Dienstag, 26. Mai 2020

Firmen trotzen Spritpreis Handeln statt Jammern

Hoher Ölpreis: Wie Firmen den Verbrauch drücken
dapd

Jeder Tropfen zählt: Während die Spritpreise täglich Höchststände erreichen, entwickeln Unternehmen verstärkt Ideen, um der Kostenlawine Herr zu werden. Sparsamere Autos sind die eine Möglichkeit. Doch zunehmend setzen sich radikalere Maßnahmen durch.

Hamburg - Wie sehr steigende Spritpreise ein Unternehmen belasten können, wissen wohl wenige Manager so gut wie die der Spedition Kühne + Nagel. Umso genauer achten sie darauf, dass kein Tropfen zu viel verbraucht wird - auch in der 1000 Autos umfassenden Dienstwagenflotte.

Mit sanftem Druck ermutigt das Schweizer Unternehmen seine Mitarbeiter seit knapp zwei Jahren, ein etwas kleineres, zumindest aber verbrauchsärmeres Autos auszusuchen. Wer sich darauf einlässt, muss für die Ausstattung weniger selbst bezahlen.

"Es funktioniert", sagt Einkaufs- und Fuhrparkleiterein Gaby Schlaak. "Gut ein Drittel der Mitarbeiter nimmt das Angebot an, und sie fühlen sich nicht degradiert." Trotz gestiegener Spritpreise hat Kühne + Nagel Börsen-Chart zeigen die Millionenkosten für Dienstwagen-Diesel seit Beginn des Programms um knapp 10 Prozent gesenkt. Die mitunter etwas höheren Leasingraten für Sparautos machen den Effekt nach Unternehmensangaben keinesfalls zunichte.

Ohne derartige Programme lassen sich die steigenden Spritpreise für Unternehmen derzeit kaum auffangen. Etwa 1,70 Euro pro Liter kostet Benzin derzeit im Schnitt - so viel wie noch nie. Bei Diesel ist mit 1,54 Euro ebenfalls ein Rekord erreicht. Öffentlich klagen zwar viele Firmen und Verbände über die Lasten und fordern den Staat zu Steuersenkungen auf. Gleichzeitig entwickeln zahlreiche Manager Ideen, mit denen sie die Wirkung steigende Preise mehr als ausgleichen.

Firmen deckeln Verbrauch der Dienstfahrzeuge

Besonders hart trifft der Preisanstieg naturgemäß Airlines, Speditionen und Reedereien. Gesellschaften wie die Lufthansa Börsen-Chart zeigen rücken Sitze aneinander, um mehr Menschen pro Maschine transportieren zu können; die Billiganbieter verlangen eine Extragebühr für Gepäck. Speditionen wie DB Schenker Logistics bringen jedes Jahr 10.000 Fahrern im Simulator spritsparendes Fahren bei und belohnen den besten Lenker mit Geld. Reeder lassen ihre Schiffe langsamer fahren. Letztlich sind diese Firmen aber auch auf steigende Preise für ihre Dienste angewiesen.

Der überwiegende Teil der Unternehmen kann die Folgen des Spritpreises aber durchaus in den Griff bekommen, zumindest solange Pkw betroffen sind. Das zeigen außer Kühne + Nagel viele weitere Firmen. Gefragt sind Sparmaßnahmen, neue Technologien oder logistische Konzepte.

Auch manche Dax-Firmen haben sich zum Teil ehrgeizige Ziele gesetzt, um den Verbrauch ihrer Flotten zu senken. So will der Leverkusener Pharma- und Chemieriese Bayer Börsen-Chart zeigen den Kohlendioxid-Ausstoß seiner 24.000 Wagen bis Ende 2012 um 20 Prozent im Vergleich zu 2007 senken. Ende 2011 lag das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits bei 18 Prozent.

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