Donnerstag, 5. Dezember 2019

Firmen erzeugen selbst Strom Großkunden laufen RWE und Eon davon

Hohe Strompreise: Wie Firmen die Versorgung in die eigene Hand nehmen
REUTERS

3. Teil: Kerngeschäft der Stromkonzerne droht weiter zu erodieren

Aber auch die Hersteller von Kraft-Wärme-Koppelungs-Anlagen (KWK)frohlocken. "Wir erwarten einen deutlichen Schwung für unser Geschäft durch steigende Strompreise", sagt der Geschäftsstellenleiter des Bundesverbandes Kraft-Wärme-Koppelung, Wulf Binde. "Da rührt sich schon jetzt etwas." Ein Grund dafür ist, dass der Gesetzgeber selbstverbrauchten Strom aus KWK-Anlagen fördert.

Manchen Strategen bei Versorgern und Netzbetreibern dürfte bereits etwas flau im Magen werden. Ihr Kerngeschäft droht weiter zu erodieren, die Kraftwerke könnten häufiger stillstehen.

"Das Spiel wird sich stark verändern", sagt Berater Torsten Henzelmann von Roland Berger. "Große Stromkonzerne sind gezwungen, sich auf das kleinteilige Geschäft einzulassen, sonst machen es andere." Die Frage sei allerdings, ob sie es wirtschaftlich könnten.

Entscheidend könnte der Faktor Zeit sein. Die aktuelle Debatte um das EEG hilft den Versorgern insofern etwas - die erneuerbaren Energien werden allgemein als Kostentreiber wahrgenommen. Wird das EEG deshalb beispielsweise abgeschafft, stehen die Stromkonzerne etwas weniger unter dem Druck der Erneuerbaren.

Neuer Sprengstoff für die Energiewende-Debatte

Leiden würde paradoxerweise aber auch der subventionsfreie Einsatz erneuerbarer Energien. Für Banken, die Wind- und Solarkraftwerke finanzieren, bietet das EEG eine wertvolle Sicherheit - auch wenn der Betreiber den Strom selbst verbrauchen will: Geht er nämlich pleite, gibt es da ja noch die EEG-Vergütung, aus der sich die Bank bedienen könnte.

Auch Netzbetreibern beschert die wachsende Liebe der Firmen zur Selbstversorgung Probleme. Sie müssen ihre Kosten auf eine sinkende Zahl von durchgeleiteten Kilowattstunden umlegen - und die Gebühren erhöhen. Das würde alle Stromkunden treffen, was neuen Sprengstoff in der Energiewende-Debatte bedeutet.

Beim Fischvermarkter "Deutsche See" in Bremerhaven stehen diese Gedanken derzeit nicht im Mittelpunkt. Die Verantwortlichen sind beim Thema Selbstversorgung offenbar auf den Geschmack gekommen - weitere Solaranlagen sind nach ihren Angaben jedenfalls geplant.

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