Donnerstag, 14. November 2019

Teure Offshore-Anbindung Netzbetreiber Tennet erwägt Börsengang

Hochspannungsleitung: Zum Ausbau des niederländischen Stromnetzes benötigt Tennet 500 Millionen Euro

Offene Haftungsfragen, schleppende Anbindung: In der Vergangenheit hat der Netzbetreiber Tennet kaum gepunktet beim Anschluss von deutschen Offshore-Windparks an das Stromnetz. Um seine Finanzlage im Heimatmarkt Niederlande zu verbessern, erwägt der Konzern nun einen Börsengang.

Amsterdam - Der staatliche niederländische Netzbetreiber Tennet will die teure Anbindung von Windkraftanlagen auf See möglicherweise mit Hilfe eines Börsengangs stemmen. Das Unternehmen erwäge derzeit, einen Minderheitsanteil im Wert von 500 Millionen Euro an der Börse zu verkaufen, erklärte Tennet-Chef Mel Kroon heute. Dazu werde jedoch noch eine Entscheidung des Finanzministeriums benötigt, die im Sommer erwartet werde.

Für die Investitionen in Deutschland sei "die Bilanz mit zusätzlichem eigenen Vermögen mit Erfolg" verstärkt worden, teilte das Unternehmen mit. In Deutschland will Tennet acht Milliarden Euro investieren, vor allem in den Anschluss von Offshore-Windparks.

Doch für den Ausbau des niederländischen Netzes braucht Tennet nach eigenen Angaben in den nächsten zwei Jahren rund 500 Millionen Euro. "Das kann durch eine Kapitalspritze des Eigentümers, des niederländischen Staates, geschehen oder einen Gang an die Börse", sagte der Vorstandsvorsitzende von Tennet, Mel Kroon. Finanzminister Jeroen Dijsselbloem werde im Sommer eine Entscheidung treffen. "Das warten wir ab" , sagte Kroon. In den kommenden zehn Jahren will Tennet rund fünf Milliarden Euro in den Niederlanden investieren.

An der Entwicklung eines nordwest-europäischen Energiemarktes gehe kein Weg vorbei, sagte Kroon. "Unsere Investitionen in das niederländische und deutsche Netz sind dringend notwendig, wobei wir weiterhin eine hohe Liefersicherheit mit angemessenen Preisen für den Transport der Elektrizität kombinieren müssen."

Bei der Netzanbindung deutscher Windkraftanlagen auf hoher See kommt der Firma eine zentrale Bedeutung zu. Tennet allein ist jedoch nicht finanzstark genug, um diese Milliarenaufgabe allein zu schultern. Wegen der knappen Staatskassen hat sich das Unternehmen deshalb auf die Suche nach alternativen Finanzierungsquellen gemacht - etwa den Verkauf von Anleihen und Geschäftsteilen.

wed/dpa/rtr

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