Energieriese Vattenfall erwägt Verkauf von Kohlekraftwerken

Der schwedische Versorger Vattenfall erwägt einem Zeitungsbericht zufolge den Verkauf von Geschäftsteilen in Deutschland. Dabei dürfte es sich um Kohlekraftwerke handeln. An einen Rückzug aus Deutschland denkt der Konzern jedoch nicht.
Vattenfall-Braunkohlekraftwerk in Jänschwalde: Täglich werden hier etwa 90.000 Braunkohle in den Öfen des Kraftwerkes verbrannt

Vattenfall-Braunkohlekraftwerk in Jänschwalde: Täglich werden hier etwa 90.000 Braunkohle in den Öfen des Kraftwerkes verbrannt

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Hamburg - Dabei gehe es wohl in erster Linie um Kohlekraftwerke, berichtete das Blatt "Dagens Industri" am Freitag. Ziel sei es, den CO2-Ausstoß und die damit verbundenen Kosten zu senken. Das Unternehmen habe bereits im November mit zwei Investmentbanken Verkaufsmöglichkeiten sondiert.

An einen vollständigen Rückzug aus Deutschland denke der Konzern aber nicht. Das Deutschand-Geschäft, das schätzungsweise fünf bis zehn Milliarden Euro wert sein dürfte, sehe Vattenfall weiter als einen seiner Kernsparten an. Ein Sprecher des Unternehmens wollte sich nicht dazu äußern.

Vattenfall will seine Erzeugung aus Ökostrom wie Wind, Wasser und Sonne in den kommenden Jahren deutlich ausbauen. Zugleich betreiben der Konzern große Kohlekraftwerke, die wegen des Ausstoßes von klimaschädlichem Kohlendioxid umstritten sind. Hierzulande ist Vattenfall der drittgrößte Stromerzeuger nach RWE  und Eon  .

In seiner Heimat Schweden ist Vattenfall zuletzt vermehrt in die Kritik geraten Über den 2012 eingebrochenen Gewinn berichtete die Wirtschaftszeitung "Dagens Industri" mit der Schlagzeile "Vattenfalls ausländische Milliarden-Klatschen". Neben 1,8 Milliarden Euro (15 Mrd Kronen) Verlust aus dem völlig überteuerten Kauf des niederländischen Gaskonzerns Nuon 2009 sei der gleiche Betrag durch den deutschen Atomausstieg sowie den Zwangsverkauf des Stromnetzes "in Rauch" aufgegangen.

Dass Vattenfalls Erträge als viertgrößter Stromerzeuger in Deutschland durch klimaschädliche Kohle hochgehalten werden und das Unternehmen in den Niederlanden auf den ebenfalls fossilen Energieträger Gas setzt, stimmt die Stockholmer Kritiker nicht milder. "Vattenfall investiert in die falschen Energien und liefert der Öffentlichkeit Mogelpackungen über den angeblichen Ausbau nachhaltiger Energien", sagt Martina Krüger von Greenpeace.

Auch zuständige Minister in Stockholm sind Vattenfall schon mit genau dieser Kritik angegangen. "Es ist in Schweden kaum zu vermitteln, warum wir in Deutschland auf Braunkohle setzen müssen", räumt Vattenfalls Kommunikationschef Ivo Banek ein. Das Argument des Deutschen in der Stockholmer Konzernzentrale: "Deutschland braucht die Braunkohle, und wir brauchen die Einnahmen daraus, um kräftig in nachhaltige Energien investieren zu können."

la/reuters/dpa