Montag, 22. April 2019

Öl- und Gaskonzern Dea freut sich auf den Auszug von RWE

RWE-Dea-Chef Thomas Rappuhn: "Das schafft nicht jeder Ölmajor"

25 Jahre zählte der Öl- und Gasförderer Dea zu RWE, jetzt will der Energiekonzern die Tochter loswerden. Die präsentiert sich in bester Verfassung - und hofft auf eine größere Rolle unter einem neuen Eigner. Nicht nur die BASF-Tochter Wintershall wird als Kandidat genannt.

Hamburg - Auf die Frage, die alle am meisten interessiert, mag Thomas Rappuhn an diesem Mittwoch nicht antworten. Der vor einem Monat angekündigte Verkauf seines Unternehmens sei Sache des Mutterkonzerns RWE in Essen, erklärt der Sprecher des RWE-Dea-Chefs gleich zu Beginn seiner Jahrespressekonferenz. Daher könne und wolle er den Stand des Verkaufsprozesses nicht kommentieren.

Auf den Fluren der Konzernverwaltung ist zu hören, dass die rund 650 Beschäftigten hier auch erst seit einem Monat von den Verkaufsabsichten der RWE Börsen-Chart zeigen wissen - aber eher gespannt als besorgt sind, wie es weitergeht. Dabei sind rund um den 70er-Jahre-Bau in Hamburgs City Nord über die Jahre schon mehrere Unternehmen der Branche abgezogen; von dem einstigen deutschen Zentrum der Ölindustrie blieben verwitterte Waschbetonkolosse. Dea selbst hat bereits vor einem Jahrzehnt an Bedeutung eingebüßt, als RWE die dazugehörige Tankstellenkette an Shell Börsen-Chart zeigen abstieß.

Da könnte die Entscheidung der Essener, mit der Beteiligung nach 25 Jahren Kasse zu machen, schon als Zeichen des weiteren Niedergangs gedeutet werden. Doch auch Rappuhn und seine Vorstandskollegen strahlen trotzige Gelassenheit aus. "Der RWE-Konzern verspricht sich eine Entlastung auf der Kostenseite", erklärt Rappuhn, "ein Käufer hätte das Interesse, weiter zu investieren".

Investitionsfreudiger Käufer gesucht - für Geschäft mit satten Margen

Denn insgesamt erlebe die Öl- und Gasförderindustrie "eine Investitionswelle wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr". Da gelte es, "am Ball zu bleiben - auf politischer Ebene, aber auch im Management". Dafür, so wird es hier zwar nicht ausgesprochen, lässt sich aber doch durchblicken, ist RWE nicht mehr der ideale Partner.

Der Mutterkonzern ist zu sehr damit beschäftigt, seine Schuldenlast zu senken und seinen eigenen Weg im Stromgeschäft neu zu finden. Vier bis fünf Milliarden Euro hoffen die Essener dem Vernehmen nach mit Dea zu erlösen. Das wäre einer der größten Unternehmensdeals der jüngeren Vergangenheit in Deutschland.

Rappuhn liefert nun eifrig Argumente, um dieses Ziel näherzubringen. "RWE Dea ist ein kerngesundes und starkes Unternehmen", betont er. Tatsächlich verbuchte die Firma für 2012 einen Reingewinn von 525 Millionen Euro, was einem Viertel des Außenumsatzes entspricht. Die Ebitda-Marge beträgt satte 50 Prozent. Das Betriebsergebnis ist das höchste, seit Dea nur noch produziert und keine Tankstellen mehr betreibt.

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