Dienstag, 28. Januar 2020

Eike Batista X-Man kämpft gegen die Kernschmelze

Lange ging es für den brasilianisch-deutschen Unternehmer Eike Batista und seine X-Firmen steil bergauf. Genauso rasant ist nun sein Absturz. Retten soll den Tausendsassa, der einst dem Klüngel der brasilianischen Staatswirtschaft den Kampf ansagte, nun ausgerechnet Brasiliens staatlicher Energieriese.

Sao Paulo - "A hora da entrega" - "Es ist Zeit Mal was abzuliefern", titelte das Wirtschaftsmagazin "Época Negócios" im März 2012. Nach fünf Jahren des Geldeinsammelns für seine futuristischen Megaprojekte sei die Geduld der Investoren am Ende, man wolle endlich Resultate statt "Power-Point-Vorführungen", unkte "Época". Eike, wie man ihn in Brasilien schlicht nennt, war "not amused". Bis dahin galt der Mann mit den blühenden Zukunftsvisionen als unantastbar, und sein Privatvermögen von 30 Milliardenn US-Dollar schien dem damals 7. reichsten Mann der Welt Recht zu geben.

Als Eikes Ölfirma OGX Ende Juni 2012 überraschend schwache Fördermengen bekannt gab, begann die Talfahrt, die im Dominoeffekt auch die anderen X-Unternehmen mitriss. Seitdem reißen die Hiobsbotschaften aus den fünf großen X-Firmen nicht mehr ab, die statt der sehnsüchtig erwarteten Erfolgsmeldungen immer größere Verluste in Milliardenhöhe, geplatzte Deals und verzögerte oder gar abgebrochene Projekte bekannt geben mussten.

Hatte "Época" im März 2012 noch konstatiert, dass niemand Eike offen kritisieren mag, äußerten Wirtschaftsexperten plötzlich laut Zweifel an den Businessplänen des vermeintlichen Magiers. Brasiliens bis dahin heilige Kuh wurde scheibchenenweise geschlachtet. Und das goldene Kalb gleich mit. 27 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren die fünf großen X-Unternehmen alleine in 2012.

"Die entscheidende Frage ist nicht, wieso die Aktien jetzt so abstürzen, sondern wieso sie überhaupt so hoch steigen konnten," meint der Wirtschaftsjournalist Demetrio Magnoli. "Zwar waren Eikes Pläne stets plausibel, aber das bedeutet nicht, dass sie sich automatisch in gut funktionierende Geschäfte verwandeln." Die Kurse basierten vielmehr auf einer verlockenden Finanzmagie und der Einschätzung, dass Eike die Regierung mit ihren öffentlichen Banken im Rücken hat, so Magnoli.

Rund 20 Milliarden Dollar Firmenwert im Jahr 2012 versenkt

Mit bis zu zehn Milliarden Reais sollen die X-Unternehmen derzeit beim Staat in der Kreide stehen. Er wolle den Schuldenstand der Unternehmen nicht kommentieren, sagte zuletzt der Präsident der staatlichen Entwicklungsbank BNDES, Luciano Coutinho. "Die Sensibilität des Marktes ist (derzeit) zu groß."

Die Kursentwicklungen bestätigen Coutinho. Der Bergwerkskonzern MMX Börsen-Chart zeigen verlor zwischen April 2012 und April 2013 gut 80 Prozent seines Börsenwertes, der Logistikarm LLX Börsen-Chart zeigen 42 Prozent, die Energiefirma MPX, an der die deutsche Eon Börsen-Chart zeigen seit Kurzem einen 36 Prozent Anteil hällt, verlor 30 Prozent, der Ölplattformenbauer OSX Börsen-Chart zeigen gar 80 Prozent. Unter dem reinen Buchwert liegt derzeit der Börsenwert des einstigen Flaggschiffs OGX, das im Vergleich zum Vorjahr gar 90 Prozent verlor. Dabei braucht OGX dringend Geld, um an den anstehenden Versteigerungen neuer Off-Shore-Bohrlizenzen teilzunehmen. Auch die anderen X-Firmen brauchen weitere Investitionen, um endlich die operative Phase zu erreichen, in der Cashflow erwartet werden darf.

Sollten die Investoren jedoch weiterhin die X-Firmen meiden, müsste Eike die "präoperativen" Projektphasen selber finanzieren. Doch als Hauptaktionär seiner Firmen verlor er 2012 gut 20 Milliarden Dollar, zwei Drittel seines Privatvermögens. "Verlierer des Jahres" nannte ihn das Wirtschaftsblatt Forbes, in deren Milliardärs-Ranking er auf den 100. Platz absackte. Das schmerzt, hatte er doch stets erklärt, den Mexikaner Carlos Slim, seit Jahren die Nummer eins, spätestens 2015 "entweder rechts oder links zu überholen".

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