nachhaltige Konzernüberschuss - aus dem Bewertungseffekte herausgerechnet werden - sank im Vorjahresvergleich um 16 Prozent von 1,7 auf 1,4 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag mit rund 3,6 Milliarden Euro rund 5 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Das Ergebnis war aber dennoch etwas besser als von Analysten erwartet. Dazu trugen ein wegen des harten Winters gestiegener Gasabsatz ebenso wie erste Effekte des harten Sparkurses bei. Der Umsatz blieb mit knapp 36 Milliarden Euro stabil. An der Börse notierten die Aktien am Nachmittag praktisch unverändert, während der Dax leicht zulegte.

Die Verschuldung ging seit dem Jahresbeginn durch Unternehmensverkäufe zwar um mehr als vier Milliarden Euro auf 31,6 Milliarden Euro zurück. Diesen Wert werde Eon voraussichtlich aber nicht halten können. Er rechne damit, dass der Schuldenstand zum Jahresende wieder auf der Höhe oder knapp unter dem vorherigen Stand von 36 Milliarden Euro liegen werde, sagt Schenck.

Großaktionär verabschiedet sich

Dem staatlichen norwegischen Energiekonzern Statkraft wird die Lage bei Eon derweil zu ungemütlich - die Skandinavier teilten am Mittwoch mit, dass sie sämtliche Eon-Anteile verkauft haben.

Eon bestätigte seine Ankündigung, im Gesamtjahr einen nachhaltigen Konzernüberschuss zwischen 2,2 und 2,6 Milliarden Euro zu erreichen. Das sind bis zu 2 Milliarden weniger als 2012. Eon verdient mit seinen Gaskraftwerken kein Geld mehr, weil das große Angebot an Ökostrom die Margen hat schmelzen lassen. Hinzu kommt die lahmende Konjunktur. Besserung ist für den Stromriesen im Europageschäft derzeit nicht in Sicht.

Dass der norwegische Energieversorger Statkraft wie am Mittwoch angekündigt alle seine Eon-Anteile verkauft hat, sei "ganz bestimmt kein Misstrauensvotum", betonte Schenck. Ein Staatskonzern müsse mit seinen Mitteln sparsam umgehen und auch einmal Geld für Investitionen freimachen. Die Norweger kassierten nach eigenen Angaben durch den Verkauf 8,5 Milliarden Kronen (1,1 Milliarden Euro). Das Unternehmen hatte zu Jahresbeginn 2009 knapp 4,2 Prozent der Eon-Anteile übernommen und dafür seine 44,6-prozentige Beteiligung an der schwedischen Eon-Tochter abgegeben. Die gut 83 Millionen Aktien hatten damals einen Wert von 2,2 Milliarden Euro. Wegen der Energiewende ist der Eon-Kurs seitdem massiv eingebrochen - ein miserables Geschäft für Statkraft.

nis/dpa/rtr

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