Mittwoch, 19. Juni 2019

Solar-Verfahren gegen China Wunderwaffe ohne Wirkung

Deutschland adé? Installateure in einem Solarpark in Nordchina.

Die EU droht chinesischen Solarkonzernen mit Anti-Dumping-Zöllen - doch ob diese tatsächlich kommen, ist höchst fraglich. Für viele europäische Modulhersteller käme der Schutz ohnehin zu spät. Dem Rest der Sonnenbranche würden sie zudem massiv schaden.

Hamburg - Anleger des Bonner Sonnenkonzerns Solarworld haben schon am Montag dieser Woche frohlockt. Um etwa 10 Prozent schoss der Aktienkurs in die Höhe, bald darauf brachen die Notierungen der Konkurrenz aus China ein. Offenbar war bereits etwas durchgesickert von der Entscheidung der EU-Kommission, ein Anti-Dumping-Verfahren gegen chinesische Solarkonzerne einzuleiten.

Heute bestätigten die Brüsseler Bürokraten nun, dass sie tätig werden. Bis Ende des kommenden Jahres wollen sie untersuchen, ob Konzerne wie Suntech Börsen-Chart zeigen, LDK Solar oder Yingli tatsächlich vom chinesischen Staat auf unlautere Weise gefördert werden und so die Marktchancen europäischer Firmen wie Solarworld Börsen-Chart zeigen mit Billigprodukten zerstören. Das hatten mehr als 20 Firmen geltend gemacht.

Es ist jedoch höchst fraglich, ob die darbende Solarindustrie Europas angesichts der Nachricht aus Brüssel wirklich Grund zum Jubeln hat: Das nun eingeleitete Verfahren birgt einige Tücken, die Lage ist bei manchem Unternehmen bereits aussichtslos, und zu allem Überfluss ist die europäische Solarbranche selbst zerstritten über Nutzen und Schaden von Anti-Dumping-Maßnahmen.

Zu spät, um noch Weichen zu stellen

Der Grund: Die Unternehmen sind zwiegespalten. Zum einen in die Gruppe der darbenden Zellen- und Modulhersteller, die unter den billigen Konkurrenzprodukten leiden. Zum anderen in die heterogene Gruppe von Installateuren, Projektierern und Maschinenbauern, die von den Chinesen als Zulieferer oder Abnehmer profitieren.

Die Mehrheit der europäischen Solardienstleister kalkuliert in der eigenen Kostenrechnung längst mit den Billigpreisen chinesischer Zell- und Modullieferanten - allen voran Projektierer wie IBC Solar, Juwi, Phoenix Solar Börsen-Chart zeigenoder Wirsol. Letzterer hat in den vergangenen Jahren stark aufgebaut.

Allein die Tatsache, dass die EU-Kommission 15 Monate lang prüfen will, ob es Zölle gibt, dürfte den Zweck des Verfahren für viele Firmen obsolet machen. Anbieter wie Q-Cells oder Sovello sind bereits in der Insolvenz und können nicht mehr so lange warten.

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