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Hoher Ölpreis: Wie Firmen den Verbrauch drücken

Foto: Peer Grimm/ picture-alliance/ ZB

Firmen trotzen Spritpreis Handeln statt Jammern

Jeder Tropfen zählt: Während die Spritpreise täglich Höchststände erreichen, entwickeln Unternehmen verstärkt Ideen, um der Kostenlawine Herr zu werden. Sparsamere Autos sind die eine Möglichkeit. Doch zunehmend setzen sich radikalere Maßnahmen durch.

Hamburg - Wie sehr steigende Spritpreise ein Unternehmen belasten können, wissen wohl wenige Manager so gut wie die der Spedition Kühne + Nagel. Umso genauer achten sie darauf, dass kein Tropfen zu viel verbraucht wird - auch in der 1000 Autos umfassenden Dienstwagenflotte.

Mit sanftem Druck ermutigt das Schweizer Unternehmen seine Mitarbeiter seit knapp zwei Jahren, ein etwas kleineres, zumindest aber verbrauchsärmeres Autos auszusuchen. Wer sich darauf einlässt, muss für die Ausstattung weniger selbst bezahlen.

"Es funktioniert", sagt Einkaufs- und Fuhrparkleiterein Gaby Schlaak. "Gut ein Drittel der Mitarbeiter nimmt das Angebot an, und sie fühlen sich nicht degradiert." Trotz gestiegener Spritpreise hat Kühne + Nagel  die Millionenkosten für Dienstwagen-Diesel seit Beginn des Programms um knapp 10 Prozent gesenkt. Die mitunter etwas höheren Leasingraten für Sparautos machen den Effekt nach Unternehmensangaben keinesfalls zunichte.

Ohne derartige Programme lassen sich die steigenden Spritpreise für Unternehmen derzeit kaum auffangen. Etwa 1,70 Euro pro Liter kostet Benzin derzeit im Schnitt - so viel wie noch nie. Bei Diesel ist mit 1,54 Euro ebenfalls ein Rekord erreicht. Öffentlich klagen zwar viele Firmen und Verbände über die Lasten und fordern den Staat zu Steuersenkungen auf. Gleichzeitig entwickeln zahlreiche Manager Ideen, mit denen sie die Wirkung steigende Preise mehr als ausgleichen.

Firmen deckeln Verbrauch der Dienstfahrzeuge

Besonders hart trifft der Preisanstieg naturgemäß Airlines, Speditionen und Reedereien. Gesellschaften wie die Lufthansa  rücken Sitze aneinander, um mehr Menschen pro Maschine transportieren zu können; die Billiganbieter verlangen eine Extragebühr für Gepäck. Speditionen wie DB Schenker Logistics bringen jedes Jahr 10.000 Fahrern im Simulator spritsparendes Fahren bei und belohnen den besten Lenker mit Geld. Reeder lassen ihre Schiffe langsamer fahren. Letztlich sind diese Firmen aber auch auf steigende Preise für ihre Dienste angewiesen.

Der überwiegende Teil der Unternehmen kann die Folgen des Spritpreises aber durchaus in den Griff bekommen, zumindest solange Pkw betroffen sind. Das zeigen außer Kühne + Nagel viele weitere Firmen. Gefragt sind Sparmaßnahmen, neue Technologien oder logistische Konzepte.

Auch manche Dax-Firmen haben sich zum Teil ehrgeizige Ziele gesetzt, um den Verbrauch ihrer Flotten zu senken. So will der Leverkusener Pharma- und Chemieriese Bayer  den Kohlendioxid-Ausstoß seiner 24.000 Wagen bis Ende 2012 um 20 Prozent im Vergleich zu 2007 senken. Ende 2011 lag das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits bei 18 Prozent.

Erdgas halbiert die Spritkosten

Ursprünglich ging es bei dem Vorhaben vor allem um den Klimaschutz. "Das Programm ist aber zugleich ein Hebel um Kosten zu sparen", sagt ein Unternehmenssprecher gegenüber manager magazin online. In Zeiten explodierender Preise bekommt diese Facette des Umweltgedankens plötzlich ein viel größeres Gewicht - und zahlt sich inzwischen aus.

Bei seinen Dienstwagen setzt Bayer ähnlich wie Kühne + Nagel weitgehend auf Freiwilligkeit. Drastische Sparvorgaben wollen und können viele Firmen ihren Mitarbeitern nicht machen, weil sich dann der Betriebsrat quer stellen würde. Die deutsche Umwelthilfe kritisiert deshalb den Flottenverbrauch vieler Firmen - darunter Bayer - als zu hoch. Die freie Auswahl eines Dienstwagens gilt vielen Deutschen immer noch als heilige Kuh. Allerdings sinke die Bedeutung, wie Kühne + Nagel-Frau Schlaak sagt.

Etwas radikaler können die Firmen bei Autos des eigenen Fuhrparks vorgehen, zum Beispiel im Vertrieb. So schreibt Bayer Obergrenzen für den CO2-Ausstoß seiner Fahrzeuge fest, was zugleich Kosten spart. Dabei unterscheidet das Unternehmen nach einzelnen Ländern. "Ein Vertriebsmitarbeiter in ländlichen Regionen der USA braucht einfach ein anderes Auto als in Japan", sagt der Bayer-Sprecher. In Frankreich und Spanien gilt ein Wert von 140 Gramm CO2 pro Kilometer. Für Deutschland hat das Unternehmen gerade ebenfalls diese Grenze beschlossen.

Je nach Land setzt der Konzern auch auf alternative Antriebe wie Hybrid. Zudem ersetzt Bayer 400 Wagen durch Erdgasfahrzeuge und hat an der Firmenzentrale gerade eine Gastankstelle eingeweiht. Das spart etwa die Hälfte der Treibstoffkosten.

Taxifahrer schimpfen über deutsche Autohersteller

In Deutschland gilt Erdgas für Autoexperten seit langem als erste Wahl für Firmen, die bei ihren Flotten sparen wollen. Besonders gut wissen das Taxifahrer. "Die monatlichen Spritkosten sind von 50.000 auf 25.000 Euro gesunken", sagt der Dispositionsleiter des Münchener Vermittlers IsarFunk, Michael Stoll, über sein ehemaliges Fuhrunternehmen. Dort haben 50 Erdgasautos die alte Dieselflotte komplett ersetzt.

Stoll kann aber auch erläutern, weshalb der endgültige Durchbruch noch aussteht. So gibt es aus seiner Sicht in München immer noch nicht genügend Gastankstellen, die rund um die Uhr geöffnet haben.

Zudem haben sich die wenigen Modelle, die sich als Taxi eignen, als unzuverlässig erwiesen. Nach 30.000 bis 60.000 Kilometern müssten die meisten Autos mit einem Getriebeschaden in die Werkstatt. Seiner Darstellung zufolge haben manche Hersteller ausgerechnet bei den für Vielfahrern so wertvollen Erdgasautos minderwertige Materialien eingebaut.

Taxifahrer: Toyota als "Retter in der Not"

Manche Kollegen setzen nun auf die neue Erdgas-E-Klasse von Mercedes. Doch die Wartezeiten sind derart lang, dass viele Taxiunternehmer doch wieder zum ungeliebten Diesel greifen, wenn sie plötzlich ein altes Fahrzeug ersetzen müssen.

"Die deutschen Hersteller haben beim Thema Spritsparen jahrelang geschlafen", sagt Stoll. Ein Diesel-Mercedes aus dem Jahr 2008 verbrauche im Stadtverkehr elf bis zwölf Liter. Eine weitere Hoffnung ist in München daher der Prius plus von Toyota . Der Benzin-Hybrid verbraucht nach ersten Tests nur die Hälfte und wird in der Szene schon als "Retter in der Not" gefeiert. Doch auch die Japaner liefern ihren neuen Siebensitzer erst nach vielen Monaten aus.

Immerhin jedes vierte der rund 1000 von Isar-Funk vermittelten Wagen ist aber schon ein Erdgas- oder Hybridfahrzeug. Bis vor kurzem glitt zudem ein reines Elektrotaxi durch München, der i-Miev von Mitsubishi . Doch die Technologie ist aufgrund geringer Reichweite und gleichzeitig fehlenden Ladesäulen noch keine Option. Immerhin: Der hohe Anschaffungspreis von gut 30.000 Euro sei angesichts der Sparmöglichkeiten im Verbrauch kein Hindernis.

Pizza- und Pflegedienste setzen auf Elektroantrieb

Andere Branchen sind beim Thema Elektromobilität schon weiter. Vor allem städtische Liefer- und Pflegedienste wittern angesichts steigender Spritpreise Sparmöglichkeiten an der Steckdose.

Jüngste Test beim größten deutschen Pizzadienst Joey's haben gezeigt, "dass wir mit einer Umstellung auf einen elektrisch betriebenen Fuhrpark eine spürbare Kosteneinsparung erreichen können", sagt Geschäftsführer Karsten Freigang. Mittelfristig will das Franchise-Unternehmen seine 200 Betriebe "überwiegend" auf Elektrofahrzeuge umstellen. Dabei hat Freigang vor allem Roller im Blick. Zudem ist in Hamburg außer Joey's auch die Konkurrenz von Smiley's und Hallo Pizza mit dem elektrischen Twizy von Renault  unterwegs.

Auch ambulante Pflegedienste nehmen Elektrofahrzeuge ins Visier. So ersetzt die Bremer Zentrale für Private Fürsorge zunehmend Autos durch Elektrofahrräder. "Das ist erheblich günstiger", sagt Geschäftsführer Johannes Foppe. Vor allem kämen seine Mitarbeiter aber mangels Stau und Parkplatzsuche schneller und bequemer voran. Etwa 50 Kilometer am Tag radeln manche Pfleger nun mit Rückenwind aus dem Akku.

Unerwartete Fortschritte macht die Elektromobilität auch bei Bussen. In Nordwest-Mecklenburg ist seit einigen Wochen der erste Überlandbus mit Batterie unterwegs. Im Kreis Pinneberg bei Hamburg erhofft sich die örtliche Verkehrsgesellschaft erhebliche Ersparnisse gegenüber Diesel und testet ein Elektromodell aus China.

Dass Sparen mitunter auch Verzicht heißt, zeigt sich beim Münchener Technologiekonzern Siemens . Dort sollen Mitarbeiter Fahrten möglichst gar nicht erst antreten und stattdessen per Telefon konferieren. Seinen Führungskräften macht das Unternehmen zudem seit einigen Jahren ein besonderes Angebot: Wer auf seinen Dienstwagen ganz verzichtet, bekommt stattdessen 650 Euro zusätzlich im Monat. So mancher, heißt es bei Siemens, habe davon bereits Gebrauch gemacht.

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