Sonntag, 25. August 2019

Elektroauto-Tankstellen Start-up will Lücken im Ladenetz stopfen

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BMW

3. Teil: Der große Feldtest steht noch aus

Es gibt allerdings einen gewichtigen Haken: Noch ist das System des 14-köpfigen Berliner Start-ups nicht serienreif. Zwar kann Hechtfischer seit kurzem Steckdosen-Prototypen samt Kabel herzeigen und damit bei den Kommunen werben. Erste Versuche mit Energieversorgern in Frankreich und der Schweiz laufen bereits, in Deutschland fördert das Bundeswirtschaftministerium die Erprobung der Technologie. Doch ein größer angelegter Feldtest startet erst im Laufe des ersten Halbjahrs. "Wir müssen unsere Leistungsfähigkeit beweisen", sagt Hechtfischer.

In der Theorie klingt das Konzept ebenso simpel wie einleuchtend. Bei jedem Ladevorgang verbinden sich die "intelligenten" Stromkabel per Mobilfunk mit einer Leitzentrale. Diese erfasst nicht nur, wo, von wem und wie viel Strom entnommen wurde. Sie überprüft zunächst, ob der Nutzer überhaupt zur Stromentnahme berechtigt ist, schaltet ihn frei - und leitet die Zählerdaten dann zur Abrechnung weiter.

Die Stromzapfer müssen einen Vertrag mit einem Versorger abschließen, Ubitricity verdient an einer Grundgebühr für die Zähler. Diejenigen, die ihre Steckdosen zur Verfügung stellen, verdienen nach dem derzeitigen Konzept nichts daran. Dafür sparen sie laufende monatliche Kosten, die bei herkömmlichen Ladesäulen für Zugangskontrollen und Abrechnung entstehen.

Seinen Interessenten gehe es weniger um ein Zusatzgeschäft, sondern darum, kostengünstig Ladeinfrastruktur bereitzustellen, sagt Hechtfischer. Als potenzielle Kunden sieht Ubitricity deshalb etwa Einkaufszentren, die mit Parkplätzen samt Lademöglichkeit neue Kunden anlocken könnten. Immobilienentwickler sind laut Angaben von Ubitricity ebenfalls interessiert. Gespräche gibt es auch mit mehreren Stadtwerken und einem großen Versorger.

Kommunen zeigen Interesse

Das größte Interesse geht aber von Kommunen aus. "Bei allen steht auf der Agenda, dass sie für das Zukunftsthema Elektromobilität Voraussetzungen schaffen müssen", sagt Hechtfischer. Mit der Lösung von Ubitricity wäre das deutlich billiger möglich als mit den bisher aufgebauten Ladesäulen - wenn die Lösung des Start-ups tatsächlich im großen Maßstab funktioniert.

Die Ladesäulen-Anbieter versuchen derzeit, in einem lukrativeren Feld Fuß zu fassen: Schnellladestationen für Privathaushalte, Unternehmensgaragen oder Hotels. Gut vier Fünftel aller Ladevorgänge bei Elektroautos werden in der heimischen Garage oder beim Arbeitgeber durchgeführt, zeigen Studien. So gibt es erste Produkte am Markt, mit denen sich Steckdosen drahtlos aus der Ferne ein- und ausschalten lassen.

Die Lademöglichkeiten-Pioniere handhaben die Entnahme von Strom derzeit nicht gerade strikt. Das Hamburger Hotel EAST etwa hat eine Schnellladestation im Parkhaus installiert - auf Initiative des Elektroautoherstellers Tesla. Gedränge herrscht an der Stromtankstelle nicht. Es gebe zwar einen Extra-Stromzähler, erklärt die Pressesprecherin des Hotels, Kathrin Beulshausen. Doch extra abrechnet werde das nicht. "Wir sind ein Vier-Sterne-Superior-Hotel. Das gehört für uns zum Service", meint sie. Sollte sich jedoch ein Stromtourismus einbürgern, denke man über die Einführung eines Bezahlsystems nach. Das ist derzeit nicht der Fall.

Denn noch sind Elektroautofahrer eine verschwindend kleine Minderheit. Im vergangenen Jahr wurden deutschlandweit 2956 Elektroautos neu zugelassen, der gesamte Neuwagenmarkt pendelte lag knapp über 3 Millionen Fahrzeuge. Immerhin kommen in den nächsten Monaten einige neue Modelle auf den Markt - von der Elektroauto-Version des VW-Kleinwagens Up bis hin zum Karbonflitzer BMW i3.

Das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Stromer auf deutschen Straßen zu haben, wird bei diesem Tempo aber kaum zu halten sein.

Hinweis: In der aktuellen Ausgabe des manager magazins (Heft 3/2013) lesen Sie mehr über das erlahmende Interesse deutscher Hersteller an Batteriemobilen. Tesla-Chef Elon Musk erläutert im Interview die Tücken der Serienproduktion und Teslas Verhältnis zu Daimler.

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