Donnerstag, 19. September 2019

Energiekonzerne Wir schalten ab!

Energie: Politik und Markt sind nicht allein verantwortlich für die schlechten Zahlen

Den Energiekonzernen stehen harte Zeiten bevor. Sie wissen das. Was sie geflissentlich verdrängen, ist die Tatsache, dass sie auch selbst einiges falsch gemacht haben.

Ja, die Politik. Die den Atomausstieg übereilte und die Energiewende vermasselt. Und ja, der Markt. Sinkende Nachfrage, bröckelnde Strom- und Gaspreise, mithin miese Margen.

Politik und Markt - das sind die Standardargumente, mit denen Deutschlands Energiemanager schlechte Zahlen und noch schlechtere Aussichten rechtfertigen.

Hier mal die Grundmelodie des Stromblues: Eon Börsen-Chart zeigen kündigt für 2013 rückläufige Gewinne an, wagt für 2014 keine Prognose. Vattenfall Europe Börsen-Chart zeigen hat 2012 Umsatz und Gewinn verloren. Bei EnBW Börsen-Chart zeigen: Gewinnminus in 2012, für 2013 wird gleiches erwartet. Und RWE Börsen-Chart zeigen rechnet gar mit einem Rückgang der Erträge bis 2015.

Aber wie gesagt: der Markt, die Politik. Dabei gerät nur zu leicht in Vergessenheit, dass die Konzerne selbst ihren Teil zu der Misere beigetragen haben.

  • In guten Zeiten wurden Beteiligungen zu teuer eingekauft. Das rächt sich jetzt, hohe Wertberichtigungen sind fällig. So muss etwa Vattenfall für den niederländischen Stromversorger Nuon 1,8 Milliarden Euro abschreiben.
  • Den Ausbau der erneuerbaren Energien haben die trägen Kolosse zu halbherzig angepackt. Jetzt werden die Investitionen immer kostspieliger.
  • Sparmaßnahmen wurden, wie bei Eon, unzureichend kommuniziert. Das hat die Mitarbeiter verunsichert. Wie soll da Aufbruchstimmung aufkommen?
  • An verfehlten Plänen wurde zu lange festgehalten. EnBW zum Beispiel ist es bisher nicht gelungen, aus seinem teuren Investment beim Oldenburger Versorger EWE, wie eigentlich vorgesehen, eine pfiffige Gesamtstrategie zu entwickeln, da kommt auch nichts mehr.
  • Die Unternehmen haben den Kunden aus dem Blick verloren. EnBW hat seine Stammklientel Stadtwerke über Jahre vergrault. Die Devise des neuen Chefs heißt nun: vom Kunden her denken. Wow, welch steile Erkenntnis!

Die bevorzugte Strategie ist derzeit allenthalben das Schrumpfen. Extra omnia - alles muss raus. Die Konzerne stoßen Beteiligungen ab, um von ihren immensen Schulden herunterzukommen. Ein schmaler Grat. Denn auch Gewinne wechseln den Besitzer. Wenn RWE seine Explorationstochter Dea losschlägt, geht ein stattliches Jahresergebnis von 685 Millionen Euro gleich mit koppheister.

Zig Milliarden Euro werden umverteilt, zigtausende Stellen gestrichen. Die Branche bekommt ein neues Gesicht: EnBW entwickelt sich zum Regionalversorger, Schwedens Vattenfall zieht sich womöglich ganz aus Deutschland zurück, die Erzeugungsgiganten von einst, Eon und RWE, denken verstärkt über Dienstleistungen nach.

Auch die Konzernlenker, die in der Beschaulichkeit des Monopols groß geworden sind, müssen und werden sich verändern. Sonst bleiben sie nicht mehr lange im Amt. Das, was er in den vergangenen zweieinhalb Jahren als Eon-Chef erlebt habe, bekannte Johannes Teyssen im Interview mit dem manager magazin (siehe mm 2/2013), das reiche "für zwei, drei Managerleben".

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