Dienstag, 17. September 2019

Energieversorger RWE stimmt Aktionäre auf Durststrecke ein

RWE-Zentrale in Essen: Der Energieversorger streicht seine Investitionen zusammen - und rechnet weiter mit sinkenden Gewinnen

Klare Worte bei der Hauptversammlung: Wegen des Atomausstiegs rechnet RWE-Chef Terium weiter mit sinkenden Gewinnen. Die Investitionen fährt der Energieversorger runter, die Kohlekraftwerke hoch. Aktionäre befürworten den Kurs, Umweltschützer weniger.

Essen - Die bittere Wahrheit kleidet RWE-Chef Peter Terium in etwas umständliche Worte: "Nach 2013 wird es kaum möglich sein, das Ergebnisniveau zu halten", warnte er heute auf der Hauptversammlung des Energieversorgers in Essen.

Im Klartext: Auch zwei Jahre nach der Atomwende kämpft der Energiekonzern mit den Folgen der Energiewende. RWE Börsen-Chart zeigen brechen weiterhin die Gewinne weg, Besserung ist kaum in Sicht. Im Kraftwerksgeschäft macht dem Versorger die Verdrängung durch den in Deutschland vorrangig einspeisten Ökostrom immer mehr zu schaffen. Dabei kann der Energieriese stärker als die Konkurrenz auf Kohlekraftwerke zurückgreifen - was er auch tut. Diese sind zwar klimaschädlich, erzeugen aber vergleichsweise günstig Strom. Auch die Konkurrenz hat das entdeckt. Zusammen fluten sie Europa mit Kohlestrom

Kein Wunder also, dass der Kohlekurs von RWE auf dem Aktionärstreffen für Proteste von Umweltschützern sorgte. Terium kündigte an, die Investitionen zurückzufahren und den Verkauf von Beteiligungen wie der voranzutreiben.

"Wir können nicht auf Dauer mehr Geld ausgeben als wir einnehmen", betonte der Niederländer vor mehreren tausend Aktionäre in der Essener Grugahalle. "Nach 16 Milliarden Euro in den vergangenen drei Jahren werden wir in diesem und in den nächsten beiden Jahren insgesamt rund 13 Milliarden Euro investieren." Der Manager bekräftigte die Prognose, wonach RWE 2013 einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von neun Milliarden Euro anpeilt. 2012 waren es 9,3 Milliarden Euro.

Aktionärsschützer fordern Stopp des Werteverfalls...

Dass RWE in diesem Jahr anders als Konkurrent Eon noch nicht mit einem massiven Gewinneinbruch rechnet, liegt an einem erwarteten Sondereffekt: Bis Mitte des Jahres will der Konzern seinen Streit über Lieferverträge mit dem russischen Gasriesen Gazprom klären. RWE geht davon aus, dass dabei am Ende Preissenkungen für die Essener herausspringen. Das dürfte dem Ergebnis helfen.

Kritisch äußerte sich Terium zur Energiewende und ihr Management durch die Bundesregierung. Der Umstieg auf die erneuerbaren Energien drohe bundesweit kostenmäßig aus dem Ruder zu laufen. Viele konventionelle RWE-Kraftwerke seien unter anderem durch den Strompreisverfall an der Börse in den roten Zahlen. Derzeit würden nach aktuellen Schätzungen in Deutschland jährlich mehr als 16 Milliarden Euro Subventionen für erneuerbare Energien auf die Verbraucher umgelegt, sagte Terium.

Terium hatte im vergangenen Jahr die Nachfolge von Jürgen Großmann an der Konzernspitze angetreten. Sein trüber Ausblick auf die Zeit nach 2013 war zwar nicht neu, trotzdem drückte sie im Markt auf die Stimmung: Der Aktienkurs fiel zeitweise um 2,7 Prozent auf den niedrigsten Stand seit einem Monat. Ein Händler nannte den Ausblick "sehr sehr mau".

Bei den Aktionären in der Halle traf Terium hingegen auf Zustimmung. "Wir müssen den Gürtel enger schnallen, aber wir folgen Ihnen", sagte der Aktionärsschützer Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz."Es war sehr glaubwürdig, was Sie heute abgeliefert haben". Die fetten Jahre seien offenbar vorbei - und es sei gut, dass RWE nicht mehr so "großspurig" auftrete. "Stoppen Sie den Wertverfall."

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