Sonntag, 16. Juni 2019

Elektroauto-Tankstellen Start-up will Lücken im Ladenetz stopfen

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2. Teil: "Das Geschäftsmodell ist eine Herausforderung"

Verkehrskommissar Siim Kallas forderte in einem Strategiepapier nun eine halbe Million Ladestationen von Europas Regierungen. Alleine in Deutschland sollen bis 2020 rund 150.000 solcher Stationen stehen. Ende 2011, so hat die EU nachgerechnet, waren es nicht einmal 2000. Die EU fürchtet, einen wichtigen Zukunftsmarkt zu verpassen. Wenn sich China und die USA an ihre Pläne halten, dürften 2020 in beiden Ländern mehr als sechs Millionen Elektrofahrzeuge unterwegs sein, prophezeit Kallas. "Das ist eine enorme Chance für Europa, sich auf einem rasch wachsenden globalen Markt eine starke Position zu sichern", so Kallas.

Deutsche Autohersteller und Zulieferer können sich durchaus Hoffnungen machen, obwohl sie ihre Pläne für reine Stromer in letzter Zeit deutlich zusammengestrichen und nach hinten verschoben haben. Doch für die Energieversorger gilt das nur sehr bedingt. Bislang scheitert der Aufbau eines Stromtankstellennetzes nicht nur an der geringen Zahl an Elektroautos - sondern auch an simplen Kostenbetrachtungen.

Die Errichtung einer Ladesäule im öffentlichen Raum ist nämlich nicht gerade billig. Gut 6000 Euro kostet eine solche Säule. Denn die Säulen sind nicht nur einfach eine bessere Steckdose. Sicherheitsvorrichtungen sollen Stromschläge und Missbrauch verhindern - denn die meisten Ladesäulen stehen im öffentlichen, nicht ständig überwachten Raum. Zudem enthalten die Kästen auch noch IT-Komponenten, die die Abrechnung mit dem eigenen oder fremden Stromversorger regeln. Dazu kommen noch 1000 bis 2000 Euro für die Aufstellung samt Betonieren.

Für die Komplettladung eines durchschnittlichen Elektroauto-Akkus fallen aber Stromkosten von vier bis fünf Euro an - und das dauert selbst bei Schnellladestationen mehrere Stunden. "Das Geschäftsmodell ist eine Herausforderung", sagt ein Branchenkenner. "Es ist sehr schwierig, so etwas auf Basis von Strom-Haushaltspreisen umzusetzen." Im Klartext: Für den Errichter der Schnellladestation wird sich seine Investition auf Basis der aktuellen Preise wohl nie rechnen.

Laden am Laternenmast?

Die bisher errichteten, öffentlich zugänglichen Ladestationen werden daher eher aus Imagegründen betrieben - von Versorgern, aber auch von Kommunen oder Unternehmen, die ihre Kompetenz im Bereich Elektromobilität untermauern wollen. Energieriesen wie RWE Börsen-Chart zeigen oder Eon Börsen-Chart zeigen sehen sich im Bereich Elektromobilität deshalb weniger als Stromlieferant, sondern als Systemanbieter. So offeriert etwa RWE ein ganzes Sortiment an Ladesystemen, von wenigen hundert Euro teuren Schnelladern für die Garage bis hin zu Ladesäulen für mehrere tausend Euro.

Gerade finanziell klamme Kommunen denken lange nach, bevor sie die teuren und nur wenig genutzten Ladesäulen ordern. Ein Hoffnungsschimmer gibt es allerdings - und der kommt aus Berlin. Dort entwickelt das Start-up Ubitricity ein mobiles Lade- und Abrechnungssystem, mit dem Kommunen relativ kostengünstig etwa Laternenmasten zu Stromtankstellen ummodeln können.

"Das funktioniert nicht bei allen Lichtmasten, aber es gibt halt 10 Millionen davon", sagt Ubitricity-Mitgründer Knut Hechtfischer. Auch Stromanschlüsse in Parkhäusern oder vor Geschäften sollen sich mit dem Ubitricity-Ansatz vergleichsweise günstig zu Stromer-Zapfsäulen umrüsten lassen. Nicht mehr als 300 Euro sollen die speziellen Steckdosen kosten. Der Clou dabei: Die Ubitricity-Kunden bringen ihr eigenes Abrechnungssystem selbst mit - in Form eines speziellen Ladekabels, das einen Stromzähler samt Mobilfunkmodul zur Abrechnung eingebaut hat. Rund 100 Euro sollen Elektroauto-Fahrer zusätzlich dafür berappen müssen.

Damit soll die Errichtung von Ladestationen deutlich kostengünstiger werden, hofft das Start-up. Denn die Aufrüstung der Lichtmasten mit speziellen Steckdosen sei relativ einfach machbar. "Wir müssen nicht graben und nicht betonieren", sagt Hechtfischer. "Der Reiz besteht darin, dass der Aufwand zur Doseninstallation so gering ist".

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